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Münchner Klimawoche: „Wir rasen auf eine viel heißere Welt zu“

In München hat die erste „Klimawoche“ begonnen. Bei der Eröffnungsfeier geht Luisa Neubauer mit der Bundesregierung hart ins Gericht – und kündigt den nächsten Klimastreik an.

Münchner Klimawoche: „Wir rasen auf eine viel heißere Welt zu“

Für Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer ist das Klimathema alles andere als „durch“. Das wurde bei der ersten Münchner Klimawoche, die am Montagabend im Schloss Nymphenburg eröffnet wurde, deutlich. Die Feier war gut besucht: Jung und Alt, Frauen und Männer, Unternehmer, Fachleute und Aktivisten. Das Ziel ist, Klimaschutz sichtbarer und wirkungsvoller zu machen. Mehrfach wird an diesem Abend herausgestellt, wie viele Start-ups, Tech-Hubs, Konzerne und Forschungszentren in der bayerischen Hauptstadt vertreten sind. „Wenn man über Klimavorreiter spricht, wenn man über Städte spricht, die Vorreiter sind, dann geht es international bisher nicht um Deutschland. Ich freue mich, dass es mit der Munich Climate Week jetzt auch aus München ein Signal gibt, dass man hier Teil des Wandels ist“, sagt das Gesicht der Fridays-for-Future-Bewegung, Luisa Neubauer, auf dem Panel. Dabei solle München als Vorbild dienen. „Die jungen Leute sind wütend und enttäuscht. Sie sehen, dass ihre Zukunft verbrannt wird“, sagt die Dreißigjährige. „Das bricht mir das Herz.“ Nach sieben Jahren Protestbewegung könne man nicht glauben, dass „öko-deprimierte Jugendliche“ das Klimaproblem allein lösen könnten: „So geht es nicht.“ Schon vor der Eröffnungsfeier geht die Aktivistin hart mit der Klimapolitik der Bundesregierung ins Gericht. In einer Presserunde spricht sie von einem „proaktiven Wegschweigen von makroökonomischen Großkrisen“ und einem „strukturellen Scheitern“. In der Klimapolitik sei vieles verschleppt und verzögert worden. „Das ist respektlos und ehrenlos gegenüber dem Land. Wir werden verrückt davon.“ Zudem solle man sich über die Kosten der Klimaschäden „ehrlich machen“. „Nichtstun ist der Kostenfaktor“ Das sieht Mariana Pedraza-Copete ähnlich. Sie ist Gründerin der Münchner Klimawoche (Munich Climate Week, MCW). Die Investorin hat kolumbianische Wurzeln und spricht sieben Sprachen. Man hat als kleines Team begonnen, nun gehören mehr als 100 Ehrenamtliche dazu. Die MCW-Vorständin erinnert in ihrer Rede an den diesjährigen Sommer und die 16.000 Hitzetoten. „Das sind doppelt so viele wie im Hitzesommer 2018“, sagt sie. „Nichtstun ist der Kostenfaktor.“ Sie weist auf eine Analyse der Triodos Bank hin. Dem niederländischen Geldinstitut zufolge könnten die Schäden durch extreme Hitze und Waldbrände in diesem Jahr auf insgesamt 180 Milliarden Euro steigen. Deshalb sei klar: „Wir wollen den Klimaschutz in den Mittelpunkt der Gesellschaft stellen.“ Pedraza-Copete betont, dass man „gemeinsam“ eine Lösung finden müsse und dafür „Brücken bauen“ wolle. Im Laufe der Woche wird es mehr als 400 Veranstaltungen in der Landeshauptstadt geben, darunter Filmabende, Reparaturcafés, Präsentationen von Klimatechnologien und Expertenrunden. 12.000 Teilnehmer hätten sich inzwischen angemeldet. Der Münchner Oberbürgermeister Dominik Krause hebt in seiner knappen Rede hervor, dass Deutschland mitten in einem „Transformationsprozess“ stecke. Er habe die Frage gehört, weshalb die Klimaproteste auf den deutschen Straßen, dieser „Weckruf“, verhallt sei. „Der politische Druck lässt nach“, sagt der grüne Kommunalpolitiker. „Wir stehen an einem Scheideweg.“ Laut Krause, der auch Schirmherr der Munich Climate Week ist, arbeiten in München unzählige Menschen und Institutionen längst an einer nachhaltigen Zukunft – „oft, ohne voneinander zu wissen“. „Die Munich Climate Week bringt sie zusammen und macht sichtbar, wie viel Aufbruch in dieser Stadt steckt.“ Diese Vernetzungsmöglichkeiten gelte es zu nutzen. „Das ist irrational und hochgradig ideologisch“ Klimaaktivistin Neubauer freue sich zwar über „den positiven Spirit“. „Wir rasen jedoch auf eine viel heißere Welt zu“, sagt sie. Neubauer zufolge befinden sich fossile Interessengruppen, mächtige Internetkonzerne und „Techno-Faschisten“ in einem „Clash“ mit der globalen Umweltbewegung. „Es ist kein Grund, das Handtuch zu schmeißen. Die kämpfen um alles, dann sollten wir zehnmal so hart rangehen.“ Dabei werde es auch Rückschläge geben. Dass „die Wirtschaft“ den Ausstieg von fossilen Energieträgern hinauszögere, finde sie falsch: „Das ist irrational und hochgradig ideologisch. Es ist anstandslos, in den Kollaps zu ziehen, anstatt Menschen zu schützen.“ Günther Thallinger, ein weiterer Panel-Teilnehmer, sitzt seit rund zehn Jahren im Vorstand der Allianz. Zum Ende des Jahres verlässt er den Konzern. Der promovierte Mathematiker schildert, was die Klimakrise für die Versicherungsbranche bedeutet. „Klima wird in jedem Plan eingebunden“, sagt er. „Wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit gibt es gar nicht ohne Nachhaltigkeit.“ Gleichwohl fehle ein Leitbild bei der Umsetzung der Klimaziele: „Wohin wollen wir?“ Die Politik müsse vorangehen, fordert er. Die Klimakrise dürfe nicht kleingeredet, relativiert oder geleugnet werden, mahnt Luisa Neubauer wiederum, deren Fridays-for-Future-Bewegung in den vergangenen Jahren etwas erlahmt ist. Doch sie kündigt für den 13. November den nächsten Klimastreik an, um während der Weltklimakonferenz in der Türkei (COP31) ein Zeichen zu setzen. Die Forderung lautet: „Deutschland muss seine Versprechen halten und seinen Klimaschulden Rechnung tragen. #PayYourClimateDebt!“

Quelle: FAZ ›

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