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Kenia: Sektenpastor wegen Hungertods von 191 Menschen verurteilt

Er wollte, dass seine Anhänger verhungern, um »Jesus zu begegnen«: Ein Gericht in Kenia hat den Sektenführer Paul Mackenzie nun verurteilt. Ein Großteil der weit über Hundert Opfer waren Kinder.

Kenia: Sektenpastor wegen Hungertods von 191 Menschen verurteilt

Sektenführer Paul Mackenzie (r.) vor Gericht in Mombasa: Extreme Fastenpraktiken »veranlasst und geleitet«

Ein Gericht im kenianischen Mombasa hat den Sektenführer Paul Mackenzie wegen der Tötung von 191 Menschen verurteilt. Der selbsternannte Pastor hatte seine Anhänger aufgefordert, sich zu Tode zu hungern, um »Jesus zu begegnen«. Ein Großteil seiner Opfer waren Kinder.

Seit 2023 wurden mehr als 400 Leichen in einem Wald in der Nähe des Küstenorts Malindi entdeckt. Vor Gericht ging es nun um 191 konkrete Todesfälle. Neben Mackenzie waren weitere mutmaßliche Mittäter angeklagt. »Ich bin der Ansicht, dass die Anklage die Schuld der 29 Angeklagten am Mord an 190 Kindern und einem Erwachsenen bewiesen hat«, erklärte Richterin Diana Kavedza Mochache.

Nach Überzeugung der zuständigen Staatsanwaltschaft hatte Mackenzie auf seiner Ranch im Shakahola-Wald extreme Fastenpraktiken »veranlasst und geleitet«. Die Behörde spricht von einer »strukturierten Hierarchie des Todes«.

Demnach war vorgesehen, dass zuerst Kinder, dann Teenager und Frauen sterben sollten – zuletzt die Männer. Die Kinder seien überwiegend verhungert, aber auch durch »Ersticken, Erwürgen und schwere Kopfverletzungen« getötet worden, teilten die Ankläger während des Prozesses mit. Das ergebe sich aus Obduktions- und Polizeiberichten.

Bei den Ausgrabungen im Shakahola-Wald wurden hunderte Leichen in Massengräbern gefunden

Mackenzie und seine Mitangeklagten hatten in allen 191 Anklagepunkten auf nicht schuldig plädiert. In separaten Verfahren wies Mackenzie auch Vorwürfe des Totschlags und Terrorismus in weiteren Fällen zurück.

Die Polizei hatte Mackenzie im April 2023 festgenommen, nachdem Menschenrechtsgruppen den Behörden einen Hinweis gegeben hatten und einige Anhänger des Sektenführers vor dem Verhungern gerettet werden konnten.

Bei den Ermittlungen stieß die Polizei auf hunderte Massengräber. Wegen der hohen Zahl der Toten mussten die Bergungsarbeiten zeitweise unterbrochen werden, weil in den örtlichen Leichenhallen kein Platz mehr war.

Als bekannt wurde, dass Mackenzie in der Vergangenheit zweimal festgenommen und wieder freigelassen worden war, forderten viele Kenianer strengere Vorschriften für religiöse Vereinigungen. So auch Angehörige der Opfer.

Der 62-jährige Francis Wanje, der acht Familienmitglieder, darunter seine Tochter und zwei Enkelkinder, durch die Hungersekte verlor, kritisierte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP die anfängliche Untätigkeit der Regierung. Vor der Urteilsverkündung sagte er: »Wir erwarten ein Urteil, das der ganzen Öffentlichkeit eine Lehre sein wird, damit solche Sachen nicht wieder geschehen«.

Quelle: Spiegel ›

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