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Candidozyma auris: Forscher finden möglichen Grund für Versagen von Medikamenten

Für Gesunde ist der Pilz harmlos, für Kranke eine tödliche Bedrohung: Forscher rätseln, warum Medikamente bei C. auris teils versagen. Ein Missgeschick brachte sie nun offenbar auf die richtige Spur.

Candidozyma auris: Forscher finden möglichen Grund für Versagen von Medikamenten

Petrischale mit Hefepilz Candidozyma auris: Auf Intensivstationen besonders gefährlich

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Der Hefepilz Candidozyma auris, kurz C. auris, wird weltweit zu einem immer größer werdenden Gesundheitsproblem. Für gesunde Menschen ist der Erreger in aller Regel harmlos. Doch gelangt er in den Blutkreislauf eines geschwächten Patienten, etwa auf einer Intensivstation, liegt die Sterblichkeitsrate bei 45 Prozent.

Ein Problem: Der Pilz ist teils gegen gängige Medikamente resistent. Ein britisches Forschungsteam hat nun eine mögliche Erklärung gefunden, wie es dem Pilz gelingt, einer Behandlung zu entgehen. Beteiligt sei ein Gen namens »Crazy-one«, heißt es in der aktuellen Ausgabe des Fachblatts »Nature Communications« .

Der Pilz erzeugt demnach zusätzliche Kopien seines gesamten Erbguts, wenn er mit Medikamenten bekämpft wird. Dadurch steigt die Chance, dass es zu Genveränderungen bei dem Erreger kommt, die ihn resistent gegen die Medikamente machen.

»Candidozyma auris kommt in der Allgemeinbevölkerung selten vor, stellt jedoch für Patienten auf Intensivstationen eine tödliche Bedrohung dar«, erklärte Hauptautor Hugh Gifford von der Universität Exeter. Der Erreger hafte an der Haut der Patienten und an den umgebenden Geräten, er könne von Mensch zu Mensch übertragen werden und sei unglaublich schwer zu beseitigen.

Auf Intensivstationen führt der infektiöse Pilz regelmäßig zu Todesfällen. Für Kliniken seien Ausbrüche zudem kostspielig und mit erheblichen Beeinträchtigungen verbunden, sagt Gifford.

Das Team um Gifford hatte untersucht, warum zwei schwerkranke Patienten, die mit dem Pilz infiziert waren, nicht geheilt werden konnten, obwohl sie ein Medikament bekamen, das die Zellwand des Pilzes angreift. Zwar war bekannt, dass bestimmte Genveränderungen den Pilz gegen das Medikament resistent machen können, aber die lagen in beiden Fällen nicht vor.

Intensivstation (Symbolbild): C. auris ist schwer zu beseitigen

Während der Untersuchung kam den Forschenden der Zufall zu Hilfe: Ein Wissenschaftler hatte versehentlich Platten mit C. auris und einem Medikament gegen Pilze länger kultiviert als vorgesehen. Erst dadurch ist ihnen aufgefallen, dass ein winziger Teil der Zellen über mehrere Tage weitergewachsen war, berichten die Forschenden.

Mit der Zeit wuchsen zwei Varianten des Pilzes heran, eine kleine und eine große. Die kleine wuchs langsamer, die große schneller. Weitere Tests zeigten, dass der Pilz zusätzliche Kopien seines gesamten Erbguts gebildet hatte. Dadurch stieg die Chance für Mutationen, die ihn resistent machen.

Tatsächlich konnten die Wissenschaftler bei der schnell wachsenden, großen Variante mehr solcher Veränderungen im Gen CRZ1, wegen der Buchstabenfolge auch »Crazy-one« genannt, nachweisen als in den anderen Proben. CRZ1 wird mit der Stabilität und dem Umbau der Zellwand in Verbindung gebracht. Die Forscher vermuten, dass die Genveränderungen dafür gesorgt haben, dass das Medikament der Zellwand des Pilzes nur noch wenig anhaben konnte.

»Unsere Entdeckung bedeutet, dass wir nun nach neuen Wegen suchen müssen, um Patienten zu behandeln und diesen tödlichen Pilz aus Krankenhäusern zu beseitigen«, schließen die Forschenden. Sie wollen jetzt verschiedene Optionen wie einen kombinierten Einsatz verschiedener Medikamente prüfen.

C. auris, früher auch bekannt als Candida auris, wurde 2009 in Japan erstmals beschrieben, seine Herkunft ist nach wie vor ein Rätsel. Seit seinem Auftreten wurden Ausbrüche auf allen Kontinenten gemeldet, insgesamt in mehr als 60 Ländern. Er wurde als globale Bedrohung für die öffentliche Gesundheit eingestuft und steht auf der Liste der Pilzerreger mit höchster Priorität der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Deutschland gehört nach Daten der EU-Gesundheitsbehörde ECDC zu den EU-Ländern mit den meisten gemeldeten Fällen. Momentan gebe es relativ stabil etwa 100 Erstnachweise von C. auris pro Jahr, sagte Oliver Kurzai, Vorstand des Instituts für Hygiene und Mikrobiologie an der Universität Würzburg, der nicht an der britischen Studie beteiligt war. Es gebe immer wieder Ausbruchsereignisse, und mit der Ausbreitung des Erregers insbesondere in Südeuropa steige die Wahrscheinlichkeit von vermehrten Importen.

»Wir müssen daher befürchten, dass die Fallzahl in den nächsten Jahren zunimmt«, erklärte Kurzai, der das Nationale Referenzzentrum für Invasive Pilzinfektionen (NRZMyk) leitet. In Deutschland gibt es demnach inzwischen eine Meldepflicht für Nachweise.

Warum genau die Zahl der Pilzinfektionen steigt, ist unklar. Als ein Faktor gelten verbesserte Diagnosemöglichkeiten, wodurch die Pilze überhaupt erst entdeckt werden.

Für plausibel halten Fachleute auch einen möglichen Zusammenhang mit dem Klimawandel, hauptsächlich mit der Erwärmung und langen Dürre- und Trockenzeiten. »Diese führen dazu, dass sich Pilze potenziell besser verbreiten, da die Sporen mit Staub und Erde über die Luft transportiert werden«, schreibt das britische Forschungsteam. Nachgewiesen sei das bislang aber nicht.

Quelle: Spiegel ›

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