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Chance oder Risiko: Zusammenarbeit deutscher Unternehmen mit Big Tech

Bosch setzt voll auf Künstliche Intelligenz und arbeitet dafür eng mit Microsoft zusammen. Doch Digitalexperten warnen, dass sich die deutsche Industrie zu sehr in die Abhängigkeit von US-Techriesen begibt. Von Laura Bisch.

Chance oder Risiko: Zusammenarbeit deutscher Unternehmen mit Big Tech

Bosch setzt voll auf Künstliche Intelligenz und arbeitet dafür eng mit Microsoft zusammen. Doch Digitalexperten warnen, dass sich die deutsche Industrie zu sehr in die Abhängigkeit von US-Techriesen begibt. Von Laura Bisch Von der Hochdruckpumpe bis zur Zündkerze: Bei Bosch kam jedes Produkt bereits mit Künstlicher Intelligenz in Verbindung. Das sagt das Unternehmen selbst - und meint damit: Die Produkte enthalten KI oder wurden mit ihrer Hilfe hergestellt. KI ist bei Bosch also bereits an allen Standorten in irgendeiner Form präsent - besonders aber an dem in Stuttgart-Feuerbach. Denn ausgerechnet hier werden viele KI-Anwendungen getestet, bevor sie weltweit ausgerollt werden. Seit Anfang des Jahres arbeitet Bosch dazu mit dem US-Unternehmen Microsoft zusammen. Vom schwäbischen Feuerbach raus in die Welt Konkret wird das im Bosch-Werk Feuerbach in der sogenannten Morgenrunde. Dabei kommt der Schichtführer mit Mitarbeitenden zusammen. Im Vorfeld kam aber bereits die KI ins Spiel - in Form eines Agenten. Das ist eine Art digitaler Assistent, der nicht nur Fragen beantworten, sondern eigenständig Aufgaben erledigen kann. Dieser Agent wird gerade in Feuerbach erprobt und ist unter anderem aus der Zusammenarbeit mit Microsoft entstanden. Der spezifische Agent für die Morgenrunde erkennt anhand von Daten automatisch die wichtigsten Risiken in der Produktion, bewertet sie und liefert passende Empfehlungen. Die KI schaut dazu nicht nur 24 Stunden zurück, sondern auch 24 Stunden nach vorne. So nimmt der Agent den Schichtführern laut Bosch Arbeit ab. Stichwort: Produktivitätssteigerung. Laut Elisabeth Schwarz, verantwortlich für Digitalisierung in der Fertigung im Werk in Feuerbach, zeigt das bereits Wirkung: Die digital assistierte Morgenrunde spare den Schichtführern im Vergleich zum alten Modell bereits acht Stunden pro Woche ein. Diese könnten sie in andere Aufgaben wie Mitarbeiterführung und Verbesserungsarbeit investieren. Datenschutz "extrem wichtig" für Bosch Die Zusammenarbeit funktioniert laut einem Bosch-Sprecher so: Microsoft bringt vor allem die IT- und Software-Infrastruktur mit - Bosch die Daten aus der Produktion. Zum Thema Datenschutz und US-Abhängigkeit sagt Bosch: "Die Datenhoheit bleibt bei Bosch." Ein Sprecher des Unternehmens ergänzt: "In sämtlichen Geschäftsprozessen gewährleistet Bosch den Schutz der Privatsphäre, den Schutz personenbezogener Daten sowie die Sicherheit aller Geschäftsinformationen unter Einhaltung der gesetzlichen Anforderungen." Das Thema Datensicherheit sei Bosch "extrem wichtig". Bosch betreibt auch Werke in den USA, in Asien und anderen Teilen Europas. Die Hürden lägen vor allem in der Regulierung. "Europa hat relativ strenge Vorschriften, was die KI-Anwendung angeht", erklärt der Bosch-Sprecher: Wir müssen in Europa aufpassen, dass man die Vorgaben zur Nutzung von KI hier nicht zu streng handhabt, was auch den Standort Europa im globalen Wettbewerb unattraktiv machen könnte. Bosch stellt auch eigene KI-Lösungen her Doch Bosch stellt laut eigener Aussage auch eigene KI-Lösungen her und stellt diese anderen Unternehmen zur Verfügung. Über die Plattform "Manufacturing Co-Intelligence", die Bosch gemeinsam mit Microsoft entwickelt hat, wurden mehrere Agenten entwickelt. Ein Beispiel ist der Shopfloor Agent: Er erfasst Störungen laut Bosch schneller, grenzt Ursachen ein und schlägt Lösungsmaßnahmen vor. Das helfe dabei, Stillstandzeiten und Dokumentationsaufwand an der Produktionslinie spürbar zu reduzieren. Diese KI ist Bosch zufolge zum Beispiel bereits bei der Sick AG in Villingen-Schwenningen im Einsatz, einem weltweit agierenden Hersteller von Sensoren für Fabriken, Logistik und die Automatisierungstechnik. Künstliche Intelligenz ist der entscheidende Hebel, um die deutsche und europäische Industrie im globalen Wettbewerb zukunftsfest aufzustellen. Abhängigkeiten zu groß: Hat Bosch wenig gelernt? Der Digitalexperte Mirko Ross sieht eine Zusammenarbeit von Bosch und Microsoft im Bereich Künstliche Intelligenz kritisch. Ross berät unter anderem Unternehmen zum Thema Cybersicherheit. Er schreibt auf Anfrage des SWR: "Die Meldung lässt vermuten, dass Bosch in puncto Abhängigkeit nichts oder nur wenig aus den Erfahrungen mit Betriebssystemen, Geschäftsanwendungen und Cloud gelernt hat." Microsoft und die US-Regierung bestimmen laut Ross, wer einen Zugang auf leistungsfähige KI bekomme. "Deutsche Unternehmen werden hier durch Exportbeschränkungen schon heute benachteiligt, indem Modelle der neuesten Generation oder bestimmte Funktionen vorenthalten werden oder nur von US-Unternehmen genutzt werden können." Schon heute bestimme Microsoft durch marktbeherrschende Stellungen den Preis zur Nutzung geschäftskritischer Software - das Gleiche sei bei Künstlicher Intelligenz zu erwarten, führt Ross aus. KI als Schlüsseltechnologie der Zukunft KI sieht Ross als zukünftige Schlüsseltechnologie, die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit maßgeblich bestimmen wird. "Hier nicht auf souveräne Lösungen zu setzen, birgt erhebliche Risiken", erklärt Ross weiter. Ross wünscht sich, dass die deutsche Industrie maßgeblich in europäische KI-Lösungen investiert. Er glaubt: "Die Gelder, die Bosch bei Microsoft anlegt, hätten bei einer Investition in europäische KI-Modelle und KI-Werkzeuge eine deutlich bessere Zukunftsdividende."

Quelle: tagesschau ›

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