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Gewalt in Frankreich: Ein Innenminister auf Abruf

Nach dem Sicherheitsfiasko in Frankreich reichte Laurent Nuñez seinen Rücktritt ein. Doch er muss im Amt bleiben. Wer ist der Minister wider Willen?

Gewalt in Frankreich: Ein Innenminister auf Abruf

Der französische Innenminister Laurent Nuñez hat am Sonntag um seine Entlassung aus dem Amt gebeten, „weil ich für all das, was passiert ist, verantwortlich bin“. Das sagte der 62 Jahre alte Innenminister im Radio. Er gestand ein, dass die Polizeikräfte am Wochenende nicht für die hohe Zahl von Randalierern und Plünderern dimensioniert gewesen seien. „Wir haben teilweise die Kontrolle verloren“, sagte er. Präsident Emmanuel Macron gab dem Rücktrittsgesuch seines Innenministers jedoch nicht statt. Nuñez tritt damit in die Fußstapfen von Macrons erstem Innenminister Gérard Collomb, der nach seinem Rücktrittsgesuch noch mehrere Monate im Amt bleiben musste, weil der Präsident keinen Nachfolger benennen wollte. Anders als der Sozialist Collomb hat sich Nuñez nie als Politiker verstanden. Auf die heftige Kritik an der polizeilichen Einsatzstrategie reagierte er wie der oberste Dienstherr der Polizisten: Er nahm seine Truppen in Schutz, aber formulierte keine politische Erklärung. „Nein, ich werde mich nicht bei den Demonstranten entschuldigen, die sich über Polizeigewalt beklagen“, sagte Nuñez. Am Montagabend reiste er nach Marseille, der nach Paris am schwersten getroffenen Metropole. Nuñez wollte ursprünglich Polizist werden Nuñez verteidigte auch die Ausgangssperren, die für die Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung notwendig seien. Eine politische Einordnung der Unruhen nahm er anders als etwa der deutsche Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) nicht vor. Nuñez mahnte, zwischen zwei Gruppen zu unterscheiden. Es gebe Randalierer und Plünderer mit oftmals kriminellem Hintergrund und Anhänger der Ultralinken, die es vor allem auf Rathäuser abgesehen hatten. Nuñez, Vater von zwei erwachsenen Töchtern, blickt auf eine Laufbahn als Spitzenbeamter zurück. Von 2022 bis zu seiner Ernennung zum Innenminister im Oktober 2025 wirkte er als Polizeipräfekt in Paris und koordinierte die Sicherheitsvorkehrungen während der Olympischen Sommerspiele 2024. Als Staatssekretär im Innenministerium erlebte er die oftmals gewalttätigen Gelbwesten-Proteste 2018/19. Zwischen 2020 und 2022 leitete er den wichtigsten Inlandsgeheimdienst DGSI. Nuñez stammt aus einer spanischen Familie, die im 19. Jahrhundert nach Algerien ausgewandert war. Nach der Unabhängigkeit Algeriens ließ sich die Familie in Bourges nieder, wo Nuñez 1964 zur Welt kam. Der Sohn eines Architekten und einer Lehrerin wollte eigentlich Polizist werden, studierte dann aber Jura und absolvierte schließlich die Eliteschmiede Ena. Als Unterpräfekt in Bayonne im Baskenland sammelte er erste Erfahrungen in der Terrorbekämpfung. In Marseille, wo er von 2015 bis 2017 als Präfekt wirkte, kämpfte er gegen den Bandenkrieg der Rauschgifthändler.

Quelle: FAZ ›

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