Nachrichten aus Deutschland und der Welt RSS Ruhiger Modus: an
DE EN
deublitz.de
Aktuell
International

US-Midterms: Wie Preise die Zwischenwahlen beeinflussen könnten

Inflation, Lebenshaltungskosten, Treibstoffpreise: Viele Amerikaner machen Präsident Trump für die hohen Preise verantwortlich. Für die Republikaner könnte das vor den Midterms zum Problem werden. Von Carsten Kühntopp.

US-Midterms: Wie Preise die Zwischenwahlen beeinflussen könnten

Inflation, Lebenshaltungskosten, Treibstoffpreise: Viele Amerikaner machen Präsident Trump für die hohen Preise verantwortlich. Für die Republikaner könnte das vor den Midterms zum Problem werden. Von Carsten Kühntopp Herbstlich kühl, aber sonnig ist es an diesem Morgen. Joe Losier geht von Tür zu Tür und klopft. Wenn er Glück hat, öffnet jemand. Losier, ein kräftiger Mann in den Fünfzigern, arbeitet in einer Autofabrik. Er ist bei der Gewerkschaft United Auto Workers, kurz UAW. Zusammen mit drei Kollegen ist er in einem Vorort von Detroit unterwegs. Kleine, aber gepflegte Einfamilienhäuser - klassischer Mittelstand. An der Tür werben Losier und seine Mitstreiter für die Kandidatinnen und Kandidaten, die ihre Gewerkschaft bei den Wahlen im November unterstützen. Die meisten davon sind Demokraten. Die Gewerkschafter klopfen nur bei Mitgliedern der UAW. In Michigan geht jede Wahl eng aus, da zählt jede Stimme. Jetzt kommt es aufs Mobilisieren an. Was die Wähler bewegt, hört Losier immer wieder: Kosten und Bezahlbarkeit - vor allem darum gehe es den Leuten. "Einige sorgen sich auch um das Gesundheitswesen. Oder um ihre Rente. Oder sie haben Angst um ihren Arbeitsplatz." Das komme auf die Bevölkerungsgruppe an. Losier: Viele geben Trump die Schuld Hart arbeiten, eine Familie gründen, ein Haus kaufen und dann angenehm leben - das ist immer schwerer zu erreichen. Trumps Zölle haben an der Kostenspirale gedreht, wie es auch der Krieg gegen den Iran tat. Auch deswegen dürften die Zwischenwahlen zu einem Urteil über den Präsidenten werden, sagt Losier, mehr noch, als das bei Zwischenwahlen ohnehin üblich ist. Wenn er nachfrage, wer denn Schuld an der Lage habe, antworteten die meisten: "Das ist Trump! Er ist für die ungerechtfertigten Kriege, den Benzinpreis, die Inflation und die hohen Staatsschulden verantwortlich." Trump schiebt Verantwortung anderen zu Doch Trump und andere Mitglieder seiner Regierung sind nicht dafür bekannt, Verantwortung zu übernehmen, wenn etwas nicht gut läuft. Obwohl sein Wahlsieg fast zwei Jahre her ist, versucht Trump noch immer, alles seinem Vorgänger Joe Biden in die Schuhe zu schieben. Selbst Barack Obama, seit bald zehn Jahren nicht mehr im Amt, muss regelmäßig als Sündenbock herhalten. Biden und Obama hätten das Land in eine so katastrophale Lage geführt, dass es kaum möglich sei, in nur zwei Jahren wieder alles auf Vordermann zu bringen, sagt Trump. Auf Wahlkampfveranstaltungen führt er aus, dass die Inflationsrate unter Biden so hoch wie noch nie in der Geschichte des Landes gewesen sei. Derzeit liege sie hingegen nur noch bei 1,7 oder 1,8 Prozent. Beides ist falsch, und die Fakten schmeicheln Trump nicht: Am letzten Tag der Amtszeit von Biden betrug die Inflationsrate 3,0 Prozent, jetzt liegt sie bei 3,7 Prozent. Stabile Wirtschaftslage vor Amtsübernahme Derzeit zeigen alle Meinungsumfragen: Die Zustimmung zu Präsident Trump und seiner Amtsführung ist auf einem historisch niedrigen Niveau. Dabei befand sich die US-Wirtschaft zum Zeitpunkt von Trumps Amtsantritt in einem guten Zustand. Sie war so stark aus der COVID-Zeit herausgekommen wie wohl keine andere westliche Volkswirtschaft. Wenige Tage vor der Präsidentschaftswahl 2024 schrieb Greg Ip, Wirtschafts-Chefkommentator beim konservativen Wall Street Journal: "Der nächste Präsident übernimmt eine bemerkenswerte Wirtschaftslage." Die "hohe Qualität" des jüngsten Wirtschaftswachstums werde dem nächsten Bewohner des Weißen Hauses "Rückenwind" verleihen. Trump hätte die Dinge also einfach so weiterlaufen lassen können, um nach einem halben Jahr frech zu behaupten, seine Politik habe pralle Früchte getragen. Kaum jemand hätte da widersprochen. Stattdessen ging Trump zwei Schritte, die die Rahmenbedingungen für die US-Wirtschaft verschlechterten und einen Preisschub für die Verbraucher auslösten: Im April 2025 belegte er praktisch den gesamten Rest der Welt mit Zöllen. Und im Februar dieses Jahres startete er zusammen mit Israel einen Angriffskrieg gegen den Iran. Das führte unter anderem zur Schließung der Straße von Hormus und löste damit eine weltweite Energiekrise aus. KI-Entwicklung schiebt Wirtschaft an Trotzdem schlägt sich die US-Wirtschaft weiterhin recht tapfer. Inflationsbereinigt und auf ein Jahr hochgerechnet betrug das Wachstum im zweiten Quartal 2,2 Prozent. Ökonomen sprechen allerdings von einer "k-shaped economy", einer Konjunkturentwicklung, die dem Buchstaben K gleicht: Ein Pfeil weist nach oben, der andere nach unten. Alles, was auch nur entfernt mit dem Ausbau der Künstlichen Intelligenz und dem Errichten von Rechenzentren zu tun hat, schiebt das Wachstum mächtig an. Genauso wie die Tatsache, dass Gutverdienende - die Profiteure der Steuersenkungen, die Trump fortgeschrieben hat - auch weiterhin mit Enthusiasmus konsumieren. Doch die anderen Teile der Wirtschaft schwächeln. Preise beim Tanken als Marker An Zapfsäulen kostet eine Gallone Normalbenzin derzeit im Landesschnitt etwa 4,30 Dollar, umgerechnet 1,01 Euro pro Liter. Am Tag vor dem Beginn des Irankriegs waren es 2,98 Dollar pro Gallone. Und noch teurer ist Dieselkraftstoff: Vor einem Jahr lag der Preis pro Gallone bei etwa 3,63 Dollar, jetzt beträgt er rund 6,32 Dollar. Nicht nur, dass ein hoher Kraftstoffpreis stets weitere Preissteigerungen nach sich zieht, beispielsweise bei Lebensmitteln. Für die Amerikaner hat der Benzinpreis außerdem eine große Symbolkraft. Wie an keinem anderen Marker machen sie an ihm fest, wie gut oder schlecht es ihnen gerade persönlich geht. Deshalb hat Trump auch bei der Wirtschaftspolitik das Vertrauen der Mehrheit der Bürger verloren. Ein Problem für die Republikaner Den Verbrauchern hatte Trump sinkende Preise versprochen - stattdessen löste er neue Preissteigerungen aus. Und das zu einem Zeitpunkt, wo die Amerikaner die hohen Inflationsraten der COVID-Zeit gerade hinter sich gelassen hatten. Bei den Zwischenwahlen stehen Trump und seine Republikaner also vor einem Dilemma: Alles in allem läuft die Wirtsc…

