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Interview zur AfD: Warum nimmt sich die „Bild“-Chefin zurück?

Im Interview mit einem Fachdienst redet die „Bild“-Chefin Marion Horn Tacheles. Sie spricht über ihren Kollegen Paul Ronzheimer und über die AfD. Nun scheinen ihr die Aussagen zu dieser Partei peinlich zu sein. Warum?

Interview zur AfD: Warum nimmt sich die „Bild“-Chefin zurück?

Das war ein knackiges Interview von Marion Horn im Fachdienst „Kress Pro“ vor ein paar Tagen. Die „Bild“-Chefredakteurin sprach frei von der Leber weg. Sie erzählte, wie ihr Blatt Leser gewinnt, dass „Bild“ „first“ sein müsse – schneller als alle anderen mit relevanten Informationen –, die Stimmung in der Redaktion gut sei und sie vom Springer-Chef Mathias Döpfner „keinerlei Briefing“ erhalte. Erkennbar lästig waren Horn die Fragen, die ihr „Kress Pro“-Chefredakteur Markus Wiegand zu ihrem Stellvertreter Paul Ronzheimer und dessen Rolle zu Zeiten des früheren „Bild“-Chefs Julian Reichelt stellte. Sie lobte Ronzheimer, der seinen Stellvertreterposten gerade abgegeben hat, um sich mit seinem Podcast als eigenständige Marke für Springer zu profilieren, überschwänglich: Er sei „ein Star in Deutschland, nicht nur bei Axel Springer“, und: „Es gibt kein Fehlverhalten von ihm.“ „,Fuck AfD“. Das ist meine Haltung“ Bei der Frage, „wie viel“ Verantwortung „Bild“ für den Aufstieg der AfD trage, ging Horn aus sich heraus: „Der Versuch, die politische Verschiebung in Deutschland ,Bild‘ und anderen Medien in die Schuhe zu schieben“ sei „relativ durchsichtig“. Es gehe darum, „klar zu benennen, wo sich unsere Leser und deutsche Bürger von der Regierung schlecht bedient fühlen“. Dann wurde Horn persönlich: In ihrem Büro hänge ein Poster. „Da zieht so ein Sportflugzeug eine Werbung hinter sich her. Darauf steht: ,Fuck AfD‘. Das ist meine Haltung.“ Wolle sie, dass es „auch nur ein Foto“ von ihr „mit Frau Weidel gibt? Nein. Ist das unjournalistisch? Leider ja.“ Ist es wirklich „unjournalistisch“, mit seiner persönlichen politischen Haltung hinter dem Berg zu halten? Drückt die sich in Kommentaren nicht ohnehin aus? Marion Horn scheint sich nicht nur ihrer – derben – Wortwahl, sondern auch ihrer Rolle nicht so sicher zu sein. Jedenfalls macht sie auf Linkedin einen Rückzieher. Der Interviewer, behauptet sie, habe versucht, „Bild“ die „Schuld daran zu geben, dass die AfD so stark wächst“. Sie habe sich provozieren lassen und gesagt, sie sei persönlich – „als Bürgerin“ – „keine Freundin der AfD“, und das mit „diesem blöden Spruch, den die Antifa für sich gekapert hat“. Der Spruch sei dumm, es hänge auch „kein Poster in der Redaktion mit diesem Satz“. Sie sympathisiere nicht mit der AfD, nicht mit der Linken und wähle die Grünen nicht. Die Debatte über die Brandmauer und ein AfD-Verbot halte sie für falsch und habe „noch nie AfD-Wähler diskreditiert“. Das gelte es festzuhalten, da ihre „Gegner“ sie nun „am linksradikalen Ufer“ verorteten. Marion Horn linksradikal? Auf die Idee können nur AfDler kommen. Richtet sich die Selbstkorrektur inklusive Posterrückruf an deren Adresse? „In die Schuhe geschoben“ hat der „Kress Pro“-Chefredakteur Wiegand „Bild“ im Übrigen nichts. Er hat nur gefragt.

Quelle: FAZ ›

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