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Abgänge bei CNN: „Das sind furchtbare Medienmacher“

Die angesehene Reporterin Christiane Amanpour verlässt CNN. Und sie ist nicht die einzige. Die Tech-Expertin Kara Swisher findet für die neuen Eigentümer, die Trump-Freunde Ellison, deutliche Worte.

Abgänge bei CNN: „Das sind furchtbare Medienmacher“

Droht der US-Nachrichtensender CNN nach der Übernahme seiner Mutterfirma Warner Bros. Discovery personell auszubluten? Nach mehreren anderen namhaften Journalisten verlässt nun auch Christiane Amanpour zum kommenden Juni den Sender. Den neuen Eigentümern dürfte es recht sein, einige der größten Namen des Senders durch eigene Leute zu ersetzen. Amanpour, 68, ist internationale Chefreporterin des Senders und zählt zu den renommiertesten Journalisten Amerikas; seit dreiundvierzig Jahren berichtet sie bei CNN aus den Krisengebieten der Welt. Für ihre Interviews mit Staatsoberhäuptern ist die Tochter eines Iraners und einer Britin vielfach ausgezeichnet worden. Im Mai äußerte sie sich wie viele ihrer Kollegen skeptisch über die Trump-Freunde Larry und David Ellison, die seit gut einem Jahr den Konzern Paramount ihr Eigen nennen und dort unter anderem den Nachrichtensender CBS einer „Neuorientierung“ unterzogen haben. Dieser fielen die gesamte Führungsriege des Magazins „60 Minutes“ und der langjährige Reporter Scott Pelley zum Opfer, die Einschaltquote brach ein. Mit Blick auf CNN soll Larry Ellison bei einem Besuch im Weißen Haus zur Fusion von Warner Bros. Discovery und Paramount mit Trump über Programmveränderungen und die Entlassung der CNN-Moderatorinnen Brianna Keilar und Erin Burnett gesprochen haben. Amanpour hatte in einer Ansprache auf einer Journalismus-Konferenz in New York gesagt: „Selbstverständlich bin ich als Person und als Journalistin beunruhigt, nicht zuletzt im Hinblick darauf, was anderswo geschehen ist, wie bei CBS News“, und verwies auf die „ideologische Neuausrichtung“ des Senders durch die von den Ellisons installierte Nachrichtenchefin Bari Weiss. Sie könne nur hoffen, sagte Amanpour, dass „die absolut grundlegenden Dinge wie redaktionelle Unabhängigkeit“ bestehen blieben. Dies sollte eigentlich durch eine Abspaltung von CNN und anderen Kabelsendern aus dem Warner Bros.-Bestand garantiert werden, wie sie der kalifornische Staatsanwalt Rob Bonta gemeinsam mit elf anderen Bundesstaaten in einer Klage gegen den Zusammenschluss der beiden Unterhaltungskonzerne forderte. Doch dann knickte Bonta im September unter erheblichem politischem Druck und angesichts von Paramounts Drohung, Kalifornien zu verlassen, ein. Nun könnte CNN, einer der letzten  regierungskritischen Sender in der US-Medienlandschaft auseinanderfallen. Bereits andere namhafte Journalisten haben CNN nach der Fusion von Paramount und Warner Bros. Discovery den Rücken gekehrt. Paula Reid, die juristische Chefreporterin des Senders, lehnte Ende Juni eine Verlängerung ihres Vertrags ab. Sie heuert, Medienberichten zufolge, bei MS Now an. Reid soll ihre Sorgen über den künftigen Kurs von CNN in Gesprächen mit der Redaktionsleitung zum Ausdruck gebracht haben. „Da würde ich lieber für Rupert Murdoch arbeiten“ Die Tech-Reporterin Kara Swisher sagte erst kürzlich, dass sie ihren Vertrag mit CNN Ende des Jahres nicht verlängern werde. Swisher ist Reporterin, Moderatorin, Expertin in Diskussionsrunden und Produzentin der Dokuserie „Kara Swisher Wants to Live Forever“. Zu ihrem bevorstehenden Abgang wurde sie deutlich. „Scheiß auf diese Typen“, sagte sie über die Paramount-Eigentümer in ihrem Podcast „Pivot“ zu ihrem Ko-Gastgeber Scott Galloway, „da würde ich lieber für Rupert Murdoch arbeiten.“ Man habe zwar bei CNN mit allen Mitteln und „aller Freundlichkeit“ versucht, sie zu halten, so Swisher, aber: „Ich kann einfach nicht für die arbeiten. Das sind furchtbare Medienmacher.“ Einem Bericht der „New York Times“ zufolge überlegt auch Anderson Cooper, der bei CNN das Primetime-Magazin „360°“ macht, das Handtuch zu werfen. Cooper, der zwanzig Jahre als Korrespondent für „60 Minutes“ fungierte, hatte im Mai CBS News die Mitarbeit aufgekündigt (als Grund nannte er, mehr Zeit mit seinen Kindern verbringen zu wollen). Nach Angaben der „Times“, die sich auf zwei ungenannte Kollegen bezieht, soll Cooper Kollegen erzählt, er erwöge seinen Abgang bei CNN, falls auch dort Bari Weiss ans Ruder käme. Paramount-Chef David Ellison hatte indes zuletzt bekräftigt, der jetzige CNN-Chef Mark Thompson bleibe im Amt und CNN getrennt von CBS. Wie lange diese Konstellation gilt, fragen sich allerdings schon jetzt viele Medienbeobachter. CNN hatte in den vergangenen Jahren mit einer Reihe von Skandalen um Führungspersönlichkeiten, Moderatoren und Programmplanung zu kämpfen. Erst unter Thompson kehrte wieder ein wenig Ruhe ein. Der Sender gehört mit 25 Büros außerhalb der USA zu den am stärksten international ausgerichteten Networks und sticht mit seiner Berichterstattung aus Krisengebieten hervor. Der Einschaltquote nach rangiert CNN unter den US-Nachrichtensendern allerdings abgeschlagen auf Platz drei hinter Fox News und MS Now.

Quelle: FAZ ›

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