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In Frankfurt: Sanofi legt Grundstein für größte Insulinanlage Europas

Es handele sich um eine strategische Entscheidung, eine Investition in die europäische Produktion und in die Versorgungssicherheit des Kontinents, sagt Chefin Belén Garijo.

In Frankfurt: Sanofi legt Grundstein für größte Insulinanlage Europas

Die Grundsteinlegung von Sanofis neuer Produktionsanlage für Insulin war Belén Garijos erster Besuch in Frankfurt, seit sie vom Dax-Unternehmen Merck an die Spitze des französischen Pharmakonzerns Sanofi gewechselt ist. Entsprechend groß war ihre Freude am Montag, in ihre „alte Heimat“ zurückzukehren. Auch wird die Spanierin im Oktober noch häufiger kommen – es gibt viel vorzubereiten. Im Jahr 2032 soll die neue Anlage, die eine Fläche von fünf Fußballfeldern umfasst, ihren Betrieb aufnehmen und damit zur größten Insulinproduktion innerhalb der Europäischen Union werden. Neben Sanofi, das bereits seit 1923 in Frankfurt Insulin herstellt, betreibt nur das dänische Pharmaunternehmen Novo Nordisk eine Anlage in Europa. Das Investment von zwei Milliarden Euro, das Sanofi für den Bau aufwendet, haben die Stadt Frankfurt, das Land Hessen und der Bund mit insgesamt 400 Millionen Euro an Fördergeldern bezuschusst. Hessens Ministerpräsident Boris Rhein und Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef traten beim Spatenstich an der Seite von Belén Garijo auf. Fördermittel sind an Bedingungen geknüpft Die EU hatte die deutschen Subventionen unter der Prämisse freigegeben, dass Sanofi am Frankfurter Standort jährlich mindestens 1,1 Tonnen Insulin produziert und außerdem eine Tonne an Insulin für Krisenfälle in den nächsten zehn Jahren auf Vorrat hält. Im Falle eines Insulinengpasses verpflichtet sich Sanofi außerdem, den europäischen Markt vorrangig zu beliefern. Brüssel begründete die Entscheidung im September damit, die Versorgung mit menschlichem Insulin und sogenannten Insulinanaloga krisenfester zu machen, da Lieferengpässe nicht selten vorkommen. Ebenso nimmt die Abhängigkeit von Wirkstoffen, die in China und Indien gefertigt werden, stark zu. Während die Pharmaindustrie im Schnitt rund 80 Prozent ihrer Wirkstoffe aus Asien bezieht, betrage der Anteil bei Sanofi Garijo zufolge lediglich fünf Prozent. „Und das ist kein Zufall“, betonte die Sanofi-Chefin. „Es handelt sich um eine strategische Entscheidung, eine bewusste Investition in die europäische Produktion und in die Versorgungssicherheit in Europa.“ In ihrer Rede erinnerte Garijo an die Covid-19-Pandemie, die schmerzlich gezeigt habe, welche Folgen es habe, wenn lebenswichtige Medikamente knapp würden. „Für Menschen, die täglich Insulin benötigen, ist eine Unterbrechung der Versorgung keine bloße Unannehmlichkeit. Sie kann tatsächlich lebensbedrohlich sein“, so Garijo. Parallel zur Produktionsanlage in Frankfurt baut Sanofi auch eine Insulin-Fabrik in China auf, beide sollen künftig eng zusammenwirken. Laut der Weltgesundheitsorganisation werden weltweit mehr als 70 Millionen Menschen mit Insulin behandelt. Den Großteil davon bilden Patienten, die unter Diabetes Typ-1 leiden und lebenslang Insulin zuführen müssen. So ist ihre Bauchspeicheldrüse nicht mehr in der Lage, das Hormon selbst herzustellen und den Blutzucker zu regulieren. Der globale Markt für die Herstellung von Insulin ist dabei stark konzentriert. Neben dem französischen Konzern Sanofi, der eigenen Angaben zufolge rund ein Drittel des Marktes bedient, gehören Novo Nordisk und der US-Konzern Eli Lilly seit Jahrzehnten zu den größten Herstellern. Angesichts der hohen Nachfrage nach Abnehmspritzen, die mitunter Patienten mit Diabetes Typ-2 benötigen, verlagern Novo und Lilly allerdings zunehmend Produktionskapazitäten, die zuvor für Insulin vorgesehen waren, auf Abnehmmedikamente wie Wegovy und Zepbound. Sanofi-Chefin Garijo erklärt im Interview mit der F.A.Z., dass dies den Bedarf an Insulin noch zusätzlich erhöhe. „Dadurch brauchen wir mehr Kapazitäten.“ Zudem drängen Nachahmerpräparate aus Asien auf den Weltmarkt, wodurch Preise sinken dürften.

Quelle: FAZ ›

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