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Sanofi-Chefin im Gespräch: „Der Markt für Abnehmmittel ist schon stark gesättigt“

Die Vorstandsvorsitzende des französischen Pharmakonzerns Sanofi hat den Grundstein für eine neue Insulinfabrik in Frankfurt gelegt. Während Wettbewerber Investitionen kürzen, bekennt sich Belén Garijo zum deutschen Standort.

Sanofi-Chefin im Gespräch: „Der Markt für Abnehmmittel ist schon stark gesättigt“

Frau Garijo, Sie sind nun seit fast sechs Monaten als Vorstandsvorsitzende von Sanofi im Amt und nach Paris gezogen. Wie ist es, wenn auch nur für einen kurzen Besuch, wieder in Frankfurt zu sein? Es ist eine große Freude. In gewisser Weise fühlt es sich an, als käme ich nach Hause. Ich war bereits für ein anderes Treffen mit dem Frankfurter Team hier, und wie es der Zufall so will, werden wir diesen Monat ziemlich oft hier sein. Sanofi soll bis Ende 2042 jährlich mindestens 1,1 Tonnen Insulin in Frankfurt herstellen. Zudem erwartet die EU, dass Sanofi in den nächsten zehn Jahren eine Tonne Insulinwirkstoff für Krisenfälle auf Vorrat hält. Wie soll das gehen? Erstens haben wir eine Produktionsdynamik, die sich entsprechend unserer Prognose entwickelt. Zweitens gibt es Sicherheitsbestände, die – je nach Medikament – unterschiedlich hoch ausfallen. Bei Insulin halten wir den Bestand konstant. Er hängt aber auch von der Nachfrage ab, denn wir wollen vor allem eine gute Versorgung der Patienten sicherstellen. Bis das neue Werk ab 2032 Kapazitäten schafft, stützen wir uns auf die Mengen, die wir in Deutschland – als wichtigstem Standort für die Insulinproduktion – bereits herstellen. Wir wollen die neue Anlage so schnell wie möglich hochfahren, zusammen mit dem anderen Standort, an dem wir ebenfalls bauen. Was wird nach 2042 passieren? Der Zeitpunkt 2042 ist sehr langfristig gedacht. Wir müssen aber schon in den nächsten fünf bis zehn Jahren erfolgreich sein, um im Vergleich zu den USA und China wettbewerbsfähiger zu werden. Mich besorgt es, wenn Länder nur nationale Prioritäten verfolgen. Wir müssen sicherstellen, dass sich Regierungen auf Europa konzentrieren. Denn nur so werden wir stärker und holen bei der Innovation auf und schaffen ein Ökosystem, das langfristig sicher ist. Zu Engpässen bei Insulin kommt es immer wieder. Dabei ist der Markt für dieses lebenswichtige Medikament stark konzentriert. Zusammen mit Novo Nordisk und Eli Lilly machte Sanofi laut einem Bericht der Access to Medicine Foundation 2022 noch fast 90 Prozent des Weltmarktes aus. Inwiefern ist das über Jahrzehnte gewachsene Oligopol selbst Grund für die fragile Versorgungslage? Diese drei Unternehmen waren traditionell die führenden Unternehmen im Diabetesbereich. Aber es gibt auch kleinere Unternehmen und Generikahersteller, die ebenfalls zur Insulinproduktion beitragen. Wir bedienen etwa ein Drittel des globalen Insulinmarktes und sind Marktführer bei Basalinsulinen, die weiterhin das Rückgrat der Diabetestherapie bilden. Es stimmt aber, dass sich der Diabetesmarkt weiterentwickelt. Patienten mit Diabetes Typ-2 haben derzeit weitere Optionen, zum Beispiel, weil andere Unternehmen sich stärker auf Innovationen konzentrieren, insbesondere auf GLP-1-Präparate. Das wird aber nicht den Bedarf an Insulin senken. Deshalb müssen wir weiter produzieren. Wir brauchen mehr Kapazitäten. Wäre es nicht im Sinne der Versorgungssicherheit, den Markteintritt für europäische Biosimilar-Hersteller zu vereinfachen, so wie es die EU mit dem Biotech Act vorhat? Sobald der Patentschutz abgelaufen ist, sollten Unternehmen, die in größerem Maßstab und mit größeren Volumina produzieren können, freien Zugang haben. Damit sind wir absolut einverstanden. Das ist der normale Geschäftsverlauf. Die Branche kann, wenn sie gut gemanagt wird, sogar dabei helfen, dass Regulierungsbehörden und Kostenträger Mittel für Innovationen umschichten. Aus China und Indien drängen ebenfalls Hersteller von Nachahmer-präparaten auf den Markt. Ondibta, ein Basalinsulin-Biosimilar von Sandoz, das mit dem chinesischen Unternehmen Gan & Lee entwickelt wurde, und Semglee vom indischen Hersteller Biocon sind nur zwei Beispiele. Die Preise dürften weiter sinken. Was bedeutet das für Sanofi vor dem Hintergrund der Milliardeninvestition in Frankfurt? Wir investieren weiterhin in Kapazitäten, und zwar in erster Linie, weil unsere wichtigste Priorität die Versorgung von Patienten ist. Unser Insulingeschäft trägt weiterhin zum Wachstum unseres allgemeinen Medikamentengeschäfts bei, und zwar profitabel. Parallel zu Frankfurt baut Sanofi auch Produktionskapazitäten für Insulin in China auf. Wie sollen die beiden Standorte zusammenarbeiten? Beide Anlagen werden sehr eng zusammenarbeiten, um Wissen und Daten zu teilen, die unsere Produktion insgesamt effizienter machen. Auch werden beide Produktionen ungefähr zeitgleich in Betrieb gehen. Immer mehr europäische Pharmaunternehmen verlagern Wirkstoffproduktionen nach China oder investieren angesichts der Preispolitik von Präsident Trump in den USA. Hält sich Sanofi China ebenfalls als Back-up-Option offen, falls sich die Bedingungen in Deutschland verschlechtern? Angesichts der aktuellen geopolitischen Bedingungen, die Handelsdynamiken beeinflussen können, ist eine Lieferkette wichtig, die es uns erlaubt, näher bei Patienten zu sein und Lieferfähigkeit sicherzustellen. Deshalb müssen wir regional investieren. Es ist keine Entweder-oder-Entscheidung. Lange Zeit haben wir auch nach der Rentabilität von Investitionen entschieden. Genau deshalb muss Europa viel aktiver werden, um das Ökosystem aufzubauen, das wir brauchen, um unseren Industriestandort zu verteidigen. Mit der neuen Krankenkassenreform werden sich die Standortbedingungen in Deutschland für die Pharmaindustrie verschlechtern. Geplant sind unter anderem Herstellerabschläge von 15,5 Prozent auf patentgeschützte Arzneimittel. Eli Lilly und Boehringer Ingelheim haben deshalb Investitionen gekürzt. Hätte Sanofi das Insulin-Bauprojekt im Nachhinein auch lieber abgeblasen, wenn es nicht an öffentliche Förderung und Versorgungspflichten gebunden wäre? Mit der Planung des Projektes haben wir vor über zwei Jahren begonnen. Die Krankenkassenreform mit verschärften Rahmenbedingungen ist dazwischengekommen. Für Sanofi hat die Insulinproduktion am Standort Frankfurt eine lange Tradition und eine große Bedeutung. Das heißt nicht, dass wir die Situation ignorieren. Wir haben selbstverständ…

Quelle: FAZ ›

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