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„Hart aber fair“: Leben deutsche Beamte wirklich länger?

Wozu brauchen wir noch Beamte, fragte Louis Klamroth bei „Hart aber Fair“. Gerechtigkeitsdebatten sind ja immer guter Stoff für Talkshows. Aber war das die richtige Frage für diesen Montagabend?

„Hart aber fair“: Leben deutsche Beamte wirklich länger?

Tja. Die deutschen Beamten. Was macht man da jetzt? Eine Stunde später war diese Frage immer noch nicht beantwortet – obwohl an diesem Montagabend in der ARD ab 20.15 Uhr erst Jessy Wellmer in einer Doku und danach Louis Klamroth mit seinen Gästen bei „hart aber fair“ darüber diskutiert hatten. Oder hatte die Runde um Klamroth darüber diskutiert, weil Jessy Wellmer eine Reportage über deutsche Beamte gedreht hatte? Und was war eigentlich die Frage genau? „Wozu brauchen wir noch Beamte?“, wollte „Hart aber fair“ wissen. „Deutschland debattiert gerade über seine rund 1,8 Millionen Staatsdiener“, so hatte die „Tagesthemen“-Moderatorin Wellmer ihre Doku gerechtfertigt. Praktischerweise saß Wellmer auch bei „Hart aber fair“ mit am Tisch und sagte dort einfach noch mal, was sie vorher schon gesagt und gefragt hatte. Zwei Abendstunden in der ARD für den Beamtenstaat Am Ende, über diese fast zwei Abendstunden hinweg, die die ARD den deutschen Beamten gewidmet hatte, war man nicht schlauer, weil das Thema für eine knappe Talkshow-Antwort zu komplex ist. Hatte aber sehr viele Argumente sehr oft gehört – dass man die gesetzliche Rente in Deutschland nicht mit einer Beamtenpension vergleichen kann, beispielsweise. Und blieb dann am Ende vor allem auf der Frage sitzen, ob es an diesem Montagabend nicht vielleicht interessanter gewesen wäre, über die apokalyptischen Straßenkrawalle und die politische Krise in Frankreich zu reden. Ist ja immerhin der Nachbar von diesem Deutschland. Andererseits sind Gerechtigkeitsdebatten immer Stoff für Talkshows. Alle können mitreden. Alle haben, wie Louis Klamroth, diesen einen Lehrer gehabt, bei dem man doch immer dachte, dass der es sich ja wohl zu gemütlich macht? Kurz hatte man Angst, dass Klamroth, als er das sagte, noch von den zwölf Wochen Ferien pro Jahr anfängt. „Man kann die Systeme nicht vergleichen“ Unterfüttert mit Zahlen aus einer Infratest-Umfrage, die exklusiv, wie Klamroth extra erwähnte, für Jessy Wellmers Doku erstellt worden war, ging der Moderator dann aber immer wieder auf Volker Geyer ein, den Bundesvorsitzenden des Deutschen Beamtenbundes, dem man vorher auch schon bei Jessy Wellmer zuhören konnte, wie er darauf pochte, nicht Systeme vergleichen zu wollen, die sich nicht vergleichen lassen. Ein Viertel der Befragten aus der aktuellen Infratest-Studie ist zum Beispiel der Ansicht, dass Lehrerinnen und Lehrer nicht mehr verbeamtet werden sollten. Rainer Brüderle von der FDP, früher mal Bundeswirtschaftsminister, findet das richtig. Aber Brüderle findet eben auch, dass Lehrerinnen und Lehrer keine Hoheitsaufgaben übernähmen (anders als Polizisten oder Justizvollzugsbeamtinnen). Nicolas Schmelzer wiederum, verbeamteter Lehrer und Tiktoker, würde sofort streiken, wenn er denn dürfte, und zwar zum Beispiel gegen die hygienischen Zustände an deutschen Schulen und den Personalmangel – er darf es aber nun mal nicht. „Bollwerk gegen Extremismus“ Schmelzer widersprach auch Brüderle, es sei eben doch eine Hoheitsaufgabe, wenn Lehrerinnen und Lehrer über das weitere Leben von Kindern entscheiden, indem sie die weiterführenden Schulen zuweisen. Angesichts der „akuten Bedrohung durch Extremisten, insbesondere am rechten Rand“, sagte auch der hessische Innenminister Roman Poseck (CDU), sei er froh über den Beamtenstatus, so bilde die Schule ein „Bollwerk“, weil Regierungen eben nicht einfach vorschreiben könnten, was dort unterrichtet wird. Irgendwann dämmerte es einem, dass der Anlass für die Beamtendebatte vielleicht die Rentenreform sein könnte, aber das musste man sich selbst zusammenreimen. 84 Prozent der Befragten hatten Infratest gegenüber zugestimmt, dass Beamte in die Rentenkasse einzahlen sollen. Die Rentenkommission aber empfiehlt das eben genau nicht, daran erinnerte Innenminister Poseck. So ging das Hin und Her, für jedes Privileg, das Beamte genießen (besser im Alter abgesichert) eine Pflicht (können einfach versetzt werden). Die pensionierte Bremer Regierungsdirektorin Elisabeth van der Wal war als lebendes Beispiel einer selbstkritischen Beamtin eingeladen. Zwischendurch durfte der Beamtenbund-Vorsitzende Geyer noch einmal sagen, dass sich die Altersversorgungssysteme nicht vergleichen lassen. Und als dann aber derselbe Geyer wie nebenbei fallen ließ, dass Beamte länger leben würden, hatte Jessy Wellmer einen sehr guten Moment: Jetzt würden sich dann doch wohl alle fragen, woran nur das liegen könnte? Aber so oft sie diese Frage auch strahlend wiederholte, der eigentliche Moderator der Sendung, Louis Klamroth, hakte leider nicht nach. So blieb noch eine Frage mehr offen.

Quelle: FAZ ›

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