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Briefmarken werden teurer: Warum das Porto von 95 auf 115 Cent steigt

Die Post erhöht den Preis für Briefmarken. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zur größten Preissteigerung bisher.

Briefmarken werden teurer: Warum das Porto von 95 auf 115 Cent steigt

Die Deutsche Post möchte das Briefporto so stark anheben wie noch nie. Ein entsprechendes Vorhaben gab der Logistiker in Bonn bekannt. Ein Überblick mit den wichtigsten Fragen und Antworten. Wie stark steigt das Porto? Der Inlandsversand eines bis zu 20 Gramm schweren Standardbriefs und einer Postkarte kostet bislang 95 Cent, künftig sollen es 20 Cent mehr werden. Mit 1,15 Euro wäre der Wert mehr als doppelt so hoch wie 2012, als es noch 55 Cent waren. Andere Briefarten werden ebenfalls teurer, der bis zu 50 Gramm schwere Kompaktbrief verteuert sich um 15 Cent auf 1,25 Euro, der Großbrief um 55 Cent auf 2,35 Euro und der Maxibrief um 2,10 Euro auf 5 Euro. Der Preis für Einschreiben bleibt unverändert. Die neuen Preise gelten für die Jahre 2027 und 2028. Neben den Briefen werden auch Pakete teurer werden, deren geplante Porti für Privatleute gab die Post aber bislang nicht bekannt. Außerdem wird Geschäftskunden-Post teurer. Sind die Preiserhöhungen schon beschlossene Sache? Nein, die Post benötigt für die Gültigkeit der neuen Porti die Zustimmung der Bundesnetzagentur. Die Behörde hatte vergangene Woche einen Preiserhöhungsspielraum von 20,35 Prozent vorgeschlagen und damit so viel wie noch nie. Der Wert von 10,48 Prozent aus dem Jahr 2025 wurde fast verdoppelt. Das heißt, dass die Einnahmen für den Versand aller Briefsendungen, die voraussichtlich verschickt werden, um diesen Prozentwert steigen dürfen. Wie dieser Spielraum auf die einzelnen Briefarten angewandt wird, legt die Post fest. Allerdings prüft die Bundesnetzagentur das noch und berechnet, ob der Gelbe Riese auch innerhalb des Spielraums geblieben ist. Bei der Liste geplanter Porti fällt auf, dass die Erhöhung beim Großbrief (plus 30,6 Prozent) und Maxibrief (plus 72,4 Prozent) enorm ausfällt. Dass insgesamt dennoch der Gesamtschnitt von 20,35 Prozent erreicht wird, erklärt ein Postsprecher mit der unterschiedlichen Gewichtung der Briefarten – in der einen sind es mehr Sendungen, in der anderen weniger. Hinzu kommen „Struktureffekte“ und geänderte Maße: Der Großbrief wird gewissermaßen größer, womit er künftig einen Teil der bisherigen Maxibrief-Mengen übernimmt – das ist letztlich eine Preissenkung. Warum wird es denn überhaupt teurer? Die Netzagentur und die Deutsche Post begründen die steigenden Preise mit den sinkenden Briefmengen im Digitalzeitalter – die Menschen und Firmen setzen immer stärker auf digitale Kommunikation. In ihrem Urlaub an der Ostsee oder im Schwarzwald verschicken viele Menschen lieber Selfie-Fotos über Messenger-Dienste, anstatt eine Postkarte zu kaufen, zu frankieren und zum Briefkasten zu bringen. Auch die Weihnachtswünsche und der Neujahrsgruß landet inzwischen häufig auf dem Smartphone und nicht im Briefkasten. Firmen nutzen ebenfalls stärker digitale Kanäle für ihre Werbung und Rechnungen. Gleichzeitig müsse die Post auch künftig ein flächendeckendes Netz aus Briefkästen und Filialen für ganz Deutschland vorhalten. „Wenn immer weniger Briefe über diese Infrastruktur laufen, steigen die Kosten pro Brief zwangsläufig.“ Man investiere zudem jedes Jahr rund eine Milliarde Euro in das Post- und Paketnetz, etwa in Elektrofahrzeuge und Automaten. Wie stark trifft die Preiserhöhung die Verbraucher? Privathaushalte geben nur rund vier Euro im Monat für Brief- und Paketdienste aus – auf diesen schon etwas älteren Durchschnittswert des Statistischen Bundesamtes verweist die Post. Die geplante Mehrbelastung liege monatlich lediglich bei 75 Cent, heißt es vom gelben Riesen. Außerdem werden auch Briefe teurer, die Firmen verschicken – wenn deren Kosten steigen, werden diese häufig an die Verbraucher weitergereicht werden. Denkbar ist zudem, dass sich der Strukturwandel durch die deutlich höheren Preise beschleunigt: Firmen satteln auf digitale Kommunikation um, weil der Briefversand zu teuer wird. Wer im Briefkasten nachguckt, um ein Schreiben seiner Versicherung oder seines Handwerkers zu finden, sollte auch mal in seiner Mailbox nachschauen. Wie reagiert die Politik? Aus der Politik wird Verständnis signalisiert für die geplante Preisanhebung. Die Briefmengen seien nun mal stark zurückgegangen, sagt der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Roloff. „Wichtig ist, dass wir die qualitativ hochwertige deutschlandweite Versorgung zu moderaten Preisen weiterhin sicherstellen können.“ Der Vergleich mit unseren Nachbarländern zeige im Hinblick auf Preise und Qualität, „dass wir das immer noch gut hinbekommen“. Tatsächlich ist der Briefversand in Deutschland noch immer relativ günstig. In den Niederlanden liegt das Porto für einen Standardbrief bei 1,40 Euro, in Belgien werden mindestens 1,58 Euro fällig. In Frankreich sind es 1,52 Euro – dort steht schon fest, dass das Porto für einen Standardbrief zum Jahreswechsel auf 1,67 Euro steigt. Was gibt es sonst noch für Vorgaben für den Briefmarkt? Separat zum Briefporto gilt eine Vorschrift, dass 95 Prozent der heute eingeworfenen Briefe nach drei Werktagen beim Verbraucher sein müssen. Nach vier Werktagen müssen 99 Prozent angekommen sein. Die Vorschrift war 2025 gelockert worden. Bei manchen Verbrauchern sorgen verspätete Briefe für Frust.

Quelle: FAZ ›

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