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Private Equity: Unruhe bei Nordic Capital

Der Finanzinvestor ist in Deutschland unter anderem bekannt für seine Pflegeheimkette Alloheim. Nach dem Abgang des Deutschlandchefs und anderer hiesiger Spitzenmanager wird er sich neu sortieren müssen.

Private Equity: Unruhe bei Nordic Capital

Nach der Kündigung seines Deutschlandchefs Rainer Lenhard steht ein Umbruch im hiesigen Geschäft des schwedischen Finanzinvestors Nordic Capital an. Ein Partner in Stockholm hat von ihm die Verantwortung für die deutschsprachige Region übernommen, während nun ein Trio aus „Managing Directors“ das Tagesgeschäft in Frankfurt führt. Branchenkenner werfen die Frage auf, ob dieses Konstrukt dauerhaft ist – oder ob es ein Schaulaufen der drei um die endgültige Nachfolge des Deutschlandchefs darstellt. Die Skandinavier sind hierzulande unter anderem bekannt für ihre Pflegeheimkette Alloheim. Die personelle Unruhe bei Nordic Capital ist Gesprächsthema am Finanzplatz Frankfurt. Lenhard, 2019 von der Investmentbank Goldman Sachs zu den Skandinaviern gekommen, hat schon im vergangenen Jahr seine Kündigung eingereicht, wie Kenner der Branche berichten. Daneben gab es in Frankfurt mit Partner-Status noch Philippe Neuschäfer, der das Segment mit kleinen bis mittleren Beteiligungen bearbeitete. Er verließ Nordic Capital im Sommer, wie seinem Linkedin-Profil zu entnehmen ist. Außerdem gab es in den vergangenen Monaten Abgänge aus der Reihe der Managing Directors. Nur noch Berater Lenhard ist zwar noch als Partner auf Nordic Capitals Internetseite geführt. Er bereite aber den Schritt in die Selbständigkeit vor und fülle nur mehr eine Beraterrolle aus, die wahrscheinlich noch in diesem Jahr ende, ist zu hören. Formal wird die Region Deutschland/Österreich/Schweiz (nach den Länderkürzeln als DACH abgekürzt) seit Februar aus Stockholm geführt: von Fredrik Näslund, einem Nordic-Capital-Veteranen, der dem schwedischen Private-Equity-Haus seit 2001 angehört und heute als Partner und Investitionschef („Chief Investment Process Officer“) dient. Nach interner Regel soll ein Regionalchef für Nordic Capital Partner sein. Operativ führen das Frankfurter Büro Philipp Krispin, Tobias Dehlen und Sebastian Wohlgschaft, alle drei im Range des Managing Directors, der unter dem eines Partners liegt. Krispin kümmert sich um die Sektoren Technologie und Zahlungsdienstleister, Dehlen um die Gesundheitsbranche, Wohlgschaft um das Geschäft mit kleinen bis mittleren Investments. Nordic Capital bestätigt zum einen die Bestellung der drei. Näslund „übernimmt die regionale Steuerung und die Betreuung des DACH-Teams und fungiert als Geschäftsführer“, teilt der Investor zum anderen schriftlich auf Anfrage mit. Zum Hintergrund und den Details der Personalien äußerte sich der Investor auf Anfrage nicht. Lenhard lehnte einen Kommentar ab. Eine Dreierspitze – kann das funktionieren? Eine entscheidende Frage ist nun, ob Nordic Capital die jetzige Führungsstruktur verstetigt. Wollen die Skandinavier die DACH-Region permanent zentralisiert, also von Stockholm aus führen? Das wäre beispielsweise für mittelständische Familienunternehmer relevant, denn die bevorzugen stattdessen für eine Übernahmeverhandlung in der Regel einen erfahrenen ortsansässigen Verantwortlichen. Andererseits wird keinem der drei jetzigen operativen Leiter in Frankfurt eine Gravitas wie jene Lenhards bescheinigt. Als gut möglich gilt, dass sich in der jetzigen Konstruktion die drei beweisen sollen und am Ende einer gewinnt. Eine dauerhafte Dreierführung jedenfalls wäre in der Branche ungewöhnlich. Schon Doppelspitzen funktionieren in der Regel nur, wenn die Chemie zwischen den zwei Ko-Leitern besonders gut funktioniert. Lenhard hatte die Region zunächst als solch ein Ko-Chef neben einem skandinavischen Partner geführt. Nordic Capital sammelt seit Anfang vergangenen Jahres Kapitalzusagen von Investoren für seinen zwölften Flaggschifffonds ein und soll dabei inzwischen in den letzten Zügen liegen, dürfte den Geldtopf also bald schließen. In der DACH-Region an zehn Unternehmen beteiligt: außer an Alloheim unter anderem am Medizindienstleister GHD, an der Industrietechnikgesellschaft Proglove und am Kreditvermittler Bilthouse, den der Investor aus der Fusion der großen deutschen Anbieter Baufi24, Hüttig & Rompf und Creditweb geschaffen hat. Die zehn Unternehmen im Portfolio erwirtschaften nach Angaben der Gesellschaft in Summe 2,8 Milliarden Euro Umsatz. Vor zwei Jahren reichte der Finanzinvestor den Rollstuhlhersteller Sunrise Medical an das amerikanische Private-Equity-Haus Platinum weiter.

Quelle: FAZ ›

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