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Streamingdienst: Netflix überzeugt die Börse nicht

Personalabbau und Veränderungen im Top-Management: Der Streamingdienst erlebt unruhige Zeiten. Jetzt meldet er für das vergangene Quartal eine Abschwächung seines Wachstums.

Streamingdienst: Netflix überzeugt die Börse nicht

Netflix hat bei der Vorlage seiner Geschäftsergebnisse nicht auf ganzer Linie überzeugt. Wie der Streamingdienst am Dienstag nach Börsenschluss meldete, hat sich sein Umsatzwachstum im dritten Quartal abgeschwächt. Außerdem hat das Unternehmen seine Umsatzprognose für sein noch junges Werbegeschäft in diesem Jahr nach unten korrigiert. Die Börse zeigte sich unzufrieden. Der Aktienkurs fiel im nachbörslichen Handel zeitweise um mehr als fünf Prozent. Die Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 40 Prozent an Wert verloren. Die Geschäftszahlen kommen inmitten unruhiger Zeiten für Netflix. In den vergangenen Tagen hat das Unternehmen mit einer Serie von Ankündigungen für Aufsehen gesorgt, die den Eindruck vermitteln, dass es sich unter erheblichem Handlungsdruck sieht. Zunächst wurde bekannt, dass es sich von 1000 Mitarbeitern und damit sechs Prozent seiner Belegschaft trennen will. Das ist sein erster größerer Personalabbau seit 2022, als seine Abonnentenzahlen zum ersten Mal seit langer Zeit schrumpften. Dann gab es mehrere Veränderungen im Top-Management: Bela Bajaria wurde abrupt als Chief Content Officer abgelöst, sie war in dieser Rolle für alle Inhalte auf Netflix verantwortlich. Auch Dan Lin, der bislang das Filmgeschäft führte, verlässt das Unternehmen. Übernahmeversuch als Zeichen der Schwäche An der Börse ging es für den Streamingdienst schon Ende vergangenen Jahres abwärts. Damals versuchte er, den Unterhaltungskonzern Warner Bros. Discovery zu kaufen, und er unterschrieb auch schon eine Übernahmevereinbarung. Dann aber funkte der Wettbewerber Paramount Skydance mit einem eigenen Angebot dazwischen und gewann den Bieterkampf. Viele Analysten werteten den zwischenzeitlichen Übernahmeversuch von Netflix als ein Zeichen der Schwäche, zumal das Unternehmen in der Vergangenheit nie mit größeren Akquisitionen aufgefallen war. Allerdings hat sich der Aktienkurs von Netflix auch nach dem Rückzug aus dem Rennen um Warner nicht erholt. Zwar wächst der Umsatz von Netflix weiter zweistellig, aber andere Kennzahlen geben Anlass zur Sorge. So ist die Zahl der auf Netflix verbrachten Stunden im ersten Halbjahr nur um zwei Prozent gewachsen. Ein wesentlicher Grund dafür ist nach Auffassung vieler Beobachter, dass Netflix in diesem Jahr vergleichsweise wenige neue Hits geliefert, die an frühere Erfolgsproduktionen wie die Serie „Stranger Things“ oder den Film „KPop Demon Hunters“ heranreichten. Netflix und auch anderen Streamingdiensten macht zudem die verstärkte Konkurrenz durch Videoplattformen wie Youtube und Tiktok zu schaffen. Nach Angaben der Marktforschungsgruppe Nielsen ist der Anteil von Netflix am Fernsehkonsum in den USA im Juli im Vergleich zum Vorjahr von 8,8 auf 7,8 Prozent gefallen. Youtube lag bei mehr als 14 Prozent. Gegenüber Netflix hat der zu Google gehörende Videodienst den Vorteil, viel weniger für seine Inhalte zahlen zu müssen. Das Unternehmen schrieb jetzt in seiner Mitteilung, es sei sich der „Sorgen von Investoren“ mit Blick auf das Wachstum der auf Netflix verbrachten Stunden bewusst. Das Unternehmen verwies darauf, dass seine Abonnenten auf Preiserhöhungen in diesem Jahr ähnlich reagiert hätten wie in der Vergangenheit, und es beschrieb dies als Hinweis darauf, dass der Netflix-Konsum „gesund“ sei. Es fügte aber hinzu, dass es das Wachstum bei der Zahl der Netflix-Stunden beschleunigen wolle. Insgesamt meldete Netflix für das dritte Quartal ein Umsatzwachstum von 12 Prozent auf 12,9 Milliarden Dollar und lag damit genau auf Höhe der Erwartungen von Analysten. Der Nettogewinn stieg um 44 Prozent auf 3,7 Milliarden Dollar. Das Ergebnis je Aktie war etwas höher als erwartet. Für das Gesamtjahr sagt Netflix ein Umsatzwachstum von 13 Prozent voraus. Für das Werbegeschäft wird ein Anstieg von 1,5 Milliarden auf 2,7 Milliarden Dollar erwartet. Bislang hatte Netflix eine Verdopplung auf 3,0 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt. Für die Korrektur machte Netflix eine langsamer als erwartete Einführung bestimmter Werbeprodukte verantwortlich. Der Analyst Ross Benes von der Marktforschungsgruppe Emarketer nannte die niedrigere Prognose „beunruhigend“.

Quelle: FAZ ›

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