OpenAI: Ermittler prüfen Saudi-Verbindungen nach Abhörvorwurf
Ein ehemaliger OpenAI-Ingenieur soll vertrauliche Gespräche mit einem versteckten Aufnahmegerät mitgeschnitten haben. US-Ermittler verdächtigen ihn, Verbindungen zur saudischen Königsfamilie zu haben.
Ein Mann, der als Abdulrahman Alfozan identifiziert wurde, schaut hinter einen Fernseher bei OpenAI, wo ein Aufnahmegerät platziert worden war
Ein ehemaliger Ingenieur des KI-Unternehmens OpenAI soll ein Aufnahmegerät in einem Konferenzraum installiert haben, um vertrauliche Gespräche mitzuhören. US-Staatsanwälte vermuten zudem, dass der 35-jährige Abdulrahman Alfozan Verbindungen zur saudischen Führung hat. Sie fordern, den Beschuldigten bis zum Prozess in Haft zu behalten.
Laut einem Gerichtsdokument soll Alfozan regelmäßig mit einem nicht näher bezeichneten Mitglied der saudischen Königsfamilie kommuniziert haben. Außerdem soll ein saudischer Militärvertreter nach seiner Festnahme ein Einwegticket für Alfozans Frau und den gemeinsamen Sohn nach Saudi-Arabien bezahlt haben. Die Staatsanwaltschaft sieht den Beschuldigten deshalb als fluchtgefährdet an.
Alfozan wurde vergangene Woche angeklagt, Gespräche mithilfe eines elektronischen Geräts unbefugt abgefangen zu haben. Laut den Ermittlern brachte er das Aufnahmegerät an der Rückseite eines Fernsehers in einem Konferenzraum des OpenAI-Gebäudes in San Francisco an. In diesem Raum sollen vertrauliche Treffen mit Führungskräften des Unternehmens, Geschäftspartnern und Regierungsvertretern stattgefunden haben.
OpenAI hatte das Gerät am 30. September entdeckt und den Fall dem FBI gemeldet. Die Ermittlungen dauern an. Laut Staatsanwaltschaft könnten weitere Anklagepunkte hinzukommen.
Alfozans Anwalt William Pernik hatte zuvor beantragt, seinen Mandanten unter Auflagen freizulassen. Dieser lebt seit 15 Jahren in den USA und hat die US-Staatsbürgerschaft beantragt. Eine geplante Reise nach Saudi-Arabien sei bereits vor Beginn der Ermittlungen gebucht worden und habe familiären sowie aufenthaltsrechtlichen Gründen gedient, so der Anwalt.
Alfozan selbst hatte im vergangenen Monat in einem Podcast über seine Verbindungen nach Saudi-Arabien gesprochen. Er besuche das Land drei- bis viermal im Jahr und berate dort Start-ups. Ein Treffen mit dem damaligen stellvertretenden Kronprinzen Mohammed bin Salman im Jahr 2016 habe ihn motiviert, zunächst bei einem führenden Technologieunternehmen Erfahrungen zu sammeln, um dieses Wissen später in seine Heimat zurückzubringen.
Ob Alfozan tatsächlich im Auftrag saudischer Stellen gehandelt hat, ist bislang nicht gerichtlich geklärt. Die saudische Regierung äußerte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Quelle: Spiegel ›
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