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Kunstmesse Art Basel: Sammler, kommst du nach Paris

Brennende Barrikaden statt Glamour für VIPs: Die Kunstmesse Art Basel in Paris sieht sich mit einem Umfeld der Gewalt konfrontiert. Ein weiteres Mal wird der globalisierte Kunsthandel von der Wirklichkeit eingeholt.

Kunstmesse Art Basel: Sammler, kommst du nach Paris

So haben sich das die vermögenden Sammler aus aller Welt, die von einem überragenden Angebot mehr oder weniger teuer zu erwerbender Werke in der laufenden Kunstwoche zur Art-Basel-Messe nach Paris gelockt wurden, nicht vorgestellt: Die Stadt der Lichter, der Mode, Hochkultur und des Luxus, in der es dem Klischee nach zwischen Haussmann-Kulissen herrlich wirklichkeitsfern zugeht wie in der Netflix-Serie „Emily in Paris“, hat sich in eine Stadt der brennenden Barrikaden und geplünderten Geschäfte verwandelt. Frankreich erschüttern Gewaltausbrüche, die in dieser Wucht niemand hat kommen sehen – schon gar nicht im Élysée-Palast. Einmal mehr holt den globalisierten Kunsthandel, der den Löwenanteil seines Umsatzes mit Trophäen für eine kleine Schicht sogenannter High oder Ultra High Net Worth Individuals macht – während die Masse der Galeristen und Händler mit den von ihnen vertretenen Künstler in der gehobenen Mittelklasse zu kämpfen haben –, die politische Wirklichkeit ein. Die Zeiten des demokratischen Wohlstandskonsenses im Westen und der stabilen Weltordnung allgemein, von denen auch das Hochpreisgeschäft profitierte, sind vorbei. Topsammler mögen Privatjet fliegen; auf einem anderen Planeten leben sie noch nicht. Wer redet da noch von Monet in den Auktionssälen? Aus den Schlagzeilen verschwunden ist die Ankündigung, dass am Donnerstag bei Sotheby’s in Paris ein bisher nie öffentlich gezeigtes Blumenbild von Claude Monet zum teuersten je in Frankreich versteigerten Werk des Impressionisten werden könnte. Weitere Gemälde des Künstlers kommen bei Christie’s aus der Sammlung des legendären Galeristen Paul Durand-Ruel zum Aufruf. Bieter werden sich schon einfinden, hoffentlich auch das eine oder andere Museum mit stattlichem Erwerbsetat, doch der Glamour schwindet im Rauch. Das Kunstmesseunternehmen Art Basel wiederum, das Paris seit 2022 mit einer inzwischen im Grand Palais stattfindenden Verkaufsveranstaltung für mehr als 200 internationale Aussteller beehrt, will von der Zugkraft der kulturell boomenden Metropole an der Seine profitieren. Seit dem Brexit für EU-Inländer attraktiver als London, dazu schicker als Berlin und mit einer wohlaustarierten Balance von berühmten staatlichen Museen, herausragenden Privatsammlungen, Galerien und Fashion sowie Schmuck de luxe en masse, bietet die Stadt alles, was das Herz Kunstkauffreudiger höherschlagen lässt. Das belebt nicht nur Megagalerien, sondern im Sog der Großattraktionen zahlreiche kleinere Galerien, wo kulturelle Aufbauarbeit um den Preis der Selbstausbeutung stattfindet. Die Art Basel in Paris könnte der Schweizer Muttermesse des Konzerns den Rang ablaufen, fürchtete man schon am Oberrhein und kann sich nun sagen: Wohl dem, der für die wichtigste Messe der Gegenwartskunst einen sicheren (Zollfrei-)Hafen hat. Die Zukunft der jüngsten Expansion der Art Basel ins Emirat Qatar, wo enorme Kulturinvestitionen Staatsräson sind, wird derweil vom anhaltenden Konflikt in der Region überschattet. In Paris aber geht es schon jetzt, drei Tage vor Eröffnung der dortigen Art Basel, um Schadensbegrenzung. VIP-Gäste haben vom Messedirektor Karim Crippa eine E-Mail mit der Versicherung erhalten, die Sicherheitsmaßnahmen seien erhöht worden. Alles also in bester Ordnung? Wohl kaum. Als Feindbild für gewaltbereite Randalierer, aber auch friedlich für bezahlbare Mieten und funktionierende Schulen Protestierende eignet sich das Pariser Glanzstück des Kunstmarkts allemal. In Paris reißt auf, was in ganz Europa spaltet.

Quelle: FAZ ›

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