Sudan: Über 150 Tote nach Drohnenangriff in Grenzregion Abyei
Nach einem Angriff auf einen Markt in der Region Abyei steigen die Todeszahlen. Die südsudanesische Regierung macht Sudans Armee für die Attacke verantwortlich.
Kämpfer der paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF)
Nach einem Drohnenangriff auf einen Markt in der Grenzregion Abyei zwischen dem Sudan und dem Südsudan ist die Zahl der Toten südsudanesischen Angaben zufolge auf 153 gestiegen. Ursprünglich war nach dem Angriff vom Montag von 73 Toten die Rede gewesen. Wegen anhaltender Brände sei die Bergung der Leichen schwierig. Zudem seien rund 8000 Menschen durch die Attacke vertrieben worden.
Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass Insidern zufolge ein Treibstofflager auf dem Markt das Ziel der Drohne war. Nach Angaben eines Diplomaten war es demnach in der Vergangenheit von den paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) zur Versorgung ihrer Truppen genutzt worden.
Nach Uno-Angaben trafen Drohnen am Montag auch mehrere Orte in der sudanesischen Hauptstadt Khartum, darunter ein Gebiet in der Nähe des Flughafens. Am Wochenende wurden laut der Uno zudem die Bundesstaaten West-Darfur, Süd-Darfur und Nord-Kordofan mit Drohnen attackiert.
Für die Angriffe werden beide Kriegsparteien verantwortlich gemacht. Lokale Behörden beschuldigen die RSF, den Angriff in West-Darfur verübt zu haben. Die RSF wiederum beschuldigte die sudanesische Armee, einen Markt in Süd-Darfur beschossen zu haben. Südsudans Regierung macht die sudanesische Armee zudem für die Schläge auf den Markt in Abyei verantwortlich und bestellte den sudanesischen Botschafter ein.
Die ölreiche Region Abyei wird vom Sudan und dem Südsudan gemeinsam verwaltet. Der Südsudan hatte 2011 seine Unabhängigkeit erklärt. Beide Staaten erheben Anspruch auf das Gebiet, in dem es häufig zu ethnischen Konflikten kommt. Der jüngste Angriff ist jedoch der folgenschwerste seit Jahren.
Im Sudan herrscht seit April 2023 Krieg zwischen der RSF und der Armee. In den inzwischen dreieinhalb Jahren des Krieges wurden Zehntausende Menschen getötet und mehr als 14 Millionen Menschen vertrieben. Der Krieg hat eine der schwersten humanitären Krisen weltweit ausgelöst.
Carl Skau, Vizedirektor des Welternährungsprogramms, ist durch die stark vom Krieg betroffene Region Darfur im Sudan gereist und erklärt, was das Land am dringendsten braucht. Das ganze Interview lesen Sie hier.
Quelle: Spiegel ›
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