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Jugend-Konferenz: Was macht eigentlich die Klimabewegung?

Die junge Generation von Klimaschützern sucht nach Wegen zu neuer Sichtbarkeit. Dazu gehört für sie auch, positiver zu werden. Und pragmatischer.

Jugend-Konferenz: Was macht eigentlich die Klimabewegung?

Die Zweifel an der deutschen Klimabewegung sind in den vergangenen Monaten noch einmal lauter geworden. Als krisenhaft, ausgebrannt oder gescheitert wurde sie von außen, aber auch aus den eigenen Reihen bezeichnet. Und weil der Sommer besonders heiß war, wurde die Frage, wo eigentlich die Klimaaktivisten sind, besonders oft gestellt. Am Wochenende jedenfalls sind sie leicht zu finden: In einer Berufsschule in München-Moosach versammeln sich 1300 junge Menschen, um übers Klima zu sprechen. Viele von ihnen schlafen in der Turnhalle, tagsüber sitzen sie in Workshops, Diskussionsrunden und Vorträgen. Die Local Conference of Youth, kurz LCOY, ist der nationale Ableger des globalen Jugendklimatreffens (COY), zu dem Jugendliche regelmäßig vor Weltklimakonferenzen zusammenkommen. In München wird die Konferenz vom Bundesumweltministerium gefördert, organisiert wird sie von Ehrenamtlichen. Vor sieben Jahren fand die LCOY zum ersten Mal in Deutschland statt, damals in Heidelberg. Das war zwei Wochen nachdem Fridays for Future mit ihrem dritten Klimastreik bundesweit mehr als eine Million Menschen auf die Straße gebracht hatte. Sie protestierten für die Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels, die Klimabewegung war auf ihrem Höhepunkt. Danach aber wurde es komplizierter. Gruppen wie die Letzte Generation bildeten sich heraus und polarisierten mit Straßenblockaden, Hungerstreiks oder Farbe am Brandenburger Tor – mit etwas Zögern distanzierte sich Fridays for Future davon. Zugleich wurde deren Liste klimapolitischer Forderungen länger und spezifischer. Auch widmeten sie sich zunehmend anderen Baustellen, etwa dem Kampf gegen Rechtsextremismus. Hinzu kam, dass die Corona-Pandemie ihre Proteste ausbremste. Und später, davon zumindest sind viele Klimaaktivisten heute überzeugt, folgten andere Krisen, die sie öffentliche Aufmerksamkeit kosteten. Der Klimawandel in Konkurrenz mit anderen Bedrohungen Von dem zurückliegenden Sommer aber, den der Deutsche Wetterdienst als den zweitwärmsten seit Aufzeichnungsbeginn einstufte und der nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts 16.000 Hitzetote zur Folge hatte, hatten sich manche einen Weckruf erhofft. Verschiedene Organisationen in der Klimabewegung versuchten, für Demonstrationen zu mobilisieren. Doch die Massen zog es nicht mehr auf die Straße. Was hat sich verändert? Am Samstagmorgen steht Maiken Winter in einem Klassenzimmer der Berufsschule vor einer Flipchart. Winter ist Referentin für Nachhaltigkeit in der bayerischen Verbraucherzentrale. Zum Tag der Deutschen Einheit hat sie mit ihrem Verein „Wissen.Leben“ bundesweit Menschenketten für einen Neustart in der deutschen Klimapolitik organisiert. Von rund 20.000 Teilnehmern sprachen die Veranstalter, womit es einer der größten Klimaproteste der vergangenen Monate in Deutschland war. Früher habe sie die Letzte Generation unterstützt, erzählt Winter. „Aber das ist ja eindeutig auch nicht der Weg.“ Es müsse jetzt mehr darum gehen, die Mitte zu erreichen und aus der Klima-Bubble herauszukommen. Mit den Teilnehmern spricht sie über Hürden, die dem individuellen Engagement für mehr Klimaschutz im Wege stehen. Das dauert, denn Hürden fallen den jungen Menschen viele ein. Bequemlichkeit etwa, zu wenig Zeit, oder Zweifel daran, wie viel so eine Demo überhaupt bringt. Aber auch ein gewisser Konkurrenzkampf mit anderen Bedrohungen wird beklagt. Eine Schülerin sagt, sie sei unschlüssig, gegen was sich ihr Aktivismus richten solle. Den Klimawandel, die soziale Ungleichheit, den Rechtsruck? Sie habe das Gefühl, sie müsse sich entscheiden. Das ist am Wochenende immer wieder zu hören. Es gebe so viele andere Krisenherde, sagt eine Politikstudentin aus Berlin, die zusammen mit einer Kommilitonin angereist ist. Gerade sei es vor allem der Kampf gegen Rechtsextremismus, der Klimathemen verdränge, meint eine andere Teilnehmerin. Viele junge Klimaschützer sehen das ähnlich – der Fokus hat sich verschoben, so der Tenor. Selbst Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause von den Grünen, der zur Eröffnung am Freitag ein Grußwort spricht, hält die Diskussion für entrückt. Es gehe nur noch um Rechtsextremismus. Doch die Menschen, die vor sieben Jahren für Klimaschutz auf die Straße gegangen seien, seien alle noch da. „Es geht jetzt viel um Umsetzung“ Samstagmittags hört man auf dem Gelände der Berufsschule überall Geschirr klappern, viele essen draußen. Es ist die einzige Zeit, in der nicht noch irgendwo ein Workshop läuft. Kurz darauf nimmt das Gewusel wieder zu, die Teilnehmer schlendern zu den Häusern, suchen Räume, stehen auch mal länger vor den Bildschirmen. Regelmäßig finden mehr als 20 Veranstaltungen gleichzeitig statt. Sie reichen von Einblicken in die Arktisforschung oder Klimaklagen über Diskussionen zu Linksextremismus in der Klimabewegung bis zu Tipps zur Demoplanung. Einer der Organisatoren ist Julian Hirschmann. Auch er ist der Meinung: Die Klimabewegung ist noch da. Nur verändert hat sie sich. „Sie ist vielleicht weniger sichtbar geworden, aber dafür viel besser aufgestellt.“ Hirschmann ist 26 Jahre alt und promoviert in Experimentalphysik. Mittlerweile seien viele in der Klimabewegung besser vernetzt. Es gelinge immer mehr, konkrete Anliegen direkt dorthin zu bringen, wo sie hingehörten: in Unternehmen oder zu lokalen Entscheidungsträgern zum Beispiel. Er erzählt auch von Klima-Start-ups, die sich auf der LCOY gegründet hätten. Prominente Politiker gewinne man vielleicht nicht mehr so einfach wie früher für einen Besuch, meint Hirschmann. Bei Fachleuten sei es dafür genau andersherum. Die Klimabewegung insgesamt sieht er auf dem Weg, sich zu institutionalisieren. Im Vergleich zu 2019 sei sie konkreter geworden, findet er: „Es geht jetzt viel um Umsetzung.“ In den Kommunen stoßen die Klimaschützer auf Pragmatismus So schaut man in München an diesem Wochenende auch in den Spreewald. Genauer: nach Eichwalde, eine Gemeinde mit etwa 6500 Einwohnern. Ihr haben junge Ehrenamtliche des Vereins „Stadt.Land.Klima!“ vor ein paar Tagen eine…

Quelle: FAZ ›

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