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Einsparungen an HU: Tod auf Raten am Exzellenzstandort Berlin

Der Akademische Senat der Humboldt-Universität soll Berlins letzte Professur für Architektur- und Stadtgeschichte streichen. Auch das Archäologie-Institut soll schließen.

Einsparungen an HU: Tod auf Raten am Exzellenzstandort Berlin

In Berlin lässt sich derzeit studieren, wie radikale finanzielle Einschnitte durch ein Land Universitätsstandorte zerstören und Alleinstellungsmerkmale auslöschen können. Den universitären Gremien wird die Zustimmung zur Selbstbeschneidung, an manchen Stellen Selbstzerstörung zugemutet. Zwar hat die Berliner Wissenschaftsbehörde eine Perspektivkommission eingerichtet. Einen Struktur- und Entwicklungsplan für ihre eigene Institution zu beschließen, kann sie den einzelnen Universitäten jedoch nicht abnehmen. Allerdings wäre es andernorts kaum denkbar, dass so grundlegende Veränderungen, wie sie derzeit den Berliner Universitäten aufgezwungen wurden, allein der akademischen Selbstverwaltung überlassen werden. Zwar hat der Exzellenzverbund der Berlin University Alliance (BUA) die Berliner Universitäten näher zusammengebracht, aber bei Streichungen auch zu neuen Konkurrenzen geführt. Hier wäre die Wissenschaftsbehörde in der Pflicht, zu koordinieren und den gesamten Standort in den Blick zu nehmen. Am kommenden Dienstag wird sich der Akademische Senat der Humboldt-Universität (HU) zu Berlin mit der Streichung der berlinweit letzten Professur für Architektur- und Stadtgeschichte sowie der endgültigen Schließung des Instituts für Archäologie mit klassischer Archäologie und Archäologie und Kulturgeschichte Nordostafrikas (AKNOA) in erster Lesung befassen, ohne zu wissen, wie eine Neuaufstellung des Instituts für Archäologie aussehen könnte. Die zweite Lesung und endgültige Entscheidung ist für Dezember geplant. Internationale Proteste auch der Ägyptologie Nach den internationalen Protesten renommierter klassischer Archäologen hat nun auch der Verband der Ägyptologie darauf hingewiesen, dass damit die Sudanarchäologie ganz von der deutschen Landkarte verschwände. Ohne die dazugehörige Forschung stünde dann auch die Sudanarchäologische Sammlung mit Stücken aus der UNESCO-Welterbestätte Musawwarat es-Sufra und dem dazugehörigen Grabungsarchiv in den Berliner Museen da. Auch die klassische Archäologie lässt sich nur im Zusammenhang mit der Museumsinsel denken. Durch die traditionsreiche Kooperation mit den Museen der nahe gelegenen Museumsinsel hätte sie in Berlin ebenfalls ein Alleinstellungsmerkmal. Im Berliner Hochschulgesetz in Paragraph 2b heißt es: „Hochschulstrukturplanung ist eine gemeinsame Aufgabe des Landes Berlin und der Berliner Hochschulen im gesamtgesellschaftlichen Interesse und in der Gesamtverantwortung des Landes.“ Was derzeit in Berlin geschieht, widerspricht dieser Bestimmung aufs Schärfste. Auch wenn man an der HU dachte, die Freie Universität (FU) werde ihre Professur für Architektur- und Stadtgeschichte erhalten, ist das Fach im Ergebnis nun nicht mehr in Berlin vorhanden. Anfang des Jahres hatte die Hochschule für Technik und Wirtschaft schon das Ende ihres Studiengangs für Grabungstechnik verkündet. Das alles geschieht an einem sogenannten Exzellenzstandort. In der HU ist der Unmut über die von Betroffenen wahrgenommene Intransparenz des Kürzungsprozesses groß, weil sie den Eindruck gewonnen haben, dass etwa ein Kriterium wie Drittmittelstärke in manchen Fällen enormes Gewicht hat, in anderen wiederum gar nicht. Klar ist indessen, dass dem Institut für Archäologie eine überproportional große Kürzung zugemutet wird. Inneruniversitäre Entscheidungsprozesse Wie kommen solche Entscheidungen innerhalb einer Universität zustande? Im Gespräch mit der F.A.Z. verweist HU-Präsidentin Julia von Blumenthal auf das Jahr 2024, in dem ihre Universität auf ein strukturelles Defizit im Haushalt reagieren musste. „Damals haben wir einen kriteriengeleiteten Prozess durchgeführt und die Leistungsbereiche Forschung und Lehre mit quantitativen und qualitativen Kriterien gemessen.“ Das Präsidium habe Alleinstellungsmerkmale sowie rechtliche Bindungen wie den Staatskirchenvertrag betrachtet; Lehramtsstudiengänge waren ausgenommen. „Wir haben damals schon festgestellt, dass die Archäologie von der Drittmittel-Performance und von der Gesamtforschungsleistung nicht mehr so leistungsstark wie früher ist. Es gab keinen Clusterantrag, keine SFB (Sonderforschungsbereiche, Anm. d. Red.) und im Moment auch kein Graduiertenkolleg“, so von Blumenthal. Das renommierte Pompeji-Projekt der Klassischen Archäologie werde von der Stiftung der HU finanziert und sei daher kein Drittmittelprojekt, argumentiert die Präsidentin. Die finanzielle Ausstattung durch das Land sei nicht mehr groß genug, um Aufgaben in der Nachwuchsförderung ohne Drittmittel wahrzunehmen. „Wir haben auch festgestellt, dass der Bereich AKNOA sehr schlecht ausgelastet ist und die relativ hohen Immatrikulationszahlen in der klassischen Archäologie insofern etwas in die Irre leiten, als es sehr viel weniger Abschlüsse gibt. Das trifft allerdings auf andere zulassungsfreie Fächer auch zu“, so von Blumenthal. Das Präsidium habe daher entschieden, eine weitere vierte Professur am Institut für Archäologie 2027 bei ihrem Freiwerden zu streichen. Offener Prozess der Neuaufstellung So sei schon 2024 klar gewesen, dass das Institut mit drei Professuren auskommen und neu strukturiert werden müsse. Erfahren hat es davon allerdings erst sehr viel später. Einig sei sich das Präsidium darüber, „dass eine HU ohne Archäologie nicht geht“. Deshalb habe man sich darauf verständigt, dass zwei Professuren mit Ausstattung und eine Dauerstelle zur Sicherstellung der umfangreichen Sammlungen bleiben müssen. Die Voraussetzungen für ein eigenständiges Institut mit drei Professuren sind damit nicht mehr erfüllt. „Wir starten jetzt einen völlig offenen Prozess für die Neuaufstellung der archäologischen Kompetenzen an der HU und werden im ersten Schritt ein neues fachliches Konzept erarbeiten“, versicherte von Blumenthal. In der aktuellen Kürzungsrunde muss die HU im akademischen Bereich strukturell 8,2 Millionen Euro pro Jahr einsparen. Das Präsidium hat einen proportionalen Kürzungsbeitrag vorgegeben, „aber die Fakultäten entscheiden selbst, wie und wo sie sparen, und le…

Quelle: FAZ ›

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