Politikerin verliert Bein: Mutmaßlicher Angriff auf Abgeordnete erschüttert Australien
Zweimal hat ein Geländewagen Helen Haines angefahren. Ein Motiv ist noch unklar. Der mutmaßliche Täter soll sich zuletzt erratisch verhalten haben.
Nachdem eine Abgeordnete offenbar mutwillig von einem Auto angefahren wurde, herrscht in Australien weiter Entsetzen über den Vorfall. Die 65 Jahre alte Helen Haines war am Montag vor ihrem Wahlkreisbüro im Bundesstaat Victoria von einem Geländewagen erfasst worden. Sie wurde mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus in Melbourne eingeliefert. Wie die Behörden am Dienstag bestätigten, hat die parteilose Politikerin durch den Unfall ein Bein verloren. Es bestehe zudem die Gefahr, dass auch das zweite Bein nicht mehr gerettet werden kann. Das Motiv für den Angriff ist noch unklar. Er wird in Australien nun aber im Kontext einer wachsenden Feindseligkeit und auch Gewalttätigkeit gegenüber Politikern diskutiert. Dem Ministerpräsidenten Anthony Albanese zufolge ist sicher, dass es sich nicht um einen Unfall handelte. Laut Albanese holte Haines gerade etwas aus dem Kofferraum ihres Autos, als es zu dem Vorfall kam. Der Fahrer des Geländewagens habe eine Wende gemacht, die Abgeordnete wurde zwischen den Autos eingequetscht. Innenminister Tony Burke zufolge wurde Haines sogar zweimal angefahren. Ein Verdächtiger befindet sich im Gewahrsam der Polizei. Passanten hielten den Mann fest. Unter ihnen war Ricky Jefferies. Der Friseur, der nur ein paar Türen von dem Wahlkreisbüro in dem Ort Wangaratta entfernt arbeitete, wurde am Dienstag für sein mutiges Eingreifen gefeiert. „Ich hörte einen lauten Knall, ohne dass die Bremsen griffen“, sagte Jefferies nach Angaben des australischen Senders ABC. Er sei einfach nach vorne gerannt, um nachzusehen, was passiert war. „Es war verrückt“, sagte der Mann. Verdächtiger hatte Gaza und Epstein kommentiert Jefferies sagte dem Sender, er habe den mutmaßlichen Angreifer ohne große Kraftanstrengung am Ort des Angriffs halten können und ihm gut zugeredet, damit die Situation nicht weiter eskaliere. Ein Messer, das der Angreifer in der Tasche trug, habe er ihm abgenommen. Ministerpräsident Albanese dankte Jefferies öffentlich für sein Eingreifen. Der mutmaßliche Angreifer wurde in der australischen Presse als Brendan N. identifiziert. Dessen Familie gab in einer Stellungnahme an, seit 20 Jahren mit Haines befreundet zu sein, und sprach von einem „schockierenden und entsetzlichen Verbrechen“. Der 43 Jahre alte Australier soll sich in der Vergangenheit unter anderem für den Waldschutz engagiert haben. Australiens Presse zitierte einige seiner Beiträge in den sozialen Medien, in denen er die Angriffe Israels in Gaza verurteilte und den Fall Jeffrey Epstein kommentierte, um den viele Verschwörungstheorien kreisen. Nachbarn berichteten der Zeitung „The Sydney Morning Herald“, sie hätten sich in jüngerer Zeit Sorgen um das erratische Verhalten des arbeitslosen Mannes gemacht. Vor etwa einem Monat sei er in einen Vorfall im Straßenverkehr verwickelt gewesen, bei dem er eine Frau mit einem Hammer bedroht habe. Unabhängig von einem Motiv hat der Vorfall von Montag den Fokus auf die zunehmende Gewalt und Feindseligkeit gegenüber Politikern in Australien gelenkt. Beobachter stellen eine insbesondere seit der Corona-Pandemie „vergiftete“ Atmosphäre und eine zunehmende Schärfe im politischen Diskurs fest. Sie machen dafür unter anderem die sozialen Medien verantwortlich. Immer mehr Gewalt und Drohungen gegen Politiker Die Fälle von Belästigung und Bedrohung von Amtsträgern sind laut Innenminister Burke von 951 im Jahr 2024 auf 1067 im Jahr 2025 gestiegen. Der Ministerpräsident rief dazu auf, in der aufgeheizten politischen Debatte „die Temperatur etwas herunterzufahren“. Er verwies auf die direkte Kommunikation und das enge Verhältnis, das Politiker in Australien traditionell zu ihren Gemeinden pflegen, „egal, ob man Abgeordneter oder Ministerpräsident ist“. „Wenn wir das verlieren, verlieren wir etwas sehr Wichtiges, das uns ausmacht“, sagte Albanese. Trotz politischer Unterschiede und Polarisierung müssten die Menschen einander mit Respekt begegnen. Als positives Beispiel nannte er die schwer verletzte frühere Krankenschwester Haines, die von vielen als außerordentlich integer und einfühlsam beschrieben wird. Sie sei allen mit Respekt begegnet, egal welcher politischen Richtung sie angehörten. Haines stehe für „das Beste“, was Australien an Politikern zu bieten habe, so Albanese.
Quelle: FAZ ›
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