Danny Boyle wird 70: Der Starregisseur, der ein einfacher Bürger sein will
Mit „Trainspotting“ und „Slumdog Millionaire“ feierte er Welterfolge. Er setzte die Queen in Szene und lehnt dennoch die Monarchie ab. Jetzt wird der Starregisseur Danny Boyle siebzig.
Am Abend des 27. April 2012 hielt die britische Nation für einen Moment die Luft an. Die Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele war im vollen Gange, rund 27 Millionen Zuschauer verfolgten auf dem Fernseher das Spektakel. Sie sahen, wie Daniel Craig als James Bond im Buckingham-Palast vorfuhr, Königin Elisabeth II. zum Gehen aufforderte und kurze Zeit später mit ihr im Helikopter über London flog. Als sie über dem Olympiastadion kreisten, zögerte die Monarchin nicht. Sie sprang im rosa Kostüm in die Tiefe. Natürlich segelte eine Stuntfrau durch die Wolken, doch das tat dem Erfolg der Show keinen Abbruch. Noch heute gilt die Eröffnungsfeier als eine der schönsten aller Zeiten. Danny Boyle verantwortete sie als künstlerischer Leiter. Ein Jahr darauf sollte der britische Regisseur für seine Verdienste in den Ritterstand erhoben werden, er lehnte jedoch ab. „Das ist nicht mein Ding, war es noch nie“, sagte er 2013 dem „Guardian“. „Ich halte es für wichtiger, ein gleichberechtigter Bürger zu sein, als ein bevorzugter Untertan.“ Diese Einstellung zieht sich durch das Leben und Werk des 1956 in Radcliffe geborenen Regisseurs. Seine erzkatholische Mutter wünschte sich eine Priesterlaufbahn für ihn, stattdessen wandte Boyle sich dem Theater zu. Er arbeitete mehrere Jahre am Royal Court Theatre und für die Royal Shakespeare Company, bis er mit seinem Debüt „Kleine Morde unter Freunden“ (1994) seinen Durchbruch feierte. Der Regisseur mit dem Gespür für Menschen Von „Trainspotting“ (1996), dem popkulturell etwas überhöhten Film über eine Gruppe Heroinsüchtiger, über den mit acht Oscar ausgezeichneten „Slumdog Millionär“ (2008), der vom Aufstieg eines Quizshowteilnehmers aus dem Slum Mumbais erzählt, bis hin zu „127 Hours“ (2010), in dem ein Mann fünf Tage lang in einer Felsspalte gefangen ist: Danny Boyles Filme handeln von Menschen, die sich scheinbar unüberwindbaren Hindernissen gegenübersehen – und sie trotzdem überwinden. Boyle gilt als jemand mit einem ausgeprägten Gespür für Menschen. Er habe einen „fast kindlichen Enthusiasmus, der wahnsinnig erfrischend ist“, sagte Jodie Comer dieser Zeitung. Die Schauspielerin wirkte bei „28 Years Later“ (2025) mit, einem Horrorthriller, in dem Boyle die gesellschaftlichen Nachwirkungen des Brexits mit verhandelte. Während seine politischen Überzeugungen in seinen Filmen meist eher subtil zum Ausdruck kommen, bezieht er regelmäßig öffentlich Stellung. So kritisierte er etwa nach der Premiere von „Ink“ (2026), seinem jüngsten Film über den Aufstieg der Boulevardzeitung „The Sun“, Donald Trumps Umgang mit der Wahrheit. Zudem plädiert er für die Abschaffung der britischen Monarchie, bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele rückte er dezidiert die britische Arbeiterbewegung in den Vordergrund. Die Queen machte bei seiner Inszenierung dennoch mit. Am heutigen Dienstag wird Danny Boyle siebzig.
Quelle: FAZ ›
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