Datev-index: Der Aufschwung kommt im Mittelstand nicht richtig an
Der deutsche Mittelstand darbt. Der Umsatz kommt nicht recht voran. In vielen Branchen geht es trotz der Erholung in der Wirtschaft immer noch abwärts. Das zeigt der Datev-Mittelstandsindex.
Der konjunkturelle Aufschwung, den die Bundesregierung für dieses Jahr prognostiziert, kommt in den mittelständischen Unternehmen nur begrenzt an. Seit dem Hoch im März stagniert der Umsatz in der Gesamtheit des Mittelstands. Das zeigt der Datev-Mittelstandsindex, den die F.A.Z. exklusiv veröffentlicht. So lag der Umsatz der mittelständischen Unternehmen – um saisonale und Kalendereffekte bereinigt – im September zwar ein Prozent höher als vor einem Jahr. Gegenüber dem Vormonat aber ging der Umsatzindex um ein Prozent zurück. Seit März hat die Aufwärtsbewegung, die sich zuvor im Trend abgezeichnet hatte, ein Ende gefunden. Weil zugleich die Lohnkosten weiter steigen, erkennt der Vorstandsvorsitzende der Datev eG, Robert Mayr, nur ein schwaches Signal für eine Besserung. Die wirtschaftliche Entwicklung erreiche nicht alle Teile des Mittelstands gleichermaßen, sagte Mayr. In wichtigen Branchen wie dem verarbeitenden Gewerbe, dem Baugewerbe und dem Handel ist der mittelständische Umsatz seit Jahresbeginn 2023 im Trend gesunken. Das Umsatzminus beträgt seither im verarbeitenden Gewerbe rund elf Prozent, im Baugewerbe rund 16 Prozent und im Handel rund neun Prozent. Im Gastgewerbe geht der mittelständische Umsatz seit April im Trend und zuletzt beschleunigt zurück. Positiv in diesem langfristigen Vergleich haben sich andere Branchen entwickelt, allen voran Gesundheit und Sozialwesen sowie Erziehung und Unterricht. Einen klaren Aufwärtstrend in den jüngsten Monaten weist nur eine Branche auf: der Verkehr und die Lagerei. Das lässt sich interpretieren als Signal einer wirtschaftlichen Verbesserung in der gesamten Wirtschaft, die mehr Transportleistung verlangt. Auch die höheren Energiepreise mögen da hineinspielen. Große Unterschiede zwischen den mittelständischen Unternehmen zeigen sich in der Größenabgrenzung. Die kleinsten Unternehmen mit bis zu zehn Mitarbeiter weisen seit Monaten sinkende Umsätze auf, während kleine und mittelgroße Unternehmen ihre Umsätze gesteigert haben. Vom kräftigen Lohnwachstum sind die mittelständischen Unternehmen aller Größen mehr oder weniger gleich betroffen. Datev weist für die Lohnentwicklung im gesamten Mittelstand für September ein Plus von 5,5 Prozent aus. Die Beschäftigung sank abermals und war 0,2 Prozent niedriger als vor einem Jahr. Die Datev-Genossenschaft, ein Informationsdienstleister der steuerberatenden Berufe, greift für den Mittelstandsindex auf die Umsatzsteuervoranmeldungen von mehr als einer Million Unternehmen und auf die Lohn- und Gehaltsabrechnung von mehr als acht Millionen Arbeitnehmern in Deutschland zurück. Die Daten werden anonymisiert und aggregiert in dem Index verdichtet. Der Mittelstandsindex steht früher als die amtliche Statistik zur Verfügung und ermöglicht einen guten Einblick in die konjunkturelle Lage der mittelständischen Unternehmen.
Quelle: FAZ ›
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