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Spaßmobil: Und ewig lockt der Jimny

Der Suzuki Jimny ist klein, niedlich und hochbegehrt. Wie ein karges Geländewägelchen zum Traumauto vieler junger Leute geworden ist.

Spaßmobil: Und ewig lockt der Jimny

Der winzige tannengrüne Gebrauchtwagen ist 3,65 Meter kurz, drei Jahre alt, hat gut 20.000 Kilometer auf dem Tacho – und soll gut 30.000 Euro kosten. Klingt dieses Verkaufsangebot auf einem großen deutschen Onlineautomarktplatz teuer? Mag sein, Fakt allerdings ist: Im Internet finden sich viele Gebrauchtwagen dieses Typs, die ähnlich viel oder noch mehr kosten. Preise, die deutlich über dem einstigen Neuwagenpreis liegen, sind keine Seltenheit. Der Markt gibt es her, denn die Rede ist von einem Kultauto, das man neu nicht mehr kaufen kann: dem Suzuki Jimny. In Europa bietet der japanische Hersteller den Geländewagen-Winzling seit mehreren Jahren nicht mehr an. Aber nicht zuletzt bei jungen Autofahrern ist er bis heute extrem beliebt. In den sozialen Medien ist der Jimny ein Hit. Stolze Besitzer – und auch auffällig viele Besitzerinnen – zeigen, wie sie ihren Jimny mit selbst gebautem Klapptischchen für den Camping-Urlaub ausstaffiert haben. Er ist mit Dachzelt im hohen Norden und am Mittelmeerstrand zu sehen. Asiaten posten über ihre Jimny-Leidenschaft genauso wie Europäer und Amerikaner. Das Miniauto sieht niedlich aus und ist ein globales Phänomen geworden. In Autotests wurde der Jimny zeitlebens gern mit dem Attribut „rustikal“ versehen. Er habe den „Geradeauslauf eines Rennboots“, das über die Wellen hüpft, und die engen Plätze auf den Rücksitzen seien „nicht besser gepolstert als eine Bierzeltgarnitur“, notierte 2020 ein geschätzter Kollege der F.A.Z., der selbst ein bekennender und langjähriger Fan des Autos ist. In anderen Fahrtests wurden die in Kurven bedenklich wankende Karosserie und die veralteten Bremsen moniert. Der in der letzten Version 102 PS starke Motor wurde durchgängig als okay, aber alles andere als temperamentvoll beschrieben. Die erschwingliche Miniausgabe des Mercedes G Aber um all das geht es den Fans ja gar nicht. Sie schätzen den Jimny als einen der eigenwilligsten Kleinwagen überhaupt. Das eckige Auto sieht mit seiner steilen Frontscheibe und der senkrechten Heckscheibe aus wie eine Miniversion des Mercedes-Offroadklassikers G-Klasse. Nur ist er viel erschwinglicher. Denn der Mercedes G war zwar ursprünglich mal als Nutzfahrzeug für Landwirte und Förster gedacht, ist aber längst zum Protzkoloss für die Stuttgarter Halbhöhenlage mutiert. Verglichen mit den sechsstelligen Einstiegspreisen des Mercedes-Geländewagens sind selbst die sündhaft teuren Gebraucht-Jimnys ein Schnäppchen. Karger Purismus statt Schnickschnack war immer das Erfolgsrezept dieses Autos. Dabei gilt für den Jimny, was für fast alle ernsthaften Geländewagen gilt – vom G-Modell über den Lada Niva bis zum Land Rover Defender: Sie können abseits der Straße im Gelände viel mehr, als vermutlich die meisten ihrer Fahrer jemals brauchen. Wobei: Im Internet gibt es auch eine ordentliche Auswahl gebrauchter Jimnys mit nachgerüstetem Schneepflug vor der Motorhaube für den Winterdienst zu kaufen. Wenn der Asphalt endet und die Wildnis beginnt, ist der Jimny in seinem Element. Zuschaltbarer Allradantrieb mit Untersetzungsgetriebe für extra langsam drehende Räder an Steilstellen, ein stabiler Leiterrahmen als Fahrzeugbasis, niedriges Gewicht und kurze Überhänge vorn unten und hinten ermöglichen es, mit ihm auf schwierigem Terrain viel weiter zu kommen als die meisten anderen Autos. Der Urahn kam vor 56 Jahren auf den Markt Der etwas seltsame Name Jimny ist ein Kunstwort. Angeblich ist er eine Mischung des Namens der amerikanischen Geländewagenmarke Jeep mit dem Wort Mini. Sicher ist dagegen, dass der populäre Geländewagen eine lange Reihe von Ahnen hat. Der Erste seiner Art war bei Suzuki vor 56 Jahren ein Auto namens LJ10. Der Urahn der heutigen Jimny-Modelle, der in Japan 1970 auf den Markt kam, war nur drei Meter lang und zählte dort zur superkleinen und preisgünstigen „Kei-Car“-Autokategorie. Das schmächtige Geländewägelchen hatte einen luftgekühlten Zweitaktmotor mit 360 Kubikzentimeter Hubraum und 25 PS Leistung, in etwa so viel wie ein kleines Motorrad. Gedacht war er nicht als Lifestyle-Vehikel, sondern als simples und robustes Auto für Leute, die auf schlechten Wegen unterwegs waren. Das neue Modell kam gut an bei den Kunden, und ein paar Jahre später begann Suzuki, die nächste Generation seines Low-Budget-Geländewagens auch zu exportieren. 1979 kam das Auto auch nach Deutschland. Es hieß jetzt LJ80, war immer noch winzig und weiterhin kompromisslos minimalistisch. Die Passagiere in der zweiten Sitzreihe mussten quer zur Fahrtrichtung auf Klappsitzen Platz nehmen. Anfangs wurde er serienmäßig als Cabrio ohne Verdeck und sogar ohne Türen ausgeliefert. Man konnte sie als Sonderausstattung dazu ordern. Nacktes Blech in Fußraum und Cockpit Im Fußraum und Cockpit empfing den Fahrer viel nacktes Blech statt Teppich und Kunststoffblenden. Rund 40 PS unter der Motorhaube sorgten dafür, dass der nur gut 800 Kilogramm leichte Wagen halbwegs vorankam. Aber er hatte auch einen großen Vorzug: Mit einem Preis von 12.500 Mark, umgerechnet rund 6.400 Euro, war Suzuki damals im Geländewagensegment eines der preisgünstigsten Modelle überhaupt. In Deutschland traf der Hersteller mit dem erschwinglichen Gelände-Mini Anfang der 80er-Jahre eine Marktlücke. Die Japaner verkauften von dem Nischenmodell hierzulande bis 1982 immerhin rund 16.000 Exemplare. Allerdings hatte der LJ80 eine verhängnisvolle Schwachstelle: Er war extrem rostanfällig, weil Suzuki am Korrosionsschutz gespart hatte, um die Kosten niedrig zu halten. Dennoch begründete der LJ80 den Kultstatus der Suzuki-Geländewagenzwerge auch in Deutschland. Der Jimny wurde Opfer seines eigenen Erfolgs Die nachfolgenden Modellgenerationen, die zwischenzeitlich auch mal unter dem Namen Samurai vertrieben wurden, waren dagegen weniger kernig, sie wurden zunehmend rundlich, verkauften sich aber weiterhin gut. Ab 1998 hieß das Erfolgsmodell von Suzuki in Deutschland und anderen europäischen Ländern Jimny. Er wurde zwei Jahrzehnte lang gebaut, bevor 2018 ein Nachfolger a…

Quelle: FAZ ›

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