Quelle: tagesschau ›

Kommentare (0)

Noch keine Kommentare.

Kommentare werden vor der Veröffentlichung geprüft.
US-Regulierungsbehörden zertifizieren Boeing 737 Max 10 nach jahrelanger Verzögerung
International

US-Regulierungsbehörden zertifizieren Boeing 737 Max 10 nach jahrelanger Verzögerung

Die US Federal Aviation Administration hat die endgültige Genehmigung für den 737-10, das größte Modell in Boeings meistverkaufter Max-Familie, erteilt. Die Zertifizierung erfolgt mehr als fünf Jahre nach dem Jungfernflug des Narrowbody-Jets und ist ein wichtiger Schritt für den Flugzeugbauer, der nach einer Sicherheits- und Managementkrise versucht hat, wieder Boden zu gewinnen. Außerdem hat die französische Regierung allen von den jüngsten Unruhen betroffenen Unternehmen einen zinslosen Kredit von bis zu 50.000 Euro angeboten.

France 24 Positiv
Trump schlägt vor, er könnte "Schiedsrichter" im DoJ Anti-Betrug Whistleblower-Schema sein
International

Trump schlägt vor, er könnte "Schiedsrichter" im DoJ Anti-Betrug Whistleblower-Schema sein

Der Präsident macht Vorschläge, während er ein neues Programm ankündigt, um Tipper zu belohnen, die Betrugsvorwürfe einreichenDonald Trump schlug am Dienstag vor, dass er als "Schiedsrichter" von Entscheidungen im neuen Betrugsbekämpfungsprogramm des Justizministeriums dienen würde, das denjenigen eine Entschädigung gewährt, die Tipps einreichen, die zu einer Verurteilung oder einer erheblichen Durchsetzung des Bundes führen. Bei der Ankündigung des neuen Programms neben JD Vance, dem Vizepräsidenten, der die Taskforce des Weißen Hauses leitet, um Betrug zu beseitigen, sagte der Präsident Reportern, er habe eine Lösung für Situationen, in denen mehrere Personen einen Tipp für dasselbe einreichen.

The Guardian Neutral