U15-WM der FIFA startet - mit Russland, ohne Deutschland
In Aserbaidschan beginnt eine Fußball-WM von ungeahnter Größe: 189 Nachwuchsteams nehmen an der neuen U15-WM der FIFA teil - Deutschland ist nicht dabei, Russland schon.
In Aserbaidschan beginnt am Donnerstag eine Fußball-WM von ungeahnter Größe: 189 Nachwuchsteams reisen in die Hauptstadt Baku, um an der neuen U15-WM der FIFA teilzunehmen - Russland kehrt dabei auf die Fußballbühne zurück, die Ukraine und auch der DFB entsenden jeweils keine Mannschaft. Von Chaled Nahar Das Turnier steht allen 211 Nationalverbänden, die Mitglieder der FIFA sind, offen. Russlands Verband ergreift diese Möglichkeit und nimmt damit erstmals an einem weltweiten Turnier teil, seit Staatschef Wladimir Putin den Angriffskrieg gegen die Ukraine begonnen hat. Der ukrainische Fußballverband UAF teilte auf Anfrage der Sportschau mit, dass er das Turnier aus sportlichen Erwägungen frühzeitig abgesagt habe. Erst danach sei Russlands Teilnahme bekannt geworden. Darüber habe die UAF die anderen europäischen Verbände informiert. "Einige Länder erklärten daraufhin, dass sie nicht am Wettbewerb teilnehmen würden. Andere gaben an, zwar anzutreten, aber nicht gegen Russland spielen zu wollen", so die UAF. Der ukrainische Verband betonte, er sei "der europäischen Fußballfamilie für ihre Unterstützung und ihre geschlossene Haltung bei der Isolierung Russlands im Fußball dankbar". DFB führt sportliche Gründe für sein Fernbleiben an 37 von 55 möglichen Teams aus den UEFA-Mitgliedsverbänden nehmen allerdings teil. Russland spielt in einer der 32 Vorrundengruppen gegen Afghanistan, Dschibuti, Sierra Leone, den Sudan und die Türkei. Wie 17 weitere Verbände der UEFA schickt auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) kein Team zum Turnier nach Aserbaidschan. Auf Anfrage der Sportschau nennt der DFB aber rein sportliche Gründe für sein Fernbleiben. "Aus unserer Sicht sollten Talente nicht zu früh den Begleiterscheinungen des professionellen Fußballgeschäfts ausgesetzt werden." Dazu gehören laut DFB "unter anderem ein erhöhter Erwartungsdruck, eine frühe öffentliche Bewertung ihrer Leistungen sowie ein frühzeitiges Interesse aus dem Berater- und Marktumfeld." Deshalb habe man sich bewusst gegen das Turnier entschieden. Außerhalb Europas bleiben nur die Teams aus Eritrea, Libyen, Nordkorea und den USA dem Turnier fern. Die U15-WM wird erstmals in dieser Form veranstaltet. Beschlossen wurde sie vom FIFA-Rat, dem auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf angehört. 189 Länder nehmen an dem Turnier teil. Die Teams werden in 32 Vorrundengruppen eingeteilt und spielen dort um die Plätze in der K.o.-Runde. Alle Teams werden anhand ihrer Ergebnisse auf sechs Turniere verteilt, in denen jeweils ein Sieger gekürt wird. Fast tausend Spiele sollen auf 20 Kleinfeldern innerhalb von neun Tagen stattfinden. Gespielt wird acht gegen acht, die Kader umfassen jeweils 14 Spieler. 2027 soll ein entsprechendes Turnier für Mädchen stattfinden. Infantino forderte offen Russlands Rückkehr Im Juli hob das Internationale Olympische Komitee seine Einschränkungen gegen Russland vorläufig auf. Die FIFA teilte mit, die Entscheidung zu analysieren. Bislang sind russische Teams "aus Sicherheitsgründen" und "zur Gewährleistung eines reibungslosen Spielbetriebs" bei der FIFA und bei der UEFA suspendiert, Russlands Verband blieb vollwertiges Mitglied. Der Krieg gegen die Ukraine wurde bei diesen Entscheidungen nie bewertet. FIFA-Präsident Gianni Infantino hatte im Februar im Gespräch mit mehreren Medien gesagt, dass man Russland wieder einbeziehen müsse. "Je schneller alle bei einer WM dabei sind, umso besser." Infantino hält bis heute den russischen "Orden der Freundschaft". Putin hatte ihm die Auszeichnung 2019 als Dank für die Austragung der Fußball-WM 2018 in Russland verliehen. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin machte öffentlich ein Ende des Kriegs zur Voraussetzung für eine Rückkehr. Zahlreiche aufgeladene Partien sind möglich Die Regularien des Turniers sind öffentlich nicht verfügbar. Die FIFA teilte auf Anfrage der Sportschau mit, dass die Begegnungen der K.o.-Runde "auf Grundlage der Ergebnisse der Gruppenphase festgelegt" werden, demnach gibt es also keine Einschränkungen, wer gegen wen spielt. Zahlreiche politisch aufgeladene Partien sind möglich: Die Teams der Verbände aus Israel und Palästina könnten theoretisch in der K.o.-Runde Gegner werden.Die Staatsführung im Iran verbietet es Sportlerinnen und Sportlern, gegen Israel anzutreten. Auch diese Partie könnte im Spielplan zustande kommen.Teams aus Kosovo und Serbien dürfen in UEFA-Wettbewerben nicht gegeneinander spielen - auch hier könnte es ein besonderes Spiel geben.Spanien könnte auf Gibraltar treffen, seit Jahrzehnten gibt es einen Konflikt mit Großbritannien um die Halbinsel. Auf UEFA-Ebene dürfen die Teams aus Spanien und Gibraltar aktuell nicht gegeneinander spielen. "Das ist das Schöne an dem Turnier", sagte FIFA-Direktor Arsène Wenger in einem vom Weltverband verbreiteten Video. "Es war ein Traum, alle aus der Welt beieinander zu haben. Wir sagen bei der FIFA immer, dass Fußball die Welt vereint." Aserbaidschan sucht die Nähe zum Fußball Die Welt zusammenbringen will die FIFA in Aserbaidschan, das Turnier findet in der Hauptstadt Baku statt. Armenien nimmt nicht teil, seit Jahren befindet es sich im Konflikt mit Aserbaidschan, der teilweise mit Waffengewalt ausgetragen wurde, sich aber zuletzt beruhigt hat. Aserbaidschan wird durch Präsident Ilham Alijew autoritär regiert. In dem Land kommt es regelmäßig zu schweren Verletzungen der Menschenrechte. Immer wieder kritisieren Menschenrechtsorganisationen, dass die Staatsführung Sportveranstaltungen nutzt, um sich international zu profilieren und Stärke nach innen zu demonstrieren. 2019 fand in Baku das Europa-League-Finale der UEFA statt, 2021 wurden mehrere EM-Spiele nach Baku vergeben. Das staatliche Energieunternehmen SOCAR war mehrere Jahre UEFA-Sponsor. Der Austragungsort sei aufgrund seiner "erstklassigen Sport- und sonstigen Infrastruktur" ausgewählt worden, teilte die FIFA mit. FIFA-Präsident Gianni Infantino brachte bei seiner Wahlkampftour für seine Wiederwahl 2027 Ende September Geschenke in den Präsidentenpalast. "D…
Quelle: tagesschau ›
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