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Neue EU-Strategie: Ein eigener Plan für die Arktis

Was in der Arktis klimatisch, wirtschaftlich und militärisch geschieht, ist von enormer Bedeutung für Europa - dieser Erkenntnis will die EU nun Taten folgen lassen. Heute will sie eine Strategie für die Region vorstellen. Von T. Spickhofen.

Neue EU-Strategie: Ein eigener Plan für die Arktis

Was in der Arktis klimatisch, wirtschaftlich und militärisch geschieht, ist von enormer Bedeutung für Europa - dieser Erkenntnis will die EU nun Taten folgen lassen. Heute will sie eine Strategie für die Region vorstellen. Von Thomas Spickhofen Der Hohe Norden und wenig Aufmerksamkeit: "Das ist vorbei", verspricht Bundeskanzler Friedrich Merz. Beim Arktis-Gipfel vor wenigen Wochen in Lappland spricht der deutsche Regierungschef vom "inzwischen kritischsten" Bereich Europas. Denn die Arktis ist inzwischen zum Schauplatz eines geopolitischen Kräftemessens geworden. Das Eis rund um den Nordpol schmilzt, und damit gewinnt die Region rapide an Bedeutung. Schon bald, nämlich im kommenden Jahrzehnt, werden die bereits vorhandenen Seewege besser nutzbar sein und neue Handelsrouten entstehen. Auch die Rohstoffe in der Arktis werden leichter zugänglich, zum Beispiel die vermuteten großen Vorkommen von Erdöl und Erdgas, auch metallische Stoffe wie Eisen, Kupfer und Nickel sind hier zu finden. Vor allem unter grönländischem Boden befinden sich so genannte Seltene Erden, die für Zukunftstechnologien und die europäische Energiewende wichtig sind. Was hier geschieht, erklärt der EU-Ratsvorsitzende Antonio Costa beim selben Gipfel, "das ist nicht nur eine regionale Angelegenheit, sondern eine für ganz Europa". Die militärische Bedeutung Die Region gewinnt aber nicht nur wirtschaftlich, sondern auch militärisch an Bedeutung. Die USA wollen, inzwischen in Absprache mit Dänemark, ihre Präsenz auf Grönland ausbauen. Russland nimmt alte sowjetische Militäranlagen in der Arktis wieder in Betrieb. Die russische Aggression spiele sich nicht nur in der Ukraine ab, sondern auch in der Arktis, sagt der deutsche Kanzler: "Diese Region ist ein geopolitischer Hotspot geworden. Russland baut hier militärische Kapazitäten auf, und es nutzt seine Präsenz für hybride Aktivitäten - jeden Tag." Und auch für die digitale Zukunft des alten Kontinents kann die Arktis eine wichtige Rolle spielen. 90 Prozent des Datenverkehrs zwischen Europa und Asien gehen im Moment über Kabel im Roten Meer. "Das ist fehleranfällig und wenig redundant", erklärt Annegret Bendiek von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Deshalb sei es naheliegend, Alternativen in die Arktis zu legen. "Damit würde man die Latenzzeit im Datentransfer verringern, was eine große Bedeutung beispielsweise für den Börsenhandel hat. Und mit einer neuen Infrastruktur im hohen Norden könnte man Ziele der Nachhaltigkeit, der Infrastruktur und der Sicherheit auch im europäischen Interesse ermöglichen." Das könnte also auch ein Vorbild für ein partnerschaftliches Vorgehen sein in Zeiten, in denen internationale Zusammenarbeit schwer unter Druck steht, findet Bendiek. "Die EU spielt natürlich bei transarktischen Kabelverbindungen eine immer wichtigere Rolle, insbesondere weil sie eben diese verschiedenen Zielsetzungen von Forschung über Infrastrukturausgleich, Sicherheitspolitik bis hin zu Klimaschutz miteinander verbinden und dies eben auch finanziell untermauern kann." Sorge um das Klima Neben den Möglichkeiten einer Stärkung europäischer Interessen und europäischen Einflusses sieht die Wissenschaftlerin die Chance einer Arktis-Strategie der EU aber vor allem darin, mit Blick auf Veränderungen des Golfstroms und damit einhergehender klimatischer Herausforderungen für "Stabilität in der Arktis zu sorgen". Das gelte für alle Staaten der nördlichen Hemisphäre. "Das Risiko eines Kollapses des Golfstromsystems ist mittlerweile so akut", warnt Bendiek, "dass Island es offiziell sogar als Bedrohung der nationalen Sicherheit eingestuft hat". Eine bessere digitale Infrastruktur in der Arktis ermögliche eben auch "eine stärkere Frühwarnmöglichkeit für alle Anrainerstaaten", erklärt Bendiek, und das helfe im Kern eben auch Europa. "Europes northern neighbourhood", zu deutsch "Europas nördliche Nachbarschaft", nennt die EU ihre Arktis-Strategie. Vor fünf Jahren hat sich die EU mit einem 20-Seiten-Papier schon einmal eine erste Art Arktis-Strategie gegeben. Da ging es vor allem um wirtschaftliche und klimapolitische Aspekte, um Forschung und Erschließung. Diese Strategie ist nun angesichts der sich rapide wandelnden geopolitischen Lage überarbeitet worden.

Quelle: tagesschau ›

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