Grippe: Hersteller passen alle drei Stämme in Impfungen an
Wie heftig wird die Grippewelle? Jedes Jahr versuchen Fachleute vorherzusagen, welche Viren im Winter zirkulieren werden. In dieser Saison sehen sie besonderen Handlungsbedarf.
Krank im Bett (Symbolbild): »Brauchen bessere Impfquote«
Jeden Herbst ein Pieks: Wer 60 Jahre oder älter ist, sollte sich gegen Grippe impfen lassen, empfiehlt die Ständige Impfkommission – ebenso Schwangere, Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen oder medizinisches Personal (die komplette Liste können Sie hier nachlesen .)
Damit die Immunisierung möglichst zuverlässig schützt, werden die aus den Antigenen weltweit zirkulierender Varianten und Stämme zusammengesetzten Impfstoffe regelmäßig angepasst. Denn Grippeviren verändern sich anders als viele andere Erreger rasend schnell.
Meist wird im Februar eine Prognose für die im folgenden Winter herrschenden Virusvarianten getroffen, heißt es vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI), das in Deutschland für Impfstoffe zuständig ist. Die Entscheidung beruht demnach auf Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO und des Ausschusses für Humanarzneimittel bei der Europäischen Arzneimittelagentur.
Für die anstehende Grippesaison 2026/2027 wurden alle drei in den Impfstoffen enthaltenen Stämme angepasst. Das sei nötig gewesen, weil sich alle drei Stämme in den vergangenen Jahren deutlich verändert hätten, sagt Leif-Erik Sander, Direktor der Klinik für Infektiologie und Intensivmedizin an der Charité.
»Ich würde daraus nicht primär schließen, dass wir eine viel stärkere Grippesaison bekommen«, so Sander. Mit der noch recht neuen Influenza-Variante, A(H3N2) der Subklade K, seien bereits im vergangenen Jahr viele Menschen in Kontakt gekommen. Der Grippeimpfstoff sei zudem auf diese Variante angepasst worden. »Auch auf der Südhalbkugel, wo der Winter jetzt ausläuft, gab es keine ganz so schwere Grippesaison«, sagt Sander.
Der genaue Verlauf einer Grippesaison lässt sich laut Fachleuten aber schwer vorhersagen. Nur so viel ist sicher: »Die Grippewelle kommt immer, da kann man im Grunde die Uhr danach stellen«, sagt Sander. Während der gravierenden Grippesaison 2017/2018 starben laut Schätzungen mehr als 25.000 Menschen in Deutschland an Influenza, wie Grippe im Fachjargon heißt.
Wie gut eine Grippeimpfung schützt, hängt auch davon ab, ob die Anpassung der Impfstoffe mit den tatsächlich kursierenden Varianten übereinstimmt. Ganz sicher lässt sich das nie vorhersagen.
Aber selbst wenn die Impfstoffe in einer Saison einmal nicht optimal passen, können sie trotzdem häufig viele Krankheitsfälle verhindern. Zudem verläuft Influenza bei geimpften Menschen typischerweise milder.
In der Saison 2024/25 waren laut dem Robert Koch-Institut (RKI) nur 34,5 Prozent der Menschen ab 60 Jahren gegen Grippe geimpft, deutlich weniger als im EU-Durchschnitt. Das Ziel liegt eigentlich bei 75 Prozent.
»Die Anpassung der Impfstoffe ist wichtig«, sagt Sander. »Aber vor allen Dingen brauchen wir eine bessere Impfquote.« Als optimaler Zeitpunkt gilt die Zeit zwischen Mitte Oktober und Mitte Dezember.
Halsschmerzen, Fieber, matt? Woran Sie die echte Grippe erkennen – und was dann hilft, lesen Sie hier.
Quelle: Spiegel ›
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