Mahnmal »Gleis 17«: Kai Wegner und Ron Prosor gedenken jüdischen Opfern im Nationalsozialismus
Vor 85 Jahren begannen die Deportationen von Jüdinnen und Juden aus Berlin. Am Mahnmal »Gleis 17« gedachte Bürgermeister Wegner der Opfer. Andere warnten vor einem neu aufflammenden Antisemitismus.
Weiße Rose am Mahnmal »Gleis 17«: »Niemals dürfen wir vergessen, wohin Antisemitismus und Rassismus führen können«
Vertreter aus Politik und Gesellschaft haben am Mahnmal »Gleis 17« in Berlin an die Deportation von Jüdinnen und Juden während der NS-Zeit erinnert. Anlass war der 85. Jahrestag des Beginns der Deportationen aus der Hauptstadt. Am Bahnhof Grunewald legten unter anderem Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU), der Präsident des Bundesverfassungsgerichts Stephan Harbarth und der israelische Botschafter Ron Prosor Blumen nieder.
Harbarth erinnerte in seiner Ansprache daran, dass der Start der Deportationen 1941 aus Berlin und anderen europäischen Städten den Beginn einer »jede Menschlichkeit negierenden, systematischen Massenvernichtung« markiert habe. Daraus gelte es, Lehren zu ziehen.
»Niemals dürfen wir vergessen, wohin Antisemitismus und Rassismus, wohin Vorurteile, Verachtung und Verblendung, wohin bloße Gleichgültigkeit führen können«, mahnte Harbarth. »Niemals dürfen wir aufhören, uns die Sinnlosigkeit von Krieg und Gewalt, Völkermord, Verfolgung und Vertreibung vor Augen zu führen.« Auch in den Anstrengungen gegen den noch immer existierenden Antisemitismus dürfe es kein Nachlassen geben.
Prosor sagte, die Verantwortung, »die uns dieser Ort auferlegt, endet nicht mit einer Gedenkveranstaltung. Sie endet erst, wenn jüdisches Leben in Deutschland frei, sicher und ohne Angst gelebt werden kann.«
Der »Bild«-Zeitung sagte er, dass er »mit großer Sorge« auf die »Koalitionsverhandlungen in Berlin blicke. Vor allem auf eine Regierungsbeteiligung der Linken. »Die Hauptstadt ist Deutschlands Schaufenster zur Welt«, ergänzte er. »Es wäre ein fatales Signal, wenn ausgerechnet hier Juden- und Israelhass wieder salonfähig werden.«
Die Linke hatte die Wahl zum Abgeordnetenhaus am 20. September deutlich gewonnen. Am Samstag einigte sich die Partei mit Grünen und SPD in den Sondierungsgesprächen auf die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen für eine künftige Regierung. Die Gespräche sind von Antisemitismusvorwürfen gegen einzelne Linkenmitglieder überschattet.
Das Mahnmal »Gleis 17« am Bahnhof Grunewald erinnert an etwa 10.000 Jüdinnen und Juden, die von dort während der NS-Diktatur mit Zügen aus Berlin in Vernichtungslager deportiert worden waren. Weitere 30.000 wurden zwangsweise vom Güterbahnhof Moabit und etwa 10.000 vom Anhalter Bahnhof abtransportiert.
Teil des 1998 eingeweihten Mahnmals sind 186 Stahlgussplatten. Darauf sind in chronologischer Reihenfolge die Daten und Bestimmungsorte der Transporte angegeben.
Quelle: Spiegel ›
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