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Huang zu Merz: „Gib Deutschland eine Chance!“

Der Auftakt zum Investitionsgipfel der Bundesregierung gerät zu einer Demonstration der Stärke der KI-Industrie mit Nvidia-Chef Jensen Huang als ihrem ungekrönten König.

Huang zu Merz: „Gib Deutschland eine Chance!“

Nvidia-Chef Jensen Huang hat mit mahnenden Worten Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) aufgefordert, die politischen Bremsen zu lösen, die Deutschlands Wirtschaft schon seit Jahren blockieren. Wenn es dem Land nicht gelänge, seine angestammten Kompetenzen vor allem im verarbeitenden Gewerbe mit der derzeitigen KI-Revolution zu verknüpfen, werde die Industrie erst den Anschluss und dann ihre angestammten Märkte verlieren. „Gib Deutschland eine Chance“, sagte Huang dem Kanzler auf offener Bühne vor rund 500 Gästen ins Gesicht. Merz hatte mit einem Gespräch mit dem Nvidia-Gründer am Montagabend den zweitägigen Investitionsgipfel der Bundesregierung in Berlin eröffnet. Deutschland befinde sich „in einer Position der Stärke“, beschwor der Kanzler zum Auftakt der Veranstaltung, an der auch Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD), Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) und weitere Regierungsvertreter bis Dienstagnachmittag um die Gunst von mehr als 200 Kapitalgebern werben. Als wichtigster Gast der Veranstaltung gilt Nvidia-Chef Huang. Das Anfang der neunziger Jahre von ihm mitgegründete Unternehmen wird an der Börse derzeit mit einem Marktwert von umgerechnet 4500 Milliarden Euro bewertet. Das entspricht in etwa der Jahreswirtschaftsleistung der Bundesrepublik. Nvidia entwirft Computerchips, mit denen Systeme der Künstlichen Intelligenz (KI) entwickelt werden. Es hat auf diesem Gebiet eine fast schon monopolartige Stellung auf dem Markt. Um diese Stellung zu festigen und auszubauen, knüpft Huang seit etwa drei Jahren ein engmaschiges globales Netzwerk an Bündnissen, Beteiligungen und Partnerschaften. Im Januar war er in China, im Mai in Taiwan, im Herbst nun steht Europa auf seiner Agenda. Nach London, Paris und Stockholm traf er in Berlin ein, wo ihn Bundeskanzler Merz mit offenen Armen empfing. Die Kräfteverhältnisse beim Gipfel-Auftakt mit dem Nvidia-Chef waren klar verteilt: „Es wird nichts zu regulieren geben, wenn die KI-Industrie hier nicht erfolgreich ist“, sagte Huang auf die ausdrückliche Bitte des Bundeskanzlers, ihm doch einen Ratschlag für die Regulierung der KI-Industrie und den Umgang mit der hinter den strengen europäischen Vorschriften stehenden Brüssler Bürokratie zu geben. Da hatte selbst der Gründer von Nvidia passen müssen. Kooperation für mehr KI in der Industrie Pünktlich zum Auftakt des ersten „Invest in Germany“-Gipfels vereinbarten die Bundesregierung und Nvidia nun eine engere Zusammenarbeit, mit der die industrielle Nutzung von künstlicher Intelligenz in Deutschland vorangetrieben werden soll. Ziel der Kooperation ist es, die digitale Transformation der deutschen Industrie, insbesondere des Mittelstands, zu beschleunigen und die technologische Souveränität des Landes zu sichern. „Nichts würde mich mehr freuen, als zu sehen, wie alle Investments von Nvidia in Deutschland zu Gold werden“, sagte Huang. Das Unternehmen hat derzeit tausend Mitarbeiter in Deutschland und einen großen Ableger in Berlin. Darüber hinaus habe das Unternehmen eine lange Geschichte mit hiesigen Partnern. Im Jahr 2000 hatte Nvidia eine Kooperation mit dem deutschen PC-Spiele-Entwickler Crytek geschlossen. Über die Zusammenarbeit mit dem Coburger Unternehmen öffneten sich den Amerikanern die Türen und Tore zur deutschen Autoindustrie. „Fünf Jahre später setzten wir das erste Projekt mit Audi auf. Zunächst ging es um Infotainment im Auto. Heute sprechen wir hier über die Entwicklung sich selbststeuernder Autos“, sagte Huang. Der Zusammenarbeit mit Audi folgte nach den Worten von Huang die Kooperation mit Mercedes. Letztere zog millionenschwere Beteiligungen in junge vielversprechende Unternehmen wie Agile Robotics, den Automatisierungsspezialist n8n oder dem KI-Entwickler Black Forrest Labs nach sich. Nvidia sei mittlerweile einer der größten Risikokapitalgeber in Deutschland. „Und wir werden hier nicht haltmachen“, sagte Huang. London, Paris und Berlin Vor Berlin war Huang bereits in London und Paris unterwegs. Einerseits trommelte er in der Öffentlichkeit für den breiten Einsatz von KI-Technologien und den Ausbau der entsprechenden Infrastrukturen. Andererseits will er in Europa seine Chip-Systeme verkaufen. Sie gelten als die Herzkammern der großen Datenzentren. Darüber hinaus fädelte am Rande von Huangs Auftritten das Investitions-Team von Nvidia mehrere Beteiligungen an vielversprechenden europäischen Start-ups ein. Dazu gehört Dotclip, ein Unternehmen, das Technologie für das Gesundheitswesen entwickelt. Oder Entalpic, das an neuartigen Materialien für die Halbleiterfertigung arbeitet. Oder auch Genesis AI, das Roboter baut. Die Anteilskäufe sollen alles in allem einen Umfang von rund zwei Milliarden Dollar haben. Nvidia hatte in Europa bereits im vergangenen Jahr Europa knapp zehn Milliarden Dollar in sein hiesiges KI-Netzwerk investiert. Dabei stand vor allem Frankreich im Zentrum der Aktivitäten der Amerikaner. Dort beteiligte sich Nvidia gleich an mehreren jungen Unternehmen. Dazu gehörte das Quanten-Start-up Alice&Bob und Gradium, eine Ausgründung des Pariser KI-Forschungslabors Kyutai. Darüber hinaus erwarb Nvidia auch Anteile an Scintil Photonics, einem in Grenoble ansässigen Unternehmen, das auf optische Verbindungslösungen spezialisiert ist. Nvidia ist quer über alle Bereiche der Hochtechnologie weltweit an rund 250 jungen Firmen beteiligt. Nvidia konnte dank seiner KI-Chips, der sprudelnden Gewinne und der vollen Auftragsbücher ein engmaschiges Netz an Beteiligungen knüpfen, die selbst die milliardenschweren Einkaufstouren eines Konzerns wie Google während der Hochphase des Internets vor zwanzig Jahren in den Schatten stellen. Binnen vier Jahren hat der Konzern ein Beteiligungsportfolio von rund 50 Milliarden Dollar aufgebaut. Damit will das Unternehmen eine Vormacht in der KI-Branche weit über Chips hinaus aufbauen. Da große Übernahmen schnell an den Kartellbehörden scheitern können, zielt Nvidia auf mittelgroße Beteiligung.

Quelle: FAZ ›

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