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Humanoide Roboter: Wie Robotermenschen deutsche Fabriken erkunden – und was das für die Jobs bedeutet

KI-Roboter mit Armen und Beinen sollen die Industrie revolutionieren. Ein Besuch am Arbeitsplatz der ersten Maschinenmenschen zeigt: Noch müssen sie viel lernen – aber das kann schnell gehen.

Humanoide Roboter: Wie Robotermenschen deutsche Fabriken erkunden – und was das für die Jobs bedeutet

Der erste Eindruck ist: ernüchternd. Noch im August hatte die Welt über die Bilder von den „World Humanoid Robot Games“ in Peking gestaunt. Mehr als 2000 menschenähnliche Roboter traten in Sportwettkämpfen gegeneinander an. Einer rannte die 100 Meter in 8,64 Sekunden, fast eine Sekunde schneller als Weltrekordhalter Usain Bolt. Aber wer die noch seltene Gelegenheit bekommt, einem humanoiden Roboter im wahren Leben zu begegnen, und nicht bei inszenierten Auftritten in Show-Sportkämpfen und auf Industriemessen, der stellt fest, wie mühsam der Alltag der Maschinenmenschen in Wahrheit noch ist. Zugleich bekommt man eine Ahnung davon, wie von Künstlicher Intelligenz (KI) gesteuerte Roboter, die Kopf, Arme und Beine haben, unser Leben verändern werden, wenn sie nicht mehr nur fürs Publikum hüpfen, tanzen und rennen, sondern arbeiten, mithelfen, sich kümmern. In Fabriken, in Logistikzentren, in Restaurants und Pflegeheimen und irgendwann auch daheim bei der Arbeit im Haushalt. Wann genau unser Leben mit den Maschinenmenschen beginnt, kann heute niemand mit Sicherheit sagen. Doch manche Fachleute sagen voraus, es könnte binnen weniger Jahre so weit sein. Die F.A.S. hat den KI-Robotern zugeschaut bei ihren ersten Schritten hinaus aus den Laboren und hinein in die Welt der Menschen. Fachleute sprechen von „physischer KI“, weil sie der Künstlichen Intelligenz einen Körper geben, mit dem sie direkt in der Welt agieren kann. „Viel zu lernen du noch hast“ In einem Punkt sind sich die meisten Experten einig: Einer der ersten Lebensräume der humanoiden Roboter wird die Fabrik sein. Denn in dieser technischen, strukturierten, und durchgeplanten Umgebung findet sich ihr KI-Gehirn derzeit noch am ehesten zurecht. Und hier könnten sie auch schon bald einen großen Unterschied machen. Optimisten glauben, die humanoiden Roboter werden ein Rettungsring für die in Not geratene deutsche Industrie sein. Weil sie helfen, Kostennachteile auszugleichen und die Abwanderung von Fabriken zu stoppen. Ein Donnerstagmittag Ende September im BMW-Werk Leipzig. Das hier ist eine der allerersten Fabriken in Europa, in denen die Maschinenmenschen heute schon getestet werden. Noch sind es nur ein paar. Aber der Autokonzern will binnen weniger Jahre Tausende humanoider Roboter in seinen Fabriken einsetzen. BMW hält die Maschinenmenschen für einen „Gamechanger“. Eine Technologie, die ganz neue Möglichkeiten eröffnet. An diesem Herbsttag in Leipzig hilft der neue Roboterkollege namens Hexagon Aeon an der Spritzgussmaschine mit. Oder besser gesagt: Er versucht es. Er nimmt einen Kunststoff-Spoiler aus der Maschine, dreht sich um und bringt ihn zu einem wenige Meter entfernten Förderband. Quälend langsam sind seine Bewegungen, manchmal fällt das Bauteil scheppernd zu Boden. Einer der Techniker, die ihm assistieren, muss es dann aufheben und ihm vorsichtig reichen. Der Beobachter muss an den alten Jedi-Meister Yoda aus Star Wars denken: „Viel zu lernen du noch hast.“ Der Aeon ist ein 1,65 Meter großer und 60 Kilogramm schwerer humanoider Roboter des Herstellers Hexagon Robotics aus Zürich. Er hat zwei Beine mit jeweils einer Rolle statt Füßen und es ist faszinierend ihm dabei zuzuschauen, wie er darauf unterwegs die Balance hält. Bleibt er stehen, fährt er zwei kleine Stützen zur Stabilisierung aus. Der Kopf des Aeon sieht aus als würde er einen Motorradhelm mit heruntergeklapptem, undurchdringlich dunklen Visier tragen. Düster wirkt das. Die Industriedesigner müssen wohl noch mal ran und ihm ein freundlicheres Gesicht verpassen. Aber der Robotermensch bekommt alles mit. Die im Kopf installierten Kameras geben ihm einen 360-Grad-Blick. Der Aeon hat auch hinten Augen. Das hat er den Menschen schon mal voraus. BMW hat an diesem Mittag trotz laufender Produktion eigens den Arbeitsplatz an den Spritzgussmaschinen für den Roboter zum Üben freigemacht. Denn er kann auch diese simple Aufgabe noch nicht selbständig ausführen. Auf einem Stuhl sitzt ein Mensch mit einer Virtual-Reality-Brille auf den Augen, zwei Controllern in den Händen und einem Notebook auf den Knien. Er steuert den Roboter und bringt ihm so bei, was er tun soll. So funktioniert der Lernprozess: Zuerst steuert ein Mensch den Roboter, dann ahmen die Algorithmen den Arbeitsprozess nach. Dabei soll er allmählich immer selbständiger werden und ohne Anleitung Aufgaben ausführen. Das ist das Neue an den KI-gesteuerten Robotern: Konventionelle Industrieroboter, wie sie seit Jahrzehnten eingesetzt werden, führen, vereinfacht gesagt, vorgegebene Arbeitsabläufe aus. Sie arbeiten wie ein Bäcker, der einen Kuchen Schritt für Schritt nach Rezept zubereitet. Der KI-Roboter dagegen ähnelt einem versierten Bäcker, der Rezepte abwandeln und improvisieren kann, wenn ihm zum Beispiel eine Zutat fehlt. Die Hoffnung ist, dass mit- und vorausdenkende humanoide Roboter einfache Tätigkeiten in Fabriken übernehmen, für die eine Automatisierung bisher zu teuer war.  Aufgaben wie das Bestücken von Maschinen mit Bauteilen, oder das Herausnehmen von Werkstücken aus Maschinen. Und die mobilen KI-Roboter sollen auch flexibel zwischen verschiedenen Jobs in der Fabrik hin und her wechseln, je nachdem wo sie gerade gebraucht werden. Die ersten Robotermenschen im Leipziger BMW-Werk sind davon noch weit entfernt. Schon Lichtreflexe auf einem lackierten Kunststoffbauteil können sie verwirren, auch ein vom Wischen noch feuchter Boden kann zur Herausforderung werden. Und es gibt technische Probleme wie das sogenannte „Overfitting“, was man mit Überanpassung übersetzen kann. Wenn der Roboter eine bestimmte Aufgabe zu oft einstudiert, tut er sich schwerer damit, die dafür notwendigen Fertigkeiten wie erwünscht auf andere Aufgaben zu übertragen. Man könnte sagen: Der Roboter lernt den Arbeitsprozess auswendig, statt ihn wirklich zu verstehen. „Bereit sein für den ChatGPT-Moment“ Die Ingenieure setzen darauf, dass die Roboter-Gehirne schnell schlauer werden. Der Schweizer Hersteller Hexagon kooperiert eng mit dem US-…

Quelle: FAZ ›

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