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Streit mit Selenskyj: Wird Trumps Torheit wieder Normalmaß annehmen?

Der Präsident braucht vor den Kongresswahlen einen Schuldigen für die hohen Spritpreise. Doch auch danach werden die Zeiten für die Ukrainer und die anderen Europäer kaum leichter werden.

Streit mit Selenskyj: Wird Trumps Torheit wieder Normalmaß annehmen?

Man weiß nicht, was Schröder seinem Busenfreund Putin zum Geburtstag geschenkt hat, als er ihm seine Aufwartung machte. Aber es kann unmöglich größer gewesen sein als die Liebesgaben, die Trump dem geschätzten Kollegen in Moskau zukommen lässt. Der amerikanische Präsident setzt nicht nur die Sanktionen aus, die den russischen Öl- und Gasexport empfindlich getroffen hätten, mit denen Putin seinen Krieg in der Ukraine finanziert. Gleichzeitig schwächen die Amerikaner massiv die Abwehrkraft der Ukrainer durch den zumindest temporären Entzug der Satellitenaufklärung und die Reduzierung des Zugriffs auf das Netzwerk Starshield. Kurz gesagt: Trump stärkt den Aggressor und lässt den Überfallenen im Stich. Für Trump ist Selenskyj der Bösewicht Das macht er nicht zum ersten Mal, doch so nah wie jetzt kam er einem vollständigen Seitenwechsel noch nie. Zwar kann nicht einmal Trump glauben, dass er die Ukraine noch vor den Kongresswahlen zur Kapitulation zwingen kann. Doch mit seinen Beschlüssen stützt Trump seine abenteuerliche Behauptung, wer schuld sei an den hohen Spritpreisen, die den Republikanern den Wahltag zu verhageln drohen: nicht etwa er selbst, der den törichten Krieg gegen Iran begonnen hat, oder gar der Wohltäter Putin, der den armen Amerikanern jetzt Diesel liefert, sondern Selenskyj, der es wagt, russische Raffinerien anzugreifen, um die Versorgung der russischen Invasionsarmee und das Auffüllen ihrer Kriegskasse zu erschweren. Wird Trumps strategische Torheit nach dem Wahltag wenigstens wieder auf das bei ihm übliche Maß zurückgehen? Darauf kann man nicht bauen. Putin lockt ihn immer noch mit dem ganz großen Geschäft. Zudem bietet der Kreml dem Weißen Haus Vermittlerdienste im Krieg am Golf an, der Trump tausendmal mehr schmerzt als der russische Angriffskrieg in Europa. Auf die Ukrainer drohen daher noch schwerere Zeiten zuzukommen. Und damit auch auf die Europäer, die westlich von ihnen leben. Fällt die Ukraine in Putins Hand, dann wird er sich mit ihr so wenig zufriedengeben, wie Hitler das Sudetenland und die „Resttschechei“ genügten.

Quelle: FAZ ›

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