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"Marzipan"-Krösche verlässt Frankfurt unter Tränen

Der langjährige Eintracht-Sportvorstand findet bei seiner Abschiedsrede auf der Mitgliederversammlung die passenden Worte - und wird von seinen Emotionen übermannt. Mathias Beck bleibt Präsident - und Vorstandsboss Axel Hellmann blickt voraus.

"Marzipan"-Krösche verlässt Frankfurt unter Tränen

Der langjährige Eintracht-Sportvorstand findet bei seiner Abschiedsrede auf der Mitgliederversammlung die passenden Worte - und wird von seinen Emotionen übermannt. Mathias Beck bleibt Präsident - und Vorstandsboss Axel Hellmann blickt voraus. Von Daniel Schmitt Der sonst so rationale Markus Krösche, der den eigenen Worten nach "nie bei einem Sieg oberkörperfrei durch Frankfurt" laufen würde, weinte. Nicht hemmungslos, das wäre übertrieben, aber doch deutlich erkennbar. Mehrfach geriet der langjährige Sportvorstand von Eintracht Frankfurt bei seiner Abschiedsrede auf der Mitgliederversammlung ins Stocken, räusperte sich, wurde unterbrochen von Applaus, verfiel in lange Ähs und Öhs. Es menschelte im Frankfurter Westen. Sehr sogar. Eine ganz besondere Schokolade war ebenfalls Thema – dazu später mehr. "Ich muss in gewissen Dingen auch eine gewisse Kälte haben", sagte Krösche jedenfalls, "aber die letzten Tage waren für mich sehr emotional." Die vergangenen Jahre beim hessischen Bundesligisten seien intensiv gewesen. "Ihr habt mir gezeigt, was es bedeutet, in einem Traditionsklub zu arbeiten", richtete er sich direkt an die mehr als 1.300 anwesenden Mitglieder: "Das hat mir so viel Energie, Power und Leidenschaft gegeben." Standing Ovations für Krösche Eben jene Power aber sei ihm zuletzt etwas abhanden gekommen. "Ich hatte sie nicht mehr zu 100 Prozent", gab der 46-Jährige offen zu. Entsprechend sei er zu dem Entschluss gekommen, den Klub zu verlassen. "Ich kann nicht mehr meinen besten Job machen." Freilich: Längst ist das Interesse der AC Mailand kein Geheimnis mehr. Krösche aber fand an diesem Abend in der Jahrhunderthalle die passenden Worte. "Ich wünsche dem Verein nur das Beste der Welt. Ich war ein Eintrachtler in den letzten Jahren und werde immer ein Eintrachtler bleiben", beschloss der Manager seine emotionale Rede. Und erhielt Standing Ovations. Mathias Beck bleibt für vier weitere Jahre der Präsident von Eintracht Frankfurt. Bei der Abstimmung, die mit gehobenen Stimmkarten durchgeführt wurde, schnellten die allermeisten Arme nach oben. Bei 1.215 stimmberechtigten Mitgliedern erhielt Beck lediglich drei Gegenstimmen. Zudem gab es zehn Enthaltungen. "Es ist mir eine Ehre, ich bin sehr stolz", sagte der Präsident. Zuvor hatte bereits Mathias Beck, der später mit überwältigender Mehrheit als Präsident wiedergewählt wurde, die Arbeit von Krösche gewürdigt. "Es hat Größe, sich nicht einfach in einem Medien-Statement zu verabschieden, sondern hier bei den Leuten." In seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender habe er, Beck, stets gut zusammengearbeitet mit Krösche. "Außenstehende denken, dass du ein kühler, abgebrühter Macher bist. Aber ich habe einen emotionalen Markus kennenlernen dürfen." Ebenfalls lauter Applaus. Angepasste Transferstrategie Nach Beck und Krösche betrat der neue Vorstandsvorsitzende Axel Hellmann die Bühne und sprach über die künftige Ausrichtung des Klubs. So richtete der Interims-Sportvorstand klare Worte an die Mannschaft. Es sei wichtig, wie zuletzt beim 1:0 gegen Köln, nicht mit "Schwanensee-Ballettschühchen" unterwegs zu sein, sondern mit viel Energie, Leidenschaft und Gemeinschaftsgefühl. Nur mit diesen Attributen sei Erfolg möglich. Die anwesenden Führungsspieler Jonathan Burkardt, Robin Koch, Noah Atubolu, Mario Götze und Timothy Chandler sowie das Trainerteam um Adi Hütter hörten genau hin. Hellmanns Worte waren eindringlich. Ebenso wie zur Transferstrategie des Klubs, die sich verändert habe. Zwar nicht kolossal, aber doch spürbar. "Fertige Spieler mit europäischer Qualität werden wir uns nie bis zum 18. Kaderplatz leisten, sondern wir werden immer auf junge Kräfte setzen. Wir gucken mehr ins NLZ, mehr ins deutsche Land, mehr auf potenzielle deutsche Nationalspieler – auch aus den U-Bereichen." Dies sei keine Abkehr, aber doch eine Anpassung des Geschäftsmodells. Bereits Krösche hatte diesen Weg angestoßen, nicht umsonst war zuletzt das DFB-Sturmduo ein Eintracht-Sturmduo. Hellmann über Krösche: "Hast dich dem Verein hingegeben" Im Mittelpunkt des langen Abends aber stand natürlich die Causa Krösche. Auch Hellmann richtete – im Gegensatz zur Presseveröffentlichung am Sonntag – diesmal dankende Worte an seinen ehemaligen Kollegen. "Du kannst zuhören, bist aufnahmebereit und hast dich diesem Klub mit all seinen Facetten hingegeben. Du wirst sicherlich gute, erfolgreiche Stationen nach Eintracht Frankfurt haben. Aber du wirst nie wieder solch eine innere Erwärmung spüren wie hier." Und was hatte das nun mit der Schokolade auf sich? "Ich kenne niemanden sonst", klärte Hellmann mit einem Grinsen in Richtung Krösche auf, "der so aussieht und sich fast ausschließlich von Marzipan-Schokolade ernährt." Gelächter im Saal. Wäre das also auch geklärt.

Quelle: tagesschau ›

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