Orforglipron: Ema empfiehlt Zulassung für neue Abnehmtablette
Die Europäische Arzneimittelagentur befürwortet die Zulassung einer neuen Pille zur Gewichtsreduktion. Sie unterscheidet sich in einem wichtigen Punkt von bisherigen Präparaten. Was über Nutzen und Risiken bekannt ist.
Packung Foundayo mit Wirkstoff Orforglipron: Schlucken statt spritzen
Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde.
2,5 Milliarden Menschen weltweit gelten als übergewichtig, das Risiko für ernsthafte Erkrankungen wie Infarkte, Krebs oder Diabetes ist bei ihnen erhöht. Seit einigen Jahren sind neuartige Medikamente verfügbar, die beim Abnehmen helfen können: sogenannte GLP-1-Agonisten. Das Mittel Ozempic, das in diese Kategorie gehört, hatte weltweit einen Hype ausgelöst. (Mehr dazu lesen Sie hier.)
Die Europäische Arzneimittelagentur hat sich nun für die Zulassung eines weiteren Medikaments aus dieser Arzneiklasse ausgesprochen. Das Mittel, das etwa in den USA bereits unter dem Namen Foundayo erhältlich ist, basiert auf dem Wirkstoff Orforglipron und wird einmal täglich als Tablette eingenommen. Anders als Abnehmspritzen wird es also nicht injiziert, sondern geschluckt. In Studien verloren Probanden mit dem Medikament zwischen fünf und elf Prozent ihres Körpergewichts.
Vorgesehen ist das Medikament des Arzneimittelkonzerns Eli Lilly laut Ema-Empfehlung für die Behandlung von Menschen mit Übergewicht beziehungsweise Adipositas sowie zur Therapie von Typ-2-Diabetes – als Ergänzung zu einer gesunden Ernährung und Sport. Bei Übergewicht können Ärzte das Medikament ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 30 verordnen beziehungsweise ab einem BMI von 27, wenn gewichtsbedingte Erkrankungen vorliegen. Wie bei Abnehmspritzen wird die Dosis bei den Tabletten allmählich gesteigert.
Wann die neue Abnehmpille in Deutschland verfügbar sein wird, ist noch nicht bekannt. Die EU-Kommission muss die Zulassung noch beschließen, das gilt jedoch als Formsache.
Wie andere GLP-1-Agonisten auch ist Orforglipron verschreibungspflichtig. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten in der Regel nicht. Wie teuer das Präparat hierzulande sein wird, ist noch nicht bekannt. Für vergleichbare Medikamente zahlen Nutzer je nach Dosierung einige Hundert Euro im Monat.
Orforglipron ahmt die Wirkung eines natürlichen Hormons nach, das an der Regulierung des Appetits und des Blutzuckerspiegels beteiligt ist. Menschen, die den Wirkstoff einnehmen, sind dadurch länger satt. Zudem regt das Medikament die Bauchspeicheldrüse dazu an, bei hohen Blutzuckerwerten mehr Insulin freizusetzen, heißt es in einer Mitteilung der Ema vom Freitag.
Anfangs gab es GLP-1-Agonisten zur Gewichtsreduktion vorwiegend in Form sogenannter Abnehmspritzen, seit einiger Zeit sind auch Tabletten verfügbar. In Deutschland ist die Abnehmpille Wegovy bereits auf dem Markt, die denselben Wirkstoff enthält wie die gleichnamige Abnehmspritze.
Anders als der Wirkstoff in bisherigen Abnehmpillen ist Orforglipron ein kleines, nicht peptidisches Molekül, das eine gute Bioverfügbarkeit hat – also leicht vom Körper aufgenommen werden kann. Dadurch kann Orforglipron zu jeder Tageszeit eingenommen werden – mit oder ohne Essen. (Für die Abnehmpille Wegovy gelten bestimmte Vorgaben bei der Einnahme, mehr dazu lesen Sie hier.)
Die möglichen Nebenwirkungen von Orforglipron sind vergleichbar mit denen von Abnehmspritzen und anderen Abnehmtabletten und betreffen vorwiegend den Magen-Darm-Trakt. Laut Ema klagten Probanden am häufigsten über Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Die Beschwerden traten demnach häufiger auf, wenn die Dosis gesteigert wurde, und ließen mit der Zeit häufig nach.
Wer Abnehmmedikamente nimmt, verliert häufig unbeabsichtigt Muskelmasse. Hier lesen Sie, wie die richtige Ernährung dem Muskelschwund entgegenwirken kann.
Quelle: Spiegel ›
Kommentare (0)
Noch keine Kommentare.