Inflation: Erzeugerpreise steigen um 6,7 Prozent
Die Erzeugerpreise gelten als frühes Signal für die allgemeine Inflation. Im September sind sie so stark gestiegen wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr.
Die deutschen Hersteller haben ihre Preise im September so stark angehoben wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr. Die Erzeuger gewerblicher Produkte – von Lebensmitteln bis hin zu Industriegütern – verlangten im Schnitt 6,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Ein größeres Plus gab es zuletzt im März 2023 mit 7,5 Prozent. Die Stärke des von teurer Energie getriebenen Anstiegs überrascht: Ökonomen hatten nur einen Wert von 6,2 Prozent erwartet, nachdem die Preise im August um 4,6 Prozent gestiegen waren. „Auf der vorgelagerten Ebene besteht weiterhin ein markanter Preisdruck“, sagte Chefvolkswirt Alexander Krüger von der Bank Bethmann HAL. Die Jahresrate dürfte in Richtung zehn Prozent steigen. „Über kurz oder lang dürfte das auch die Verbraucherpreise anschieben“, fügte Krüger hinzu. Preistreiber Nummer eins war einmal mehr Energie: Sie verteuerte sich um 14,9 Prozent. Mineralölerzeugnisse kosteten 51,3 Prozent mehr als im September 2025, „bedingt durch die Kriegshandlungen im Iran und Nahen Osten“, wie die Statistiker betonten. Für Rohbenzin musste 53,8 Prozent mehr bezahlt werden, für leichtes Heizöl sogar 91,8 Prozent und für Kraftstoffe 48,6 Prozent mehr. Nahrungsmittel wurden dagegen um 4,1 Prozent billiger. Deutlich günstiger wurden Butter (-34,8 Prozent), Schweinefleisch (-13,9 Prozent) und Rindfleisch (-9,9 Prozent). Teurer als im Vorjahresmonat waren hingegen pflanzliche Öle (+14,5 Prozent) und Zucker (+4,1 Prozent). Von August auf September zogen die Erzeugerpreise um 1,9 Prozent an. In der Statistik werden die Preise für Produkte von Herstellern geführt, bevor sie etwa in den Groß- und Einzelhandel kommen. Sie gelten deshalb als frühes Signal für die allgemeine Inflation. Die Bundesbank rechnet für die kommenden Monate mit einem anhaltend hohen Preisdruck. „Derzeit ist davon auszugehen, dass die Inflationsrate in Deutschland bis ins nächste Jahr hinein merklich erhöht bleibt“, heißt es im aktuellen Monatsbericht. Der durch Rohstoffpreisschocks ausgelöste Inflationsdruck baue sich nur langsam ab. Zwar gebe es aktuell wenig Anzeichen dafür, dass die Teuerung einen ähnlich steilen Pfad nehme wie ab 2022 nach Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine. Die Rückkehr zur angestrebten Zwei-Prozent-Marke werde allerdings „einige Zeit in Anspruch nehmen“. Rekordhohe Preise für Benzin und Diesel sowie teures Heizöl haben die Verbraucherpreise im September mit 3,3 Prozent so stark steigen lassen wie seit knapp drei Jahren nicht mehr.
Quelle: FAZ ›
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