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Satelliten-Mobilfunk: Telekom fordert Starlink heraus

Europäische Provider planen, ein eigenes Satelliten-Kommunikationsnetz aufzubauen, über ein neues Konsortium. Damit will man Funklöcher schließen, aber auch einen Angriff von Elon Musk abwehren.

Satelliten-Mobilfunk: Telekom fordert Starlink heraus

Telekom-Auftritt beim Mobile World Congress: Zusammenarbeit mit Starlink für 2028 geplant

Mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung planen europäische Provider, ein eigenes Kommunikationsnetz auf Basis von Satelliten aufzubauen. Wie die Deutsche Telekom am Montag mitteilte, will sie sich zusammen mit Vodafone, Telefónica und Orange um Funkfrequenzen bewerben, die direkte Mobilfunkverbindungen ins All ermöglichen.

Die betreffenden Frequenzen sollen im kommenden Jahr von der Europäischen Union vergeben werden und ab 2029 zur Verfügung stehen. Zwar wird schon geraume Zeit über entsprechende Pläne der Mobilfunkprovider spekuliert, durch eine Entwicklung in den USA hat das Vorhaben aber neue Dringlichkeit bekommen. Vor Kurzem hatte Elon Musks Konzern SpaceX den ‌Kauf eines landesweiten Portfolios an Mobilfunkfrequenzen vereinbart, um Mobilfunkdienste direkt an Endkunden verkaufen zu können. Die Ankündigung hatte bei den amerikanischen Mobilfunkprovidern, dazu zählt auch die Telekom-Tochter T-Mobile, Kursverluste zur Folge.

Bisher wurden Satellitendienste von Mobilfunkprovidern lediglich als Ergänzung zu klassischen Mobilfunknetzen verstanden. Etwa um in abgelegenen Gebieten Notrufe zu ermöglichen oder Abdeckungslücken im herkömmlichen Funknetz zu schließen. Auch die Telekom hatte im März ein entsprechendes Angebot auf Grundlage von Starlinks Satellitennetz angekündigt , bei dem Endgeräte direkt mit Satelliten kommunizieren können. Die meisten Smartphones haben die dafür notwendige Direct-to-Device-Technik (D2D) bislang nicht integriert, in den kommenden Jahren dürfte sie aber im Massenmarkt ankommen.

Als Elon Musk jedoch immer größeres Interesse zeigte, den Kooperationspartnern direkte Konkurrenz zu machen, verschärfte sich der Ton. So zeigte sich Telekom-Chef Tim Höttges im August noch demonstrativ sicher, dass Satellitenkommunikation normale Funktürme nicht ersetzen könne. Der Umweg über den Orbit hat erhebliche Nachteile: Da das Signal weit größere Entfernungen zurücklegen muss, wird es auf dem Weg deutlich schwächer. Daher kann nicht sichergestellt werden, dass der Empfang auch in geschlossenen Gebäuden funktioniert.

Tatsächlich hat SpaceX bereits im Sommer Pläne für eine Art Hybridnetz vorgestellt. Dabei könnten die von Starlink an die Kunden vertriebenen Satellitenempfänger wie Minifunktürme fungieren, um die Nachbarschaft zu versorgen. Was das kosten würde und welche Abdeckung mit einer solchen Infrastruktur zu erreichen wäre, ist noch unklar.

Die europäischen Provider hingegen wollen ihre bisherige Infrastruktur weiterhin in den Mittelpunkt stellen. Sie würden Satellitentechnik einsetzen wollen, um eine flächendeckende Versorgung in ansonsten unterversorgten Gebieten zu erreichen, die Resilienz mobiler Netze zu stärken, kritische Kommunikation zu schützen und die Entwicklung einer europäischen Satellitenkonstellation zu unterstützen, hieß es von den beteiligten Unternehmen.

Ein Grund für die Satelliteninitiative ist die für 2028 angekündigte Abschaltung des 2G-Netzes. Zwar konnte die Technik große Gebiete abdecken, erreichte aber nur geringe Datenübertragungsraten. Wenn die Technik abgeschaltet wird, öffnet dies neue Funklöcher in Deutschland. Bei der Deutschen Telekom waren das im Juni laut Bundesnetzagentur 1,2 Prozent der Fläche Deutschlands, bei Vodafone 1,7 Prozent und bei O2 Telefónica 1,6 Prozent. In solchen Gegenden könnten Handynutzer künftig über Satelliten an die Kommunikationsnetze angebunden werden.

Die europäischen Mobilfunkprovider wollen die Infrastruktur am Boden selbst bereitstellen. Wer den Betrieb der Satelliten übernehmen soll, ist unklar. Dass es Starlink sein wird, erscheint derzeit unwahrscheinlich. Gleichwohl bedeutet die Ankündigung nicht, dass die Telekom ihre Starlink-Pläne fallen lässt. Das gemeinsame Gebot ersetze keine bestehenden Satellitenpartnerschaften, betont der Konzern.

Die europäischen Provider können sich gute Chancen ausmalen, bei der anstehenden Frequenzvergabe berücksichtigt zu werden. Die Europäische Kommission hatte schon im Mai angekündigt, dass nicht mehr nur US-Anbieter Zugriff auf entsprechende Frequenzen haben sollten. Die US-Regierung hat bereits Widerstand gegen die Pläne angekündigt.

Wie die »Financial Times« am Wochenende berichtete, hat der US-Botschafter für die EU, Andrew Puzder, bereits mit Vergeltungsmaßnahmen gedroht, falls US-Anbieter Zugänge verlieren. SpaceX warnte zudem davor, die Pläne könnten die Internetversorgung der Ukraine beeinträchtigen. Dort wird Starlink insbesondere für militärische Kommunikation eingesetzt.

Quelle: Spiegel ›

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