Huthi-angriffe: Saudi-Arabiens jemenitische Falle
Saudi-Arabien sucht nach einem Ausweg aus dem Jemen-Konflikt. Aber weder ein Deal noch Eskalation sind derzeit gute Optionen.
Die Führung Saudi-Arabiens zeigt sich kämpferisch: „Niemand sollte unsere Widerstandskraft und unsere Entschlossenheit unterschätzen“, sagte Rayed Krimly, stellvertretender Minister für Öffentlichkeitsdiplomatie im Außenministerium kürzlich vor einer ausgewählten Runde Journalisten. Er sprach über die schmerzhaften Drohnen- und Raketenangriffe der jemenitischen Huthi-Rebellen, denen es immer wieder gelingt, die saudische Luftabwehr zu überwinden. Der Flughafen in der Hauptstadt Riad wurde hart getroffen und musste den Betrieb einstellen. Im Hauptquartier des staatlichen Ölkonzerns Aramco schlug es ebenso ein. Doch die Kampfansagen aus Riad können kaum darüber hinwegtäuschen, dass sich die Eskalation des Jemen-Konflikts zu einer ernsthaften Bewährungsprobe entwickelt hat. Einen guten Ausweg aus dem Konflikt scheint es für Saudi-Arabien, Führungsmacht einer Anti-Huthi-Allianz, nicht zu geben. Ein Deal mit den von Iran geförderten Huthi-Rebellen würde Riad derzeit eher schaden als nutzen. Die jemenitischen Extremisten haben sich auf Erpressung und Maximalforderungen verlegt. Sie fordern Geld und die Aufhebung der saudisch geführten Blockade gegen ihr nordjemenitisches Herrschaftsgebiet, das die Hauptstadt Sanaa einschließt. Und sie wollen die faktische Anerkennung ihres Machtanspruchs. Maßgebliche Zugeständnisse würden die Bedrohung durch die Rebellenbewegung auf längere Sicht zementieren, nicht mindern. Es würde außerdem das verheerende Signal aussenden, dass die arabische Führungsmacht Saudi-Arabien durch Attacken auf die zivile Infrastruktur erpressbar ist. Die Attacken treffen Saudi-Arabien an einem empfindlichen Punkt Bleibt die Option, den militärischen Druck zu erhöhen, um den Preis für die Huthi zu erhöhen – in der Hoffnung, dass sie irgendwann einlenken. Aber das ist eine risikobehaftete Strategie. Die jemenitischen Extremisten haben sich in vielen Jahren des Krieges als enorm widerstandsfähig, hartleibig und skrupellos erwiesen. Die von Riad angeführte Anti-Huthi-Operation „Jemens Morgenröte“ ist noch kein Test für die Schmerztoleranz der Rebellenbewegung. Aber deren Attacken treffen Saudi-Arabien an einem extrem empfindlichen, in letzter Konsequenz überlebenswichtigen Punkt: Sie erschüttern das Versprechen der Herrscher, dass Saudi-Arabien ein Hort der Stabilität und ein sicherer Standort für Zukunftstechnologien und Tourismus ist. Das wiederum schadet dem Reform-Großprojekt des Kronprinzen und faktischen Herrschers Muhammad Bin Salman, der sein Land unabhängig von den Öleinnahmen machen und auf diese Weise für die Zukunft rüsten will. Die Huthi-Angriffe untergraben auch die Autorität der Führung im Inneren, die der Bevölkerung Wohlstand und Sicherheit im Gegenzug für Gefolgschaft verspricht. Auf ausländische Hilfe kann Riad nur begrenzt setzen. Donald Trump zögert. Regionale Verbündete wie die Türkei und Pakistan engagieren sich trotz eines Verteidigungspaktes nur zurückhaltend. Mit den Vereinigten Arabischen Emiraten, eigentlich ein wichtiger Alliierter, hat sich das Königreich im Jemen-Konflikt entzweit. Dabei hat Riad mit einem recht: Die Huthi sind längst ein Problem für die gesamte Region, für die Weltwirtschaft und damit eine Bedrohung auch für Europa und die USA. Und sollte Saudi-Arabien die Widerstandskraft ausgehen, sollten seine volkswirtschaftlichen Umbauarbeiten in Schwierigkeiten geraten, profitieren jene, denen die Destabilisierung in die Karten spielt. Allen voran das iranische Regime.
Quelle: FAZ ›
Kommentare (0)
Noch keine Kommentare.