Nachrichten aus Deutschland und der Welt RSS Ruhiger Modus: aus
DE EN
deublitz.de
Aktuell
Politik

Gewalt in Frankreich: „Es herrschte die Absicht zu zerstören, zu zerschlagen, zu töten“

Frankreichs Bürgermeister berichten von gestürmten Rathäusern, geplünderten Geschäften und bedrohten Bediensteten. Der Regierung in Paris werfen sie Versagen vor.

Gewalt in Frankreich: „Es herrschte die Absicht zu zerstören, zu zerschlagen, zu töten“

Der Schock über den Brand im Rathaus von Limoges sitzt bei Bürgermeister Guillaume Guérin noch tief. Das Video vom Einsturz des brennenden Rathausturms ging um die Welt. Der Republikaner deutet das Geschehen im Gespräch mit französischen Medien als Angriff auf eine weltliche, demokratische Zivilisation, die zerstört werden soll. Das 39 Jahre alte Stadtoberhaupt berichtet, dass am Samstag im Festsaal des historischen Rathausbaus der 130.000-Einwohner-Stadt noch Hochzeiten gefeiert wurden. Sein Stellvertreter und viele Bedienstete hielten sich deshalb im Gebäude auf, als die Randalierer gewaltsam eindrangen. „Sie riefen: Ihr werdet alle verbrennen!“, schildert Guérin sichtlich bewegt. „Es herrschte die Absicht zu zerstören, zu zerschlagen, zu töten“, sagt der Bürgermeister. Die Demonstration für höhere Löhne und niedrigere Preise in Limoges sei zunächst friedlich verlaufen. „Wir sind eine Stadt der einfachen Leute mit starken Gewerkschaften“, sagt Guérin. Unter die etwa 5000 Demonstranten hätten sich aber etwa 500 Aktivisten der extremen Linken gemischt. „Sie hatten Mörser und einen 200-Kilo-Rammbock mitgebracht. So etwas packt man nicht einfach in einen Rucksack“, meint der Republikaner. Die Gruppe habe schwarze Fahnen sowie palästinensische Flaggen und Fahnen der Neuen Antikapitalistischen Partei getragen. „Sie waren ganz in Schwarz gekleidet, bereit für einen urbanen Guerillakampf“, fügt er hinzu. Die städtischen Bediensteten seien schwer traumatisiert. Dem Empfangsdiener hätten die Eindringlinge gedroht: „Wir werden dich umbringen.“ Der Mann habe sich durch einen Hinterausgang retten können. Erste Städte verhängten nach den gewaltsamen Ausschreitungen bei Protesten im Land nächtliche Ausgangssperren. Diese sollten unter anderem in einigen Vierteln von Paris von Montagabend 23 Uhr bis Dienstagmorgen 6 Uhr gelten, wie die Polizeipräfektur der Hauptstadt ankündigte. Bereits ab 20 Uhr gelte in den Brennpunkten der Ausschreitungen vom Wochenende ein Demonstrationsverbot. Auch in der nördlichen Großstadt Lille wurde eine nächtliche Ausgangssperre verhängt. Weitere Kommunen in der Region verhängten ähnliche Maßnahmen. Bürgermeister fordern Antworten von der Regierung Am Montag rief die Bürgermeistervereinigung AMF die Bürger zu Versammlungen vor den Rathäusern auf, um ihre Solidarität zu zeigen und sich gegen die Attacken vom Wochenende demokratisch zur Wehr zu setzen. Der Pariser Bürgermeister Emmanuel Grégoire, ein Sozialist, verlangte von der Minderheitsregierung von Premierminister Sébastien Lecornu Erklärungen. Er wolle verstehen, „was bei der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung schiefgelaufen ist“, sagte er am Montag. Die Zahl der Randalierer sei offensichtlich unterschätzt worden, das Polizeiaufgebot nicht groß genug gewesen. Grégoire sagte, man müsse auch die „Einkesselungstaktiken der Polizei“ hinterfragen, die nach seinem Ermessen dazu führten, dass Tausende friedliche Demonstranten blockiert wurden. „Wenn überall Tränengas eingesetzt wird, treibt das alle auseinander und bietet Randalierern und Banditen die Gelegenheit, Chaos anzurichten“, sagte der sichtlich erboste Bürgermeister dem Radiosender France Inter. „Wie konnte es passieren, dass die Randalierer manchmal stundenlang herumlaufen konnten, ohne dass die Polizei eingreift?“, fragte er. In der französischen Hauptstadt kam es auch in der Nacht zum Montag zu neuen Plünderungen und Auseinandersetzungen zwischen Banden und der Polizei. In mehreren Stadtvierteln wachten Geschäftsinhaber die ganze Nacht in ihren Läden, um sie vor möglichen Plünderungsversuchen zu verteidigen. Sie beschrieben, wie sie sich mit Baseballschlägern und Pfefferspray gerüstet hatten, um Eindringlinge zu vertreiben. Der Präsident der Pariser Industrie- und Handelskammer, Dominique Restino, sprach am Montag von mindestens 400 Geschäften in Paris, die am Wochenende ausgeraubt und geplündert worden seien. In Straßenzügen um den Platz der Republik blieben am Montag die meisten Geschäfte geschlossen. Im ganzen Land wurden mehr als 1500 Läden geplündert. Rücktrittsgesuch des Innenministers abgelehnt Auch der Bürgermeister von Marseille, Benoît Payan, erhob am Montag schwere Vorwürfe gegen die Regierung. Der abtrünnige Sozialist sagte, er sei fassungslos, wie seine Stadt den Plünderern ausgeliefert worden sei. Der Staat habe sich als unfähig erwiesen, die öffentlichen Gebäude und die Staatsdiener vor den Randalierern zu schützen. Besonders erschüttert habe ihn, dass die Straftäter, die im Marseiller Rathaus randalierten, von der Polizei nicht festgenommen worden seien. Payan sagte, er wolle die Videoaufzeichnungen, die dies belegten, einer parlamentarischen Untersuchungskommission zur Verfügung stellen. „Ich verstehe nicht, warum die Polizei nicht Tränengas gegen die Plünderer, sondern gegen die Demonstranten abgefeuert hat“, sagte er. Der Polizeipräfekt hat am Montag ein Versammlungsverbot in der Mittelmeermetropole verhängt. Innenminister Laurent Nuñez hatte bei Präsident Emmanuel Macron nach dem Sicherheitsfiasko am Sonntag ein Rücktrittsgesuch vorgelegt. Doch wie Nuñez am Montag bestätigte, lehnte der Präsident den Rücktritt mit Verweis auf die angespannte Sicherheitslage ab. In einer Fernsehansprache an die Nation äußerte sich Macron entsetzt über die Zerstörungen und mahnte Gesprächsrunden an, um die Lage zu befrieden. „Beim Betrachten der Bilder haben wir uns alle gefragt: Was geht in diesen Leuten vor? Wie können Franzosen Frankreich so etwas antun? Warum das Rathaus von Limoges und das Fremdenverkehrsbüro in Lyon in Brand stecken, das Rathaus in Marseille stürmen oder die Residenz des Präfekten in Bordeaux angreifen?“, fragte der Präsident am Sonntagabend. Er bestätigte, trotzdem zu seiner Rundreise in die Golfregion aufzubrechen. Kritik an Macron: „Ein Beweis der Ohnmacht“ Für seine kommentierenden Äußerungen erntete Macron harsche Kritik. Sein früherer Premierminister, Präsidentschaftskandidat Édouard Philippe, sagte: „Unser Land braucht Führung…

Quelle: FAZ ›

Kommentare (0)

Noch keine Kommentare.

Kommentare werden vor der Veröffentlichung geprüft.
Entdecken Sie das ZDF-Nachrichtenstudio
Politik

Entdecken Sie das ZDF-Nachrichtenstudio

Nach 12 Jahren erscheinen die ZDF-Nachrichten im neuen Look. Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen – und entdecken das neue Studio in unserer 3D-Story.

ZDF heute Positiv
AfD bestätigt Hackerangriff auf E-Mail-Konten
Politik

AfD bestätigt Hackerangriff auf E-Mail-Konten

Unbekannte haben einen Hackerangriff auf Mail-Konten der AfD verübt und laut eigenen Angaben Daten daraus veröffentlicht. Die AfD bestätigte einen Angriff auf Postfächer, die aber überwiegend nicht mehr genutzt würden.

tagesschau Negativ