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In Paris: Spektakuläre Werke von Claude Monet kommen zur Auktion

Ein bisher nicht öffentlich gezeigtes Bild von Monet soll bei Sotheby's zum teuersten je versteigerten Frankreichs werden. Es kommt aus der hochkarätigen Sammlung Schlumberger. Christie’s prunkt dagegen mit Werken des Künstlers aus Besitz des legendären Galeristen Durand-Ruel.

In Paris: Spektakuläre Werke von Claude Monet kommen zur Auktion

Spitzenwerke moderner Kunst aus besonders prestigeträchtigen Sammlungen kommen während der „Semaine de l’Art“, die kommende Woche parallel zur Messe Art Basel in Paris stattfindet, zur Auktion. Sotheby’s versteigert an der Seine unter dem von Marcel Proust inspirierten Titel „Le Temps Retrouvé“ 27 Werke aus der Sammlung der Industriellenfamilie Schlumberger. Die Kollektion zeichnet den Weg in die Moderne nach, mit Arbeiten von Paul Cézanne und Gustave Moreau, impressionistischen Gemälden – allen voran von Claude Monet – sowie Werken Chaïm Soutines und Kees van Dongens. Ein Gemälde der Superlative steht an der Spitze: Monets großformatiges Blumenbild „Iris“, das der Künstler 1924 und 1925 in Giverny malte. Bisher nie öffentlich gezeigt Wie auch fast alle anderen Werke der Sammlung Schlumberger wurde es vor der jetzigen Präsentation bei Sotheby’s noch nie öffentlich gezeigt. Beim Betrachten meint man geradezu, in Monets üppig blühenden Garten einzutreten. Der Schätzpreis von 22 bis 30 Millionen Euro ist der höchste, der je in Frankreich für ein Gemälde angesetzt wurde. Das Bild befindet sich in hervorragendem Zustand, weil es frei von Firnis blieb und es nur äußerst selten transportiert wurde. Den Grundstein für die Kollektion legte Jeanne Schlumberger (1889 bis 1983). Sie begann sich in den Fünfzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts, nach dem Tod ihres Mannes, des Unternehmers Marcel Schlumberger, für Kunst zu interessieren. Die Pariser Händlerin Katia Granoff (1895 bis 1989) wurde ihre maßgebliche Beraterin, bei der sie kaufte. Über mehr als drei Jahrzehnte hinweg verband die Sammlerin und die Galeristin neben der geschäftlichen eine freundschaftliche Beziehung. So erwarb Jeanne Schlumberger einige Werke Monets, die Katia Granoff zuvor direkt aus dem Nachlass des Künstlers akquiriert hatte. Das Spätwerk „Iris“ gehört zu dieser Werkgruppe, die aus dem Atelier Monets von dessen Sohn Michel über Katia Granoff in Jeanne Schlumbergers Sammlung einging. Ebenso „Saule pleurer“ von 1919, das pastos gemalte und wie ein Feuerwerk sprühende Gemälde einer in der Abendsonne schillernden Trauerweide. Hier lautet der Schätzpreis neun bis zwölf Millionen Euro. Surrealismus bereichert das Programm Ende der Fünfzigerjahre entdeckten die Maler des abstrakten Expressionismus das Spätwerk Monets für sich wieder; insofern waren Katia Granoff und Jeanne Schlumberger ihrer Zeit voraus. Von Cézanne – ebenfalls durch Granoff vermittelt – gehören drei Landschaftsgemälde zu der Sammlung. Sie stammen aus dem Nachlass des Künstlers in dessen Familienanwesen bei Aix-en-Provence, dem Ort, an dem der provenzalische Künstler mehr als 40 Jahre lebte und arbeitete. Die Erwartungen bewegen sich zwischen 400.000 und 800.000 Euro. Gleichfalls hochkarätig bestückt sind bei Sotheby’s die jährlich wiederkehrenden Auktionen „Modernités“ und „Surrealism and Its Legacy“, mit 40 respektive 33 Losen. Eine Abstraktion František Kupkas von 1914 soll sechs bis acht Millionen Euro erlösen. René Magrittes Gemälde „Morceaux Choisis“ ist auf fünf bis sieben Millionen Euro taxiert. Mit allen Auktionen zusammengenommen will Sotheby’s in Paris 80,9 bis 115,6 Millionen Euro umsetzen. Wie ein Spiegelbild zur Sammlung Schlumberger im Unternehmen von Patrick Drahi kommen bei dem Konkurrenten Christie’s von François Pinault am Donnerstagabend 27 Werke aus der Sammlung des legendären Kunsthändlers Paul Durand-Ruel zum Aufruf: Er war es, der den Impressionisten maßgeblich zum Durchbruch verhalf. Weitere 35 Werke aus seiner Sammlung, die bis heute in Familienbesitz blieb, werden in der Tagesauktion moderner Kunst bei Christie’s versteigert. Insgesamt könnten sie 30 bis 43 Millionen Euro einspielen. „Ohne Durand wären wir alle, wir Impressionisten, verhungert“, schrieb Monet im Rückblick. Paul Durand-Ruel gründete 1859 mit 28 Jahren eine erste Galerie, unter anderem für Künstler der Schule von Barbizon. Der junge Händler war in vielerlei Hinsicht ein Vorreiter seines Metiers: Er kaufte Werke im Voraus, zahlte regelmäßige Gehälter und knüpfte ein Netzwerk von Galerien in Paris, London, Brüssel und New York. Als Kritiker und das Publikum die jungen Impressionisten verhöhnten, kämpfte Durand-Ruel, obwohl es ihn fast sein Vermögen kostete, für deren Anerkennung. Der Erfolg stellte sich zuerst in Amerika ein, danach in Europa. Auch seine Sammlung wartet mit einem überragenden Spitzenlos auf: Durand-Ruel kaufte „Bord des falaises à Pourville“ 1882 aus Monets Atelier, als die Farbe noch feucht war, und vermittelte das Gemälde einige Monate später in eine Privatsammlung, nur um es 1891 abermals zu erwerben. Im Gegensatz zu dem Blumenbild „Iris“  aus der Sammlung Schlumberger wurde die in Grün- und Türkistönen strahlende Ansicht der Küste bei Dieppe schon in zahlreichen Ausstellungen gezeigt – in der Frankfurter Städel-Schau „Monets Küste“ war sie allerdings nicht zu sehen. Ein kleiner Pfad lädt auf den Klippen zum Spazieren ein; auf dem Meer blitzen Segel von Fischerbooten. Der Schätzpreis liegt bei elf bis 15 Millionen Euro. Werke von Pierre-Auguste Renoir, Alfred Sisley oder Camille Pissarro ergänzen die Offerte. Die mit 82 Losen bestückte Abendauktion „20th/21st Century including Thinking Italian“ bei Christie’s wird von einem ockergelben „Concetto spaziale“ Lucio Fontanas mit dem Titel „Mezzogiorno in Piazza S. Marco“ angeführt, für das 5,5 bis 7,5 Millionen Euro erwartet werden. Joan Mitchells „Sans titre“ von 1957 lässt daran denken, mit welcher Leidenschaft sich die Künstlerin mit der Kunst Monets beschäftigte (Taxe fünf bis sieben Millionen Euro). Zwei weitere Tagesauktionen beschließen das Programm von Christie’s zur „Semaine de l’Art“ mit insgesamt 466 Losen, die mehr als 100 Millionen Euro einspielen sollen. Auch Phillips veranstaltet nun erstmals eine Versteigerung moderner und zeitgenössischer Kunst in der französischen Hauptstadt und unterstreicht damit deren stetig größer werdende Anziehungskraft als Kunsthandelsplatz. In den Räumen der Galeri…

Quelle: FAZ ›

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