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Hochschulreformen: Die deutschen Universitäten stellen sich aufs Schrumpfen ein

Der Spardruck an deutschen Universitäten nimmt erheblich zu. Frankfurt sucht mit einer großen Hochschulreform nun die Flucht nach vorne. Doch eine strukturelle Lösung brächte nur ein dauerhaftes Engagement des Bundes.

Hochschulreformen: Die deutschen Universitäten stellen sich aufs Schrumpfen ein

Die Goethe-Universität Frankfurt muss, wie alle hessischen Hochschulen, sparen. Der 2025 beschlossene Hochschulpakt verlangt ihr für das laufende Jahr einen Konsolidierungsbeitrag von 30 Prozent ab. Danach soll das Budget wieder steigen, bis 2031 wird trotzdem eine Finanzierungslücke von einer Milliarde Euro erwartet, heißt: Die steigenden Personal- und Betriebskosten werden vom Land nicht gedeckt. Die finanzielle Lage, davon geht man aus, wird sich auf absehbare Zeit angesichts schwacher Konjunktur, hoher Schulden und weltpolitischer Turbulenzen weiter eintrüben. Das Frankfurter Universitätspräsidium will sich nun mit einer umfassenden Reform dauerhaft für eine Zukunft mit knapperen Mitteln rüsten. Der Reformprozess, der am Mittwoch im Senat diskutiert wird, soll noch im laufenden Semester vorbereitet und bis 2032 abgeschlossen werden. Ziel ist die Straffung der Gesamtstruktur durch das Heben von Synergien und den Abbau von Doppelstrukturen. Die Geisteswissenschaften als Sorgenkinder Zentraler Reformhebel ist die Zusammenlegung der bisher 16 Fachbereiche auf sieben. Wirtschaft und Recht beispielsweise werden neu verbunden. Aus fünf geisteswissenschaftlichen Fachbereichen werden zwei. Die Reform ist mit harten Sparvorgaben verbunden. Das Personal soll in den Fachbereichen jeweils um 15, in der Verwaltung sogar um 20 Prozent reduziert werden. Konkret bedeutet das die Streichung von 60 Professuren, wobei die Geisteswissenschaften deutlich stärker als die Natur- und Lebenswissenschaften betroffen sind. Einzig der Medizin, die als Fachbereich erhalten bleibt, werden keine Sparvorgaben gemacht. Die Geisteswissenschaften erscheinen in dem Reformpapier einmal mehr als Sorgenkinder, die Natur- und Lebenswissenschaften als die Stützen der Universität. Das Präsidium wird erklären müssen, wie es die umfangreichen Streichungen mit dem erklärten Ziel in Einklang bringt, die kleinen Fächer zu erhalten. Ob die Reform ein Versuch ist, die profitablen Fächer auf Kosten der weniger profitablen zu stärken, lässt sich aus dem Reformkonzept noch nicht klar herauslesen. Manches deutet darauf hin. Die Vorbereitung der Reform durch eine Bestandsaufnahme anhand von Drittmitteln und Forschungsstärke könnte auf eine Benachteiligung der drittmittelschwachen Geisteswissenschaften hinauslaufen, ebenso das angekündigte indikatorengestützte Budgetierungsmodell. Ob sich aus den tiefgreifenden Veränderungen am Ende tatsächlich Sparpotentiale ergeben, bleibt abzuwarten. Ein Alternativkonzept, das ebenfalls im Senat diskutiert wird, meldet daran Zweifel an. Es macht Strukturveränderungen vom Nützlichkeitsnachweis abhängig. Exzellenz hinter bröckelnden Fassaden Davon abgesehen handelt es sich bei dem Präsidiumsentwurf um eine ehrgeizige Reform, die im Erfolgsfall modellgebend für andere Hochschulen sein könnte, die unter Spardruck geraten. Im Vergleich mit den übrigen hessischen Hochschulen steht der Frankfurter Reformweg jedoch isoliert da. Die Universität Gießen gibt für ihren Sparkurs keine Fachbereiche auf. Die TU Darmstadt hat das Sportinstitut geschlossen und stellt sich mit kontinuierlichen kleinen Schritten auf kommende Zumutungen ein. Einen weiteren Nackenschlag hat man gerade hinnehmen müssen. Das hessische Wissenschaftsministerium hat die Baumittel für die nächsten Jahre faktisch um 15 Millionen Euro jährlich gekürzt. Der Einschnitt trifft die Universität nach den Worten ihres Kanzlers mindestens ebenso hart wie der im vergangenen Jahr beschlossene Hochschulpakt. Das Urteil des Rechtswissenschaftlers Christoph Möllers, die Universitäten in Deutschland würden dramatisch kleingespart, trifft auf Hessen eindeutig zu. Ähnliche Lage in Berlin Und auf Berlin. Die dortigen Universitäten müssen durch den revidierten Hochschulvertrag in ähnlichem Umfang wie in Hessen sparen. 2025 mussten sie nach eigenen Angaben mit 142 Millionen Euro weniger auskommen, seit 2026 steigen die Zuweisungen wieder, bleiben aber hinter dem alten Hochschulvertrag zurück. Die drei großen Universitäten haben auf den Sparkurs mit Personalabbau und Sachmittelkürzungen reagiert. Man hat sich darauf eingerichtet, dass kurzfristige Maßnahmen nicht ausreichen werden, und begonnen, die Strukturen dauerhaft an einen niedrigeren Etat anzupassen. Das ist besonders im Fall der Technischen Universität leichter gesagt als getan. Die TU Berlin musste ihre Verwaltung nach eigenen Angaben um 100 Stellen reduzieren, 18 Fachgebiete werden eingespart, dazu werden Sachmittel gekürzt. 2026 betrage die Sparsumme 49,5 Millionen Euro, bis 2028 werde sie sich auf 65 Millionen Euro pro Jahr erhöhen. Welcher finanzielle Gestaltungsspielraum der Hochschule, die ihr Hauptgebäude brandschutzbedingt im Mai schließen musste und einen Sanierungsstau von geschätzt 2,4 Milliarden vor sich herschiebt, bleibt, um ihre Strategiepläne umzusetzen, lässt sich leicht ermessen. Die im April neu angetretene Universitätspräsidentin Fatma Deniz steht vor der Entscheidung, entweder die Gebäude weiter bröckeln zu lassen oder an anderen Stellen zu sparen. Auch die beiden anderen großen Berliner Universitäten sind zu harten Einschnitten gezwungen. Der Exzellenzverbund, den sie gemeinsam bilden, bietet dafür keine Kompensation. Die Gelder sind zweckgebunden. Es ist eine seltsame Ironie, dass die neuen Exzellenzmitglieder Darmstadt und Frankfurt ebenso wie der Berliner Exzellenzverbund in hochschulpolitischen Problemzonen liegen. Andere Bundesländer behandeln ihre Hochschulen pfleglicher, wie Bayern, Baden-Württemberg oder Sachsen. Aber auch dort wird man sich auf knappere Etats einstellen müssen. Die Überlastung der Hochschulen mit immer weiteren Aufgaben, die steigenden Personal- und Betriebskosten und jahrzehntelang aufgeschobene Bau- und Sanierungsmaßnahmen setzen alle deutschen Hochschulen finanziell unter Druck. Der Sanierungsstau wird auf 60 bis 140 Milliarden Euro geschätzt. Im Februar haben Bund und Länder ein Programm aufgelegt, das in den nächsten drei Jahren eine Milliarde Euro für die…

Quelle: FAZ ›

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