Insulinfabrik: Sanofi setzt auf Frankfurt dank üppiger Staatshilfe
Der Pharmakonzern Sanofi baut in Frankfurt-Höchst eine neue Insulinfabrik. Doch ohne staatliche Zuschüsse wäre das Bekenntnis zum Standort wohl ausgeblieben. Und das ist ein Problem.
Natürlich ist das eine gute Nachricht, nicht nur für den traditionsreichen Frankfurter Chemie- und Pharmastadtteil Höchst. Dass der französische Pharmakonzern Sanofi rund 2 Milliarden Euro in eine neue Insulinfabrik steckt, sichert Hunderte Arbeitsplätze. Zudem macht es einen Teil der Arzneimittelversorgung in Europa sicherer. Angesichts der Lieferengpässe der jüngeren Vergangenheit ist das ein gesundheitspolitischer Erfolg. Doch die Freude in Berlin, Wiesbaden als Landeshauptstadt und Frankfurt-Höchst darf nicht darüber hinwegtäuschen, wie das Bekenntnis zum Standort zustande kam. Ohne Subventionen von 400 Millionen Euro hätte sich der Konzern nicht für Höchst entschieden. Wie wettbewerbsfähig ist die Produktion? Wenn aber ein so großer Teil der Investitionssumme aus Steuergeldern fließt, relativiert sich das Bild des vermeintlich doch noch attraktiven Wirtschaftsstandorts. Es geht hier, um in Worten der Chemie zu bleiben, eben nicht um eine organische Renaissance der Industrie. Zu besichtigen ist vielmehr eine industriepolitische Operation mit dem Scheckbuch, auch wenn sie ohne jeden Zweifel von der großen Kompetenz der Mitarbeiter in Frankfurt unterfüttert wird. Dass der Bund seine Förderung an strikte Auflagen knüpft, zum Beispiel die garantierte Produktion von jährlich mindestens 1,1 Tonnen Insulin bis zum Jahr 2042, ist mit Blick auf die Versorgungssicherheit nachvollziehbar. Es beweist aber auch, dass die Politik den von ihr selbst gesetzten Rahmenbedingungen nicht mehr ausreichend traut. Wenn ein Standort von sich aus dauerhaft wettbewerbsfähig ist, braucht es für einen Hersteller wie Sanofi keine vertraglichen Daumenschrauben für ein Vierteljahrhundert, um die Produktion im Land zu halten. Ein Blick auf die vergangenen zehn Jahre am Standort Höchst mahnt ohnehin zur Nüchternheit. Der globale Konsolidierungsdruck hinterlässt dort Spuren, auch wenn der Industriepark in der Nachfolge der einst stolzen Hoechst AG noch immer als Erfolgsgeschichte gelten kann. Die Insulinfabrik ist in jedem Fall ein Lichtblick, aber keiner am Ende des Tunnels: Horrende Energiekosten, lähmende Bürokratie und ein oft träges Umfeld lassen ihn endlos erscheinen. Subventionen lindern, um nun eine Pharma-Analogie zu verwenden, Symptome. Sie sind keine Therapie.
Quelle: FAZ ›
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