Sabah FK - der bunte Novize vom Kaspischen Meer
Borussia Dortmund bestreitet bereits sein drittes Europapokalspiel in Baku. Mit Sabah FK wartet in der Champions League ein besonders facettenreicher Gegner.
Borussia Dortmund bestreitet bereits sein drittes Europapokalspiel in Baku. Mit Sabah FK wartet in der Champions League ein besonders facettenreicher Gegner. Von Frank Hellmann Es ist jetzt nicht so, dass die BVB-Allesfahrer in ganz neue Gefilde reisen, nur weil Champions-League-Neuling Sabah FK (Dienstag 18.45 Uhr hier im Audio-Livestream und im Ticker) als Gegner wartet. Auch dieser Emporkömmling aus Aserbaidschan, einem rohstoffreichen Land am Kaspischen Meer, trägt seine Heimspiele in der Hauptstadt Baku aus. Dort haben die Schwarz-Gelben schon zweimal gastiert: Im Oktober 2015 gegen Qäbälä FK (3:1), als Pierre-Emerick Aubameyang in der Europa-League-Gruppenphase einen Dreierpack schnürte. Und im August 2010 gegen Qarabag Agdam (1:0), als in den Europa-League-Playoffs noch Jürgen Klopp als Coach das Kommando führte. Ein weiteres Erfolgserlebnis wäre für das Ensemble von Trainer Niko Kovac nach der Pleite bei Bodö/Glimt (0:1) am zweiten Spieltag auch an diesem Dienstag ganz gut. Baku hat schon ein Finale ausgerichtet Seitdem hat sich viel getan. Auch in Baku, wo der Fußball gerne für die Imagepolitur genutzt wird. So gehörte die Metropole mit ihren 2,3 Millionen Einwohnern zu den Spielorten der quer über Europa verteilten und wegen der Corona-Krise auf den Sommer 2021 verschobenen EM-Endrunde. Zudem hatte die Europäische Fußball-Union (UEFA) einmal die fixe Idee, das Europa-League-Finale 2019 zwischen dem FC Chelsea und FC Arsenal (4:1) in die Stadt zu vergeben, dessen Strandpromenade mit einer futuristischen Kulisse aufwartet. Geprägt von den drei Flammentürmen als Wahrzeichen. Eintracht Frankfurt hat sich blamiert Unweit davon sind in der Vorsaison am vorletzten Champions-League-Spieltag alle Hoffnungen von Eintracht Frankfurt aufs Weiterkommen erloschen. Die Hessen blamierten sich gegen Qarabaq Agdam (2:3) Ende Januar bei unwirtlichen Bedingungen im Tofiq-Bahramov-Stadion. Eine altertümlich anmutende, windanfällige Spielstätte, die nach jenem Linienrichter benannt ist, der beim berühmten Wembley-Tor 1966 gegen Deutschland so zielsicher zur Mitte zeigte. Der BVB hat es jetzt ein bisschen besser, denn das vollüberdachte, außerhalb der Innenstadt an großen Autobahnzubringern errichtete Olympiastadion mit all seinem Komfort dient als Schauplatz. Zudem herrschen dort gerade angenehme, fast spätsommerliche Temperaturen. Gehofft wird, dass noch mehr als jene 29.670 Zuschauer kommen, die in der Vorwoche den Heimsieg gegen Slavia Prag (2:0) bejubelten – und damit die ersten Punkte in der Königsklasse überhaupt. Beim Auftakt erwies sich Manchester United (0:4) erwartungsgemäß als eine Nummer zu groß. Der Klub besteht keine zehn Jahre Aber überhaupt in Old Trafford anzutreten war für den Außenseiter aus der einstigen Sowjetrepublik eine Riesennummer. Aber wie gelang es, die Dominanz von Qarabag Agdam zu durchbrechen? Dahinter stecken Geld – und Kalkül. Der erst 2017 gegründete Klub aus Masazir bei Baku verdankt seinen rasanten Aufstieg der Bridge Group of Companies. Das Unternehmen ist seit 1998 in Aserbaidschan tätig und deckt Bauwesen, Immobilienmanagement, Handel, Landwirtschaft und Logistik ab. Yagub Huseynov, Leiter der Bridge Group of Companies, gilt als Gründer. Der Verein setzte früh auf eine datenbasierte Transferstrategie. Den entscheidenden sportlichen Impuls gab der Trainer Valdas Dambrauskas, der seine Trainerausbildung in England einst mit der Teilnahme an der litauischen Version von "Wer wird Millionär?" finanzierte. Der listige Litauer, zudem passionierter Schnellschach-Spieler, führte die Mannschaft auf Anhieb in der vergangenen Saison zum Double. Sein Leitsatz: "Für mich ist es am wichtigsten, dass wir ohne Angst vor Fehlern spielen, mit Überzeugung und großem Einsatz. Für mich ist das beste Ergebnis ein 4:3." Für Kollege Kovac gilt das eher nicht. Die Stützen kommen aus Guadeloupe oder Jamaika Sein Ensemble ist bestückt mit Spielern aus verschiedenen Ländern, die nach einem klaren Plan ausgesucht und eingesetzt werden. Die Herkunft spielt keine Rolle: Torwart Stas Pokatilov kam aus Kasachstan, die Innenverteidiger Steve Solvet und Aden McCarthy stammen aus Guadeloupe und Südafrika, die Flügelspieler Kaheem Parris und Veljko Simic aus Jamaika und Serbien. Eine bunte Mischung, in die auch Joy-Lance Mickels mit seiner Vita bestens passte. Vor ein paar Jahren noch wäre der in Siegburg geborene Mittelstürmer fast bei der Feuerwehr gelandet, jetzt spielt er in der Champions League gegen Borussia Dortmund. "Ich muss mich manchmal selber zwicken, schließlich spiele ich in einem kleinen Land wie Aserbaidschan", sagt der Torjäger. Aufgewachsen in Schwalmtal am Niederrhein und ausgebildet bei Borussia Mönchengladbach, ist der 32-Jährige ein Spätstarter. Die besondere Geschichte des Mittelstürmers Weder in Gladbach noch bei Schalke 04 schaffte er den Durchbruch, auch nicht bei Alemannia Aachen oder Carl Zeiss Jena. Als Wacker Nordhausen 2019 Insolvenz anmeldete, kam sogar der Gedanke auf, zur Feuerwehr zu gehen. Doch letztlich wechselte er noch mal nach Aserbaidschan - auch wenn er dort zunächst schnell wieder weg wollte. Vor dem ersten Training habe er "vor unserem Stadion Kühe über die Straße laufen sehen und gedacht: Wo bin ich hier gelandet?" Inzwischen aber habe er sich in die Hauptstadt Baku geradezu verliebt. Und natürlich auch in seinen Klub Sabah. Er wurde Torschützenkönig der Liga und Nationalspieler Ruandas - letzteres gemeinsam mit Zwillingsbruder Joy-Slayd und dem jüngeren Bruder Leroy-Jacques. Gegen Prag schoss er vergangenen Dienstag (13.10.2026) sogar sein erstes Tor in der Königsklasse. "Ich versuche, ein gutes Spiel zu machen. Ich weiß auch, dass Borussia Dortmund sehr stark ist. Das sind alles Gegner, die ich sonst nur auf dem iPad sehe. Ich kann es kaum erwarten", sagt Mickels.
Quelle: tagesschau ›
